Die Stadt Wendlingen will langfristig in die Zukunft denken und gibt die Entwicklung einer „postfossile Mobilitätsstrategie“ in Auftrag.
Um das Klimaziel des Landes zu erreichen, muss der Verkehrsbereich in Baden-Württemberg seine Emissionen bis 2030 um 55 Prozent senken. Zur Umsetzung hat das Verkehrsministerium einige Ziele definiert, darunter auch, dass der KFZ-Verkehr in Stadt und Land um ein Fünftel reduziert werden muss. Mit dem Segen des Gemeinderats macht sich die Stadt Wendlingen deswegen auf den Weg, eine postfossile Mobilitätsstrategie zu entwickeln.
Mittels einer langfristigen Planung soll sich das Verkehrssystem damit von fossilen Brennstoffen lösen und sich stattdessen auf nachhaltige Alternativen umstellen. Wichtige Säulen sind der Ausbau von öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV), die Förderung von Elektromobilität und Shared Mobility, die Vernetzung von Infrastrukturen und die Reduzierung des privaten Pkw-Verkehrs.
Stadt will Anreize schaffen
„Das ist eine zentrale Herausforderung, um unsere Städte lebenswert zu halten und weiter auszubauen“, betonte Markus Lämmle, der erste Beigeordnete der Stadt. Wendlingen sei von der Lage her und mit dem Bahnhof bereits ein wichtiger Mobilitätsknoten in der Region. Zudem gebe es bereits etwa mit dem Holzparkhaus, dem Bürgerbus, E-Ladestationen sowie unabhängigen Initiativen wie Car-Sharing oder Radel-In entsprechende Angebote – es gelte nun, all diese alternativen Möglichkeiten so aufzuwerten und zu bündeln, dass für unterschiedlichste Akteure ein Mehrwert entstehe, so Lämmle weiter.
„Wir wollen die Dinge auf kommunaler Ebene in die richtige Richtung entwickeln. Wir wollen nichts verbieten, sondern neue Anreize schaffen“, bekräftigte Bürgermeister Steffen Weigel. Er ist überzeugt: „Die Mobilität wird sich verändern. Wir können nun abwarten, was passiert und reagieren. Oder von uns aus Impulse setzen.“ Weigel betonte indes auch, dass es zunächst nicht um ein konkretes Konzept gehe. „Es soll eine auf die Zukunft ausgerichtete Strategie entwickelt werden.“
Wendlingen stehe nicht am Anfang, sondern habe bereits einiges in die Wege geleitet, bestätigte Geschäftsführer Christian Gärtner vom Münchner Fachbüro Urban Standards bei der Vorstellung des Strategieentwurfs vor dem Gemeinderat. „Es geht nun darum, diese Ansätze in die Strategie einzuarbeiten und realistisch umzusetzen.“ Gleichzeitig ermögliche eine solche Strategie indirekt die Förderung des nachhaltigen und preiswerten Bauens, indem private Bauherren, Bauträger und Investoren zugunsten eines weitreichenderen Mobilitätsangebots eine Optimierung beziehungsweise Reduzierung von Stellplätzen angeboten werden könnte. Dazu würden etwa die Mobilitätsziele als verbindlicher Teil in Bebauungspläne oder städtebauliche Verträge integriert.
Planungsbüro soll Strategie ausarbeiten
Die reduzierten Investitionen etwa aus der Einsparung an teurem Parkraum würden gezielt in Mobilitätsmaßnahmen umgelenkt. „Gibt es ein flächendeckendes Netz von Mobilitätsangeboten in der Stadt, könnte ein Zwei-Personen-Haushalt etwa 48 Prozent seiner Kosten sparen“, erläuterte Gärtner. Funktionieren könnte das über ein Mobilitäts-Abo für alle vorhandenen Angebote, über das per App einfach zugegriffen werden kann. Der Vorteil: „Daran kann jeder teilhaben“, betonte Gärtner. Je besser vernetzt die verschiedenen Sharing-Angebote sind, desto einfacher wird die Nutzung und auch ganz individuelle Wünsche könnten so bedient werden, bekräftigte Verwaltungschef Weigel.
Trotz kritischer Nachfragen aus dem Rat hinsichtlich Finanzierung wurde Urban Standards beauftragt, den Strategieentwurf weiter auszuarbeiten. „Es geht zunächst darum, die Idee inhaltlich weiterzudenken“, betonte Weigel. Um die tatsächliche Finanzierung der Maßnahmen werde es erst später gehen. Zudem könnte es staatliche Unterstützung geben. „Eine Strategie bildet die Grundlage für einen Förderantrag“, erklärte Lämmle.