Innovation in Böblingen Wenn Ampeln sprechen lernen
Böblingen rüstet sich für die Zukunft und installiert in bestimmten Straßen eine Technologie, die mit Autos und Apps kommunizieren kann. Das soll den Verkehrsfluss verbessern und Unfälle vermeiden.
Böblingen rüstet sich für die Zukunft und installiert in bestimmten Straßen eine Technologie, die mit Autos und Apps kommunizieren kann. Das soll den Verkehrsfluss verbessern und Unfälle vermeiden.
Seit Kurzem ist auf Böblingens Straßen eine neue Technologie im Einsatz. Eine ihrer prominentesten Eigenschaften: Ampeln in der Stadt teilen Autofahrern und Radlern in Echtzeit mit, mit welcher Geschwindigkeit sie fahren sollen, um möglichst selten bei Rot stoppen zu müssen. Die Stadt nimmt damit eine Vorreiterrolle ein – und rüstet sich für die Zukunft.
Die neue Technologie heißt „V2X“, für Vehicle-to-Everything-Kommunikation. Sie ermöglicht einen Datenaustausch zwischen Verkehrsteilnehmern und städtischer Infrastruktur und kann noch viel mehr als Geschwindigkeitstipps zu geben. Die Stadt verspricht sich von „V2X“ einen optimierten Verkehrsfluss, geringere Unfallzahlen und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses hat sie das Projekt vorgestellt.
In Böblingen kommen bislang zwei Anwendungsfälle zum Einsatz: der Ampelphasenassistent und der Abbiegeassistent. Mit dem Ampelphasenassistenten wurden 20 Ampeln ausgestattet – in der Calwer Straße, in der Herrenberger Straße und in der Wolfgang-Brumme-Allee. So soll die Anzahl unnötiger Stopps reduziert und der Verkehr flüssiger werden. „Dies führt zu einer erheblichen Reduzierung von Brems- und Beschleunigungsvorgängen und wirkt somit direkt auf die Verringerung von CO₂-Emissionen und Schadstoffen aus“, lautet die Hoffnung der Stadt.
Noch könnte der Effekt allerdings gering ausfallen. Damit er eintritt, müssten möglichst viele die Technologie nutzen. Aktuell können aber nur die neuesten Automodelle die „V2X“-Technologie anwenden. Ältere Autos oder auch Räder empfangen die Signale der Ampeln nicht und bekommen dementsprechend auch keine Geschwindigkeitsempfehlung angezeigt.
Die Stadt verweist daher auf die App „Signal2X“ von der VMZ Berlin Betreibergesellschaft, die sich Verkehrsteilnehmer aufs Handy laden können. Die App „versteht“ die Anweisungen der Ampeln und zeigt auf dem Handybildschirm beispielsweise an, wie lange die Ampel noch rot ist und in welcher Entfernung sie kommt. Die Stadt geht davon aus, dass der Effekt mit der Zeit stärker wird: „Mit der stetig wachsenden Anzahl an vernetzten Verkehrsteilnehmern werden die positiven Effekte zunehmend spürbar.“ Der Abbiegeassistent wiederum kommuniziert nur mit Fahrzeugen, nicht über die App. Er kann beispielsweise Lastwagenfahrer warnen, wenn sie rechts abbiegen wollen und gleichzeitig von hinten ein Radfahrer kommt. „Im Fahrzeug äußert sich das dann durch eine rote Warnmeldung auf dem Infotainmentsystem“, erklärt die Stadt.
So vielversprechend die Technik klingt, sie bedeutet auch: sensible Daten, die sicher ausgetauscht werden müssen. Schließlich teilen die Fahrzeuge ihre Standorte in Echtzeit, App-Nutzer ebenfalls. Das Unternehmen, das in Böblingen dafür zuständig ist, wirbt zumindest damit, hohe Sicherheitsstandards einzuhalten und großen Wert auf Datenschutz und Datensicherheit zu legen. Böblingen hat die Firma Yunex Traffic aus Mannheim für rund 600 000 Euro mit der Installation der Technologie beauftragt, 65 Prozent davon werden staatlich gefördert.
Böblingen ist nach eigener Aussage neben der Autobahn GmbH Vorreiter in der Region, was die „V2X“-Technik betrifft. Die Stadt will nach und nach weitere Straßen dazu nehmen und neue Anwendungsfälle implementieren. So könnte „V2X“ künftig beispielsweise Schranken für Rettungsfahrzeuge öffnen oder den Autofahrern mitteilen, in welchem Parkhaus noch Parkplätze frei sind.