Bei der Umsetzung des Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung in der Grundschule drängt die Zeit: Die neue Mensa muss gebaut und Betreuer gefunden werden.
Ab dem Schuljahr 2026/27 haben Grundschuleltern in Wendlingen die Wahl, ob ihre Kinder ihr Recht auf Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen oder nicht. Die Verwaltung ist aktuell dabei, geeignete Voraussetzungen zu schaffen. So fiel in der jüngsten Sitzung des Stadtrats nun der Entschluss, die Planungen einer zusätzlichen Mensa auf dem Gelände der Gartenschule an das Architektenbüro essig.gruber aus Wendlingen zu vergeben. Dafür soll ein Gymnastikraum umfunktioniert werden.
Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von rund 583 000 Euro. Da im Haushalt nur 550 000 Euro für die Maßnahme eingestellt wurden, werden die Mehrkosten aus den Mitteln der ursprünglich geplanten Sanierung der Stadtbücherei gedeckt. „Wir sind unter Zeitdruck, bis Mitte 2026 muss die Mensa fertig sein“, bekannte Axel Girod, zuständig für den Hoch- und Tiefbau bei der Stadt. Vom Land liegt inzwischen eine Förderzusage in Höhe von 70 Prozent der Baukosten vor. „Doch darauf mussten wir lange warten“, kritisierte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel. Als nächstes muss der Bauantrag für die neue Mensa gestellt werden, auch das kostet Zeit. Dennoch rechnet die Stadt damit, noch in diesem Jahr, spätestens Anfang 2026 mit den Bauarbeiten beginnen zu können.
Parallel tüftelt die Verwaltung an der pädagogischen Ausgestaltung der Ganztagsbetreuung. Auch hier drängt die Zeit: Bis zum 1. Oktober muss die Stadt als Schulträger den Antrag auf Einrichtung der Ganztagsschule an ihren drei Grundschulen dem Staatlichen Schulamt Nürtingen vorlegen. Die Ganztagsschule wird in Wahlform an drei Mindesttagen mit je sieben Stunden eingeführt.
Da nicht alle Schüler pauschal teilnehmen müssen, sieht die Planung vor, dass der reguläre Unterricht in den Vormittagsstunden stattfindet. Nachmittags gibt es eine außerschulische Betreuung für die Ganztagsschüler, die von Lehrkräften und Betreuungskräften der kommunalen Schulkindbetreuung sowie von außerschulischen Partnern getragen werden soll.
Suche nach außerschulischen Partnern
Zu möglichen außerschulischen Partnern wie etwa den Vereinen wurden erste Kontakte geknüpft. „Allerdings ist das Interesse bisher eher gering“, berichtete Alexandra Korr vom Sachgebiet Bildung und Betreuung. Das Problem: Ehrenamtliche Kräfte aus den Vereinen sind meist selbst berufstätig, insofern ist es schwierig, Betreuer und Trainer für die frühen Nachmittagsstunden zu finden. Ein positiveres Feedback hat die Verwaltung dagegen etwa von der Kindersportschule KISS beziehungsweise von der Musikschule Köngen/Wendlingen erhalten. Kein Wunder: Beide Organisationen verfügen über hauptamtliche Kräfte. Man müsse nun in Gespräche mit den externen Partnern gehen, bekräftigte Bürgermeister Weigel.
Pferdefuß sei allerdings, dass nach wie vor die Finanzierungsvoraussetzungen nicht endgültig geklärt seien. „Das ist ein sehr unguter Zustand.“ Angedacht ist die Finanzierung der Betreuung über die Monetarisierung von Lehrerwochenstunden sowie über das Jugendleiterprogramm des Landes abzudecken. „Doch da gibt es zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und dem Land noch einiges zu klären.“