Weniger Züge im Kreis Göppingen Filstaltakt wird zum Stolpertakt

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Der Metropolexpress soll – als Ersatz für eine S-Bahn – den Kreis in knapp drei Jahren besser an Stuttgart anbinden. Doch bis dahin vergraulen Verschlechterungen im Zugverkehr womöglich viele Fahrgäste.

Eigentlich sollte sich der Zugverkehr im Kreis Göppingen beschleunigen – vielerorts ist zunächst das Gegenteil der Fall. Foto: dpa
Eigentlich sollte sich der Zugverkehr im Kreis Göppingen beschleunigen – vielerorts ist zunächst das Gegenteil der Fall. Foto: dpa

Göppingen - Für kurze Zeit sah es so aus, als hätte man nach Jahren einen Weg gefunden, wie sich der Kreis Göppingen auch ohne S-Bahn besser mit Stuttgart verbinden lässt, vor allem der westliche Teil um Geislingen: Der Metropolexpress, der von Dezember des Jahres 2019 an auf der Filstalbahn verkehrt, gilt als die Lösung. Im Halbstundentakt soll er eine rasche Verbindung Stuttgarts mit allen Bahnhöfen im Kreis schaffen – auch am Wochenende – und möglichst viele Pendler im staugeplagten Filstal auf die Schiene locken. Dafür ist der Kreis bereit, sich jährlich mit 1,1 Millionen Euro an den Kosten zu beteiligen und den Bahnhof Geislingen auszubauen.

Jetzt stellt sich heraus, dass bevor die neue Verbindung den bestehenden Filstaltakt verbessert, es zunächst einmal drei Jahre lang einen Stolpertakt geben wird – vor allem in Geislingen. Denn als Vorbereitung für die Zukunft wird bereits zum Ende des Jahres der Fahrplan umgestellt und unter anderem der beliebte Regionalexpress aufgegeben. Der Verkehrsplaner des Kreises, Jörg-Michael Wienecke, bezeichnet das neue Konstrukt als „Rumpfprodukt“, das sehr instabil sei und längst nicht das, was sich der Kreis für die Übergangszeit gewünscht habe.

Künftig kein Regionalexpress mehr

Auch die Kreisräte sind entsetzt. So kritisierte Wolfgang Rapp (CDU) etwa die „lange Übergangszeit von drei Jahren“. Brigitte Pullmann (SPD) sagte der neue Fahrplan treibe ihr „Sorgenfalten auf die Stirn“. Zwar seien kleine Verbesserungen in Richtung Stuttgart zu sehen, aber in Richtung Ulm verschlechtere sich das Angebot. Werner Stöckle (FW) sagte, er hoffe, dass der neue Fahrplan kein Vorgriff auf das sei, was mit dem Metropolexpress komme.

Dem neuen Jahresfahrplan zufolge gibt es künftig keinen Regionalexpress mehr zwischen Ulm und Stuttgart. Damit verschlechtert sich vor allem die Anbindung Geislingens und Amstettens (Alb-Donau-Kreis). Denn der schnellere Regionalexpress wird durch Regionalbahnen ersetzt. Diese bedienen zwar auch kleinere Bahnhöfe, doch die Bahn wird in Geislingen künftig einen 20-minütigen Halt einlegen müssen, um die schnelleren Züge passieren zu lassen. Die Fahrtzeit in Richtung Ulm oder von der Alb in Richtung Stuttgart wird dadurch teilweise doppelt so lang.

Weniger Züge am frühen Morgen und späten Abend

Zwar kann ein Teil der Passagiere in Geislingen auf den schnellen Interregio umsteigen. Das gilt allerdings nur für diejenigen, die tatsächlich bis Ulm wollen oder in der Gegenrichtung nach Göppingen, Plochingen oder Stuttgart. Denn der Interregio hält nur an den großen Bahnhöfen. Wer bisher mit dem Regionalexpress nach Amstetten fuhr oder von Ulm oder Amstetten ins Filstal, muss künftig warten.

Besonders ärgerlich aus Sicht Wieneckes ist auch, dass am frühen Morgen und am späten Abend Verbindungen wegfallen. Das werde vor allem für Pendler und Schüler, die von der Alb nach Geislingen wollen, erhebliche Schwierigkeiten bringen, prophezeit er. Der Kreis Göppingen und der Alb-Donau-Kreis haben sich deshalb zusammengetan und fordern in einem Schreiben an den Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) Nachbesserungen.

Ob das klappt, ist unsicher. Denn die Verträge mit der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), die für den Fahrplan zuständig ist, sind wegen des Projekts Metropolexpress bereits unterschrieben. Der Kreis kann den Fahrplan erst dann direkt mitgestalten, wenn er sich finanziell beteiligt, also wenn der Metropolexpress von Dezember 2019 an verkehrt.