Aufregung programmiert: In einem Interview fordert FDP-Parteichef Christian Lindner, dass der türkischstämmige Nationalspieler Mesut Özil die Nationalhymne mitsingen soll.

Berlin - Aufregung programmiert: FDP-Parteichef Christian Lindner mokiert sich zweieinhalb Wochen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen über türkischstämmige Fußball-Nationalspieler, die bei der Nationalhymne nicht mitsingen.

Auf die Frage des Hamburger Magazins „Stern“, ob zum Beispiel Mesut Özil das tun sollte, antwortete Lindner mit Ja. Auf Facebook stellt Lindner klar, dass er keine „Hymnen-Polizei“ fordere, sondern lediglich nach seiner Meinung gefragt wurde – und diese nicht zurückhalten wolle. „Es wäre ein großartiges Signal, wenn wir als modernes Einwanderungsland schon so weit wären, dass auch Idole wie Mesut Özil das tun“, schreibt er.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass vor Länderspielen die Kehlen vieler Nationalspieler stumm bleiben - unabhängig von der Herkunft. Zu der Diskussion passt deshalb auch ein alter Beitrag von Extra 3. Das Satiremagazin des Norddeutschen Rundfunks hat im Sommer 2016 ein Video von 1974 veröffentlicht, um zu zeigen, dass die Hymne auch von „Maiers und Müllers“ verweigert wurde.

Lindner attestierte den Deutschen ein Identitätsproblem, das dann zu Integrationsproblemen führe. „Warum sind so viele Deutschtürken keine Verfassungspatrioten? Das kann man nicht verordnen. Wir sollten beginnen, uns offensiver zu unserem großartigen liberalen Grundgesetz zu bekennen.“

Der 38-Jährige kritisierte auch eine „Laschheit“ gegenüber dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er würde nicht mehr Urlaub in der Türkei machen, sollte dort die Todesstrafe eingeführt werden.