Berlin - Hautkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland – und sie ist häufig gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Doch in der Coronapandemie ist die Hautkrebs-Früherkennung hierzulande deutlich weniger in Anspruch genommen worden. Das Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung hat berechnet, dass bereits der erste Lockdown im März letzten Jahres hierzulande das Hautkrebs-Screening um 55 bis 65 Prozent einbrechen ließ. Und seitdem hat sich das nur unwesentlich erholt.
Das kann fatale Folgen haben. Laut einer Studie aus Italien ging während des ersten Corona-Lockdowns die Zahl der diagnostizierten Melanome um etwa drei Viertel zurück, weil sich Patienten nur noch selten und sehr zögerlich untersuchen ließen. Die Folgen dieser Hinhaltetaktik zeigten sich nach dem Lockdown – in Gestalt von Melanomen, die mehr als doppelt so groß waren wie sonst, mit einer Tumordicke von 1,96 statt 0,88 Millimetern. Und mit diesem Größenzuwachs erhöht sich, wie Axel Hauschild vom Dermatologikum in Kiel erläutert, das Risiko für einen schwerwiegenden bis tödlichen Ausgang der Erkrankung.
Anfangs ist das maligne Melanom noch gut operierbar
Bleibt die Frage, warum das Hautkrebs-Screening so dramatisch zurückgegangen ist. Eine naheliegende Erklärung wäre: Die Patienten haben Angst, sich dabei mit Covid-19 anzustecken. Hauschild vermutet als weitere Ursache aber auch die „Zurückhaltung von Dermatologen“, Früherkennungsuntersuchungen während der Pandemie anzubieten. Für den Kieler Hautkrebs-Experten ist das ein klares Versäumnis, gerade das Hautkrebs-Screening sollte auch während der Pandemie in vollem Umfang angeboten werden. Als wesentliches Argument könne man seiner Meinung nach angeben: „Hautkrebs ist gefährlicher als Covid-19.“
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Tatsächlich gehört gerade das Melanom mehr denn je zu den gefährlichsten Krebsarten überhaupt. Anfangs ist es noch gut operierbar, doch sobald es seine Metastasen in den Körper ausschickt, entfaltet es eine Zerstörungskraft, an der hierzulande jährlich rund 3000 Menschen sterben. Darunter sind auch immer mehr Jüngere. Andererseits hat ausgerechnet die Coronapandemie neue Perspektiven für die Therapie von schwarzem Hautkrebs eröffnet. So kann man ihn etwa zum Ziel von mRNA-Impfstoffen machen, die derzeit eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Covid-19 spielen.
Mit einem mRNA-Impfstoff gegen den Hautkrebs
Die Idee dazu – also die mRNA-getriggerte Aktivierung des Immunsystems auf bestimmte Antigene des Hauttumors – besteht zwar schon länger, doch bisher fehlte den Entwicklern das Geld für die Forschung. Dieses Problem hat sich aufgrund der aktuellen Erfolge der mRNA-Vakzine erledigt. Durch ihre flächendeckende Anwendung in der Pandemie konnten zudem Daten zur Verträglichkeit gesammelt werden.
Ein Forscherteam um den Biontech-Gründer Ugur Sahin hat kürzlich eine Studie publiziert, in der man einen mRNA-Impfstoff an 89 Patienten mit einem fortgeschrittenen und zumeist metastasierenden Melanom testete. Bei rund einem Viertel der Patienten wurde dann ein teilweiser oder gar ein kompletter Rückgang des Tumorgeschehens beobachtet.
Die App „Derma Assist“ von Google soll auch Hautkrebs erkennen
Auch in Sachen Früherkennung gibt es neue Ansätze. So soll eine neue Smartphone-App demnächst dabei helfen, Melanome frühzeitig zu erkennen. Ende dieses Jahres will der Internetgigant Google ein neues Tool auf den Markt bringen: den „Dermatology Assist“. Er soll beim Erkennen von Hauterkrankungen helfen. Die EU hat ihn bereits als Medizinprodukt zugelassen.
Das Bedienen der neuen App ist relativ einfach. Man nimmt aus verschiedenen Blickwinkeln drei Fotos von der Hautstelle auf, die einem problematisch vorkommt, und lädt sie dann hoch. Die Bilder werden von der Künstlichen Intelligenz des dermatologischen Assistenten begutachtet, und womöglich stellt sie noch die eine oder andere Frage dazu, doch dann schreitet sie auch schon zur Diagnose. Dabei kann sie aus einem Topf von fast 300 einprogrammierten Hauterkrankungen schöpfen, vom Nagelpilz über die Akne bis zum Melanom. Und ihre Trefferquote ist beachtlich. In einer klinischen Studie lag sie bei der Diagnose von knapp 1000 dermatologischen Fällen genauso so oft richtig wie sechs Hautärzte, die man um ein Gutachten gebeten hatte. Im Vergleich zu sechs befragten Allgemeinmedizinern schnitt die App sogar deutlich besser ab. Sie könnte, so das Resümee von Studienleiter Yuan Liu vom Google-Health-Zentrum in Palo Alto, „Hausärzten eine wertvolle Hilfe bei der Diagnose von Hautkrankheiten sein“.
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Google dürfte allerdings weitaus größere Zielgruppen im Visier haben. So verzeichnet die Suchmaschine jährlich mehr als zehn Milliarden Anfragen zu Hauterkrankungen, meist von Laien. Präventionsforscher fürchten einen „Tsunami an Überdiagnosen“ durch solche Internet-Diagnose-Tools – und viele verunsicherte Menschen in den Praxen etwa von Hautärzten.
Diagnose Hautkrebs: Das sind die Unterschiede
Weißer Hautkrebs
Zwischen den einzelnen Hautkrebsformen gibt es große Unterschiede. Der helle oder auch weiße Hautkrebs ist der häufigste Hautkrebs überhaupt. Er bildet sich vorwiegend auf den sogenannten Sonnenterassen unseres Körpers, also auf Gesicht, Dekolleté, Schultern, Nacken, Unterarmen und Händen. Unterschieden wird dabei zwischen Basalzellkarzinome und Spindelzellkarzinom. Die Heilungschancen dieser Formen sind gut, sie metastasieren selten.
Schwarzer Hautkrebs
Der schwarze Hautkrebs, auch malignes Melanom, wächst meist in schon bestehenden Pigmentmalen wie etwa Leberflecken oder Muttermalen, weswegen er – im Unterschied zum weißen Hautkrebs – dunkel gefärbt ist. Das bösartige Melanom kann gefährliche Töchtergeschwülste beziehungsweise Metastasen ausbilden, die eine Therapie schwierig machen. Im frühen Stadium ist es aber gut behandelbar.