Wenn Kinder zu viel malen Wohin mit der ganzen Kinderkunst?
Kinder sind sehr kreativ und produktiv, sie bringen Berge an Bildern und Basteleien mit nach Hause. Warum das so ist und was man mit der ganzen Kinderkunst am besten macht.
Kinder sind sehr kreativ und produktiv, sie bringen Berge an Bildern und Basteleien mit nach Hause. Warum das so ist und was man mit der ganzen Kinderkunst am besten macht.
„Du hast meine Bilder in den Müll geworfen!“ Tränenüberströmt und fassungslos steht der damals Vierjährige vor der Altpapierkiste. O. k., Anfängerfehler, beim nächsten Mal direkt in die Mülltonne damit – in der dann aber zufälligerweise gerade die große Schwester stöbert und genauso entsetzt reagiert.
Nicht falsch verstehen: Kinderkunst ist etwas ganz Wunderbares! Wasserfarbverläufe, beklebte Klorollen, Nagelbilder, Kritzelkratzel, Familienporträts, selbst geschriebene Gedichte: All das schmückt bei uns so ziemlich jedes Zimmer im Haus. Aber die hohe kindliche Produktivität – in unserem Haushalt mal drei genommen – führt einfach dazu, dass aussortiert werden muss.
Zumal ehrlicherweise ja auch nicht jedes Kunstwerk optisch, nun ja, auf den ersten Blick überzeugt. Beim mittleren Sohn gab es am Ende der Kindergartenzeit einen Wettbewerb mit den Kumpels, wer es schafft, die meisten Bilder zu malen. Das Ergebnis war dann schon eher Masse statt Klasse – hätte aber locker gereicht, um ein Zimmer damit zu tapezieren.
Genau das bietet die Schweizerin Sabine Born seit einigen Monaten auf der Internetseite kiku.pics an. Eltern können dort Bilder ihrer Kinder oder aus ihrer eigenen Kindheit hinschicken. Über die Seite können andere Interessierte die Bilder dann kaufen, auf Leinwand, als Poster oder eben als Tapete. Ein Weg also für Eltern, überschüssigen Kunstwerken ein wertschätzenderes Leben zu ermöglichen als in der Papiermülltonne.
„Obwohl ich von Anfang an mega begeistert war von den Kinderzeichnungen meiner Tochter, habe ich natürlich auch welche ins Altpapier geworfen“, sagt Sabine Born. Irgendwann dachte sie sich, dass es vielleicht Werbeagenturen, Arztpraxen oder Verlage geben könnte, die nach Kinderkunst suchen – und ihre Begeisterung dafür teilen.
„Ich mag einfach das Unbedarfte, Fantasievolle in den Kinderbildern. Es ist immer auch ein Ausdruck davon, wie die Kinder die Welt sehen und was in ihnen so vor sich geht“, erklärt Sabine Born. Erwachsene seien schnell dabei zu sagen: Ich kann nicht malen. „Kinder dagegen sind alle Künstler. Sie zeichnen einfach drauflos, ohne groß nachzudenken“, sagt Sabine Born.
Warum das so ist, erklärt sich Lutz Schäfer, der an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Kunstpädagogik lehrt, mit dem weniger dichten Erfahrungshorizont von Kindern. „Sie können über die Welt noch so richtig staunen und wenn sie unbekannten Gegenständen oder neuen Situationen begegnen, wollen sie diese verstehen.“ Das geschehe häufig, indem das Erlebte nachgespielt oder eben in einem Bild verarbeitet werde.
„Kinder erleben dabei auch, dass die Welt nicht fix und fertig ist, sondern auch nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden kann“, sagt Lutz Schäfer, der sich seit Jahren mit früher ästhetischer Bildung befasst. Warum kann ein Haus nicht auch mal auf dem Kopf stehen oder ein Hund blau sein und zwei Köpfe haben? Kinder können hier sehr kreativ werden – wenn man sie lässt.
„Kreativität und Freude am Gestalten müssen wir Kindern nicht beibringen, wir können sie ihnen allenfalls austreiben“, sagt Lutz Schäfer. Das geschehe, sobald individuelle Neugierde, die Freude am freien Ausprobieren und freies bildnerisches Gestalten nicht ermöglicht werden, sondern den Kindern stattdessen eine Ästhetik aufgezwungen werde, die Erwachsene als kindgerecht verstünden. Lachende Sonnenblumen beispielsweise oder großäugige Marienkäfer.
Auf dem Weg Richtung Erwachsenenalter werden dann die intensiven Erfahrungen bis dahin unbekannter Erlebnisse, wie sie Kinder fast täglich haben, immer weniger. Stattdessen nimmt das rationale Denken immer mehr Raum ein. „Auch in bildlichen Vorstellungen können Phänomene reflektiert werden. Aber welcher Erwachsene macht das? Wer gestaltet ein Bild, schreibt eine Kurzgeschichte oder ein Lied zu einer besonderen Begegnung?“, fragt Lutz Schäfer. Auch Probleme würden Erwachsene in der Regel versuchen, sprachlich zu lösen. Kinder dagegen greifen häufig auch dann zu Papier und Stift, wenn es ihnen mal nicht so gut geht.
Die Berge an Kunstwerken, sie sind also unabdingbar für die kindliche Entwicklung. Sie sind ein toller Weg für Kinder, um die Welt zu verstehen, Erlebnisse zu verarbeiten und kreatives Handeln zu üben. Deshalb: Her mit noch mehr Bildern! Entsorgen kann man sie irgendwann immer noch – am besten, ohne sich dabei erwischen zu lassen.
Riesige Pinnwand
Meist möchten Kinder, dass ihre Kunstwerke schnell irgendwo hängen und bewundert werden können. Der Kühlschrank ist schon voll? Dann ist vielleicht diese Idee das Richtige: eine große Korkplatte in der Farbe einer Zimmerwand streichen und dort aufhängen. Schon hat man eine riesige Pinnwand, an die viel Kinderkunst passt.
Wechselrahmen
Es gibt Bilderrahmen, in die bis zu 100 Kinderzeichnungen passen. Einfach aufklappen, neuestes Kunstwerk hineinschieben, Rahmen wieder schließen – schon hat man ein neues Bild an der Wand, das Kind freut sich – und gut aufbewahrt sind die Kunstwerke im Rahmen obendrein. Erhältlich beispielsweise bei Ankerpunkt.
Schmuck
Strichmännchen, Monster oder Einhörner von Kinderhand gezeichnet sind oft einmalig in ihrer Form. Warum diese nicht als Schlüsselanhänger oder an einer Kette würdigen? Olga und Marc Rewald von der Minimalerei (www.minimalerei.de) machen in Handarbeit aus Kinderkunst Schmuckstücke.
Stofftier
Wer den dreibeinigen Hund oder den Regenbogendrachen von der Kinderzeichnung lieber zum Kuscheln hätte, ist bei stoffie.de richtig.
Kunstdruck
Auf der Internetseite famwalls.com kann man ein Foto einer Kinderzeichnung hochladen und in einen modernen Kunstdruck verwandeln lassen.
Bilder-Buch
Zeichnungen lassen sich noch gut in einer Bildermappe sammeln. Wie aber hebt man Eulen aus Klopapierrollen, Kastanienmännchen oder bemalte Steine am besten auf? Einfach fotografieren und ab damit in ein Fotobuch. Lässt sich auch gut mit Fotos der Kinder kombinieren.
Digital aufbewahren
Wem die digitale Erinnerung reicht, der ist mit der kostenlosen App Artkive gut beraten. Hier kann man abfotografierte Kinderkunst digital ordnen, mit Datum und Kommentar versehen und auch mit anderen Nutzern wie beispielsweise mit den Großeltern teilen. (mar)