Werbefläche in Ludwigsburg Mann+Hummel plant gigantische Videowand an Schwieberdinger Straße

An der Ostfassade von Mann+Hummel in Ludwigsburg soll die Videowand hängen. Foto: Simon Granville

Der Filterhersteller will an seiner Zentrale in Ludwigsburg eine 140 Quadratmeter große Videowand errichten. Dabei darf die Firma dort nicht einmal für sich selbst werben.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Etwa 80 Quadratmeter ist die Videowand am Stuttgarter Pragsattel groß. Schon von Weitem ist sie sichtbar. Gegen die Wand, die in Ludwigsburg bald an der Firmenzentrale von Mann+Hummel hängen soll, dürfte sie dennoch vergleichsweise winzig wirken. 140 Quadratmeter groß soll die Fläche werden, die das Filtrationsunternehmen in der Schwieberdinger Straße errichten will – dabei darf es darauf gar nicht für sich selbst werben.

 

Denn eigentlich ist seit 2013 klar geregelt, dass dort nicht großflächig Werbung platziert werden darf. Das hatten damals mehrere größere Werbefirmen versucht, die Verwaltung wollte aber verhindern, dass internationale Konzerne in Ludwigsburg für sich werben. „Der Bebauungsplan in der Schwieberdinger Straße verhindert Wildwuchs, ist in meinen Augen aber zu eng gefasst“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht vergangene Woche im Gemeinderat.

Mann+Hummel darf nicht selbst werben

Auf Vorschlag der Stadt hin hat das Gremium den Bebauungsplan deshalb geändert. Kommerzielle Werbung ist weiterhin nicht erlaubt, Mann+Hummel darf auch für eigene Produkte nicht werben. Stattdessen solle die Videowand ein „Schaufenster der Stadt“ sein, wie es Knecht formuliert. Gezeigt werden sollen dort lokale Projekte und Initiativen, beispielsweise Aktionen der Schlossfestspiele. Auch die Stadt selbst soll kostenlose Sendezeit für ihre Inhalte erhalten.

„Wir sind ein Familienunternehmen mit Geburtsort Ludwigsburg. Und wir stehen zu unserer Stadt“, sagt Mann+Hummel-Pressesprecherin Lisa Schiffgens zu dem Projekt. „Die Videowand soll aber keine einzelne Maßnahme sein, sondern eine weitere Facette unseres Engagements.“ Schiffgens verweist etwa auf den Green Campus, einen 9000 Quadratmeter großen Park am Firmengelände, der im vergangenen Sommer eröffnet hat und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die Kosten für die Videowand wird das Unternehmen selbst tragen, zur Summe mache man keine Angaben. Klingt nach einer tollen Sache für alle Seiten, trotzdem äußerten die Stadträte im Gemeinderat auch Bedenken. „Wir hätten uns über eine begrünte Fassade gefreut, die die Umluft von Abgasen reinigt“, sagte etwa Florian Sorg von den Grünen. Der riesige Bildschirm dagegen führe zu Lichtverschmutzung und wirke sich „wahrscheinlich negativ auf Umwelt, Vögel und Insekten aus“.

Vor allem beschäftigt die Stadträte aber eine andere Frage: Was, wenn nun auch andere Unternehmen an die Stadt herantreten und eigene Werbeflächen errichten wollen? „Mit diesem Vorhaben machen Sie ein Fass auf“, fürchtet Sorg. „Wenn der Stein einmal ins Rollen kommt, halten Sie das nicht mehr auf.“ SPD-Rätin Margit Liepins spricht in diesem Zusammenhang von einem „Schnellschuss aus der Hüfte“.

Videowand könne „Stadtgespräch“ werden

Oberbürgermeister Knecht argumentiert, das Vorhaben sei juristisch geprüft, es liege weiterhin in der Hand der Stadt, welche Werbeflächen zukünftig genehmigt würden. Die Mehrheit des Gemeinderats hat der OB mit den Stimmen CDU, Freien Wählern, FDP und AfD hinter sich. „Diese Videowand kann zum Stadtgespräch werden“, sagte etwa Stadtrat Maik Braumann (CDU).

Einen Monat lang werden die Pläne nun online und im Bürgerbüro Bauen öffentlich ausliegen. Dann soll ein beschleunigtes Bebauungsplanverfahren starten und auch vertraglich festgeschrieben werden, in welchem Zeitraum die Wand in Betrieb genommen wird.

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