Der Esslinger Wochenmarkt ist sein Leben. Wenn das auf jemand zutrifft, dann auf Eberhard Sohn. Er fehlt praktisch nie, dabei könnte er mit seinen 81 Jahren längst im Ruhestand sein. „Mein Beruf ist mein Hobby“, sagt der Mettinger Gemüsebauer und Weinbaumeister gut gelaunt. Urlaub macht er selten. Wenn doch, dann legt er die freien Tage am liebsten zwischen Sonntag und Dienstag. Schließlich ist mittwochs und samstags Markttag, und da will er am Stand stehen. Wobei stehen wörtlich zu nehmen ist. Sich mal hinzusetzen, wenn wenig los ist, kommt für ihn nicht Frage. „Das macht einfach keinen guten Eindruck“, findet er, das versucht er auch seinen jüngeren Mitarbeitern zu vermitteln, die gerne die Handys zücken. Auch einen Taschenrechner braucht er nicht.
Schon als Kind hat Eberhard Sohn mitgeholfen, seine Großeltern und Eltern waren Beschicker. Vor mehr als zwei Jahrzehnten hat er mit Reinhard Clauß den Marktverein gegründet und war lange dessen Vorsitzender. Das frühe Aufstehen, Wind und Wetter – das alles macht dem 81-Jährigen nichts aus. „Ich kenne es nicht anders“, sagt Eberhard Sohn. Nur den Auf- und Abbau tut er sich inzwischen nicht mehr an und für seinen Wein- und Gemüseanbau hat er einen Betriebsleiter als Unterstützung eingestellt. Als Erzeuger isst er natürlich selbst viel Gemüse. Er mag alles – bis auf Zucchini. „Die sind mir zu langweilig“, erklärt der 81-Jährige und lacht.
Der Nachfolger steht in den Startlöchern
An diesem Marktmittwoch helfen seine Frau Lore und Sohn Fabian mit. Der 19-Jährige macht eine Weinbau-Lehre in der Pfalz und ist gerade in der Heimat zu Besuch. Nach seinem Abschluss wird er den Familienbetrieb übernehmen. Zur Ruhe setzen will sich Eberhard Sohn trotzdem nicht. „Es gibt bestimmt noch was zu tun für mich“, sagt er und grinst. Fabian und sein Bruder Samuel sind der Stolz der Familie. Nach dem tragischen Unfalltod des eigenen Sohnes vor gut 20 Jahren, als der ungefähr in dem Alter war wie die Zwillinge heute, hatten sie die Jungs aufgenommen.
Das Ehepaar Sohn liebt den Kontakt mit den Kunden. „Das macht doch den Markt erst aus, dass man mal rauskommt aus dem Alltag und andere trifft“, sagt Lore Sohn, „wir haben wirklich eine tolle Kundschaft, der wir viel verdanken“. Die Menschen würden ihre Arbeit schätzen. Doch die Beschicker müssen auch feststellen, dass die Nachfrage etwas nachlässt, vor allem der Mittwoch sei oft schwach. Lore Sohn vermutet, dass das an den Medienberichten über angeblich gestiegene Lebensmittelpreise liege. Wer saisonales Gemüse einkauft, müsse aber nicht mehr bezahlen als früher. Auch die Discounter seien eine Konkurrenz, weil die Leute direkt mit dem Auto vorfahren könnten. Diskussionen darüber, dass die Autos rund um den Esslinger Marktplatz verschwinden sollen, hören die Sohns deshalb nicht gerne. Für den Markt sei das fatal. „Die Leute wollen nicht schleppen“, sagt Eberhard Sohn.
Kommt die Kartenzahlung auf den Wochenmarkt?
Über die Jahrzehnte hat sich wenig verändert an ihrem Stand. Die Neigungswaage mit Gewichten wurde von einer digitalen abgelöst – das war’s. Aber Sohn Fabian tüftelt daran, dass man künftig am Stand mit EC-Karte zahlen kann. Längst ist der Esslinger Wochenmarkt kein reiner Erzeugermarkt mehr, auch die Sohns kaufen einiges dazu wie Paprika, Brokkoli oder derzeit Spargel. „Die Ansprüche sind einfach gestiegen“, sagt Sohn.