Werbeaktion in Stuttgart abgesagt Schlüpfrige Plakataktion abgeblasen

Der Slogan von True Fruits darf in Stuttgart nicht plakatiert werden Foto: True Fruits
Der Slogan von True Fruits darf in Stuttgart nicht plakatiert werden Foto: True Fruits

Der Bonner Smoothie-Hersteller True Fruits wollte in Stuttgart für seine neuen Säfte mit Chia-Samen werben. Der Stadtverwaltung sind die Plakate zu obszön. Deshalb rät sie dem Hersteller von einer Plakatierung ab.

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Stuttgart - Über Geschmack lässt sich nicht streiten – oder etwa doch? Wenn es zum Beispiel nicht mehr nur um den Geschmack von Fruchtsäften geht, sondern auch um die Plakate, mit denen für diese Säfte geworben werden soll.

Mit einer bundesweiten Kampagne will der Bonner Smoothie-Hersteller True Fruits für zwei Säfte mit dem Samen der mexikanischen Pflanze Chia werben. Der Samen ist Lieferant von Omega 3 und gilt als sehr gesund. Mit den durchaus zweideutigen Slogans „Bei Samenstau schütteln“, „Oralverzehr – schneller kommst Du nicht zum Samengenuss“, „2 Samenspender aus gutem Hause“ und „Besamt & befruchtet“ wollen die Hersteller die Kunden auf den Geschmack ihrer neuen Säfte bringen. Die Stadtverwaltung hat die Aktion zwar nicht verboten. Doch die Abteilung für individuelle Chancengleichheit empfahl aus Gründen des guten Geschmacks auf die Aktion zu verzichten. „Wir lassen deshalb die Werbung in Stuttgart bleiben und plakatieren ersatzweise in drei anderen Städten: nämlich in Dresden, Hannover und Nürnberg“, sagt Fee Surges, Sprecherin von True Fruits. Ihr und ihren Kollegen von True Fruits sei schon klar, dass die Slogans zweideutig sind. „Aber wir finden sie lustig und wollen mit der Doppeldeutigkeit spielen und niemanden provozieren“, erklärt Surges.

Nun könnte man sagen, die Stadtverwaltung verhält sich nicht geschmacksneutral. Immerhin hat ihr die eigenen Kampagne gegen Armuts- und Zwangsprostitutionauf Grund der drastischen Wortwahl die Kritik der Geschmacklosigkeit eingebracht. Der Unterschied zwischen der drastischen und der schlüpfrigen Werbung bestehe allerdings darin, dass die Kampagne der Stadt durch die provozierende Wortwahl der Bevölkerung die Augen für die Ausbeutung der Prostituierten öffnen und sie aufrütteln sollte, während die zweideutige Saftwerbung das Gegenteil bewirken könne und sexuell anzüglich sei, so eine Sprecherin der Landeshauptstadt.

Übrigens steht Stuttgart nicht ganz allein da. In München stießen die Slogans laut Surges ebenfalls nicht auf Begeisterung. Deshalb wird dort nur der Slogan „Besamt & Befruchtet“ plakatiert. Städte wie Hamburg, Frankfurt und Berlin schlucken die gesamte Kampagne dagegen anstandslos.




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