Die Mundartschprecher Manuel Hagel und Cem Özdemir gehen mit Dialekt auf Stimmenfang. So viel „Sch“ im Wahlkampf gab’s selten. Eine Glosse von Jan Sellner
„Schaun Sie . . .“, lautet eine Standardformulierung von Manuel Hagel. Und man spürt förmlich, dass er lieber„Gugget Se . . .!“ sagen würde, wie ihm in Ehingen an der Donau der Schnabel gewachsen ist. Aber das verstünden nur die Ureinwohner. Und als CDU-Schpitzenkandidat will er ja von allen verstanden werden. Also sagt er „Schaun Sie . . .“ und nicht „Gugget Se . . .“ Das heißt nicht, dass er vom Dialekt Abschtand nehmen würde. Ganz und gar net! Zum Tag der Muttersprache am 21. März bat Hagel, ihm Lieblingswörter in Mundart zu schicken. Dazu ließ er in aschtreinem Ehinger Schwäbisch verlauten: „Mir kennet stolz sei auf des, was mir schwätzet. Des isch der Klang von dr Oma ihra Küch, vom Dorffescht . . .“ Von der Landeshauptschtadt isch da nicht viel zu erwarten. Auch wenn sie manchmal an ein großes Dorf erinnert, erklingt hier höchschtens Honoratiorenschwäbisch. Unwahrscheinlich auch, dass LÄNDESvater Winfried Kretschmann sein Lieblingswort einschickt. Es lautet „hälenga“, wie er einmal verriet. Der Ausdruck für landestypisches Heimlichtun.
„’s Hemd schwitzt net von alloi!“
Hagels Lieblingswort ist nicht bekannt. Das seines Mitbewerbers Cem Özdemir lautet vermutlich „Minischterpräsident“ – mit Betonung auf „sch“. Das führt der Bad Uracher jedenfalls schtändig im Mund. Als „Minischterpräsident“ täte er dieses und jenes anschtoßen, verschpricht er und betont: „’s Hemd schwitzt net von alloi!“ Das könnte auch von Hagel schtammen. Offen ist nur die Frage: Wer von beiden wird Minischterpräsident und wer Minischter? Gugget mr mal!