Endlich hatten die Stadtbezirke Birkach und Plieningen einen Standort für eine touristische Hinweistafel aufs Schloss Hohenheim an der Autobahn ergattert. Dann haben sie es doch abgelehnt. Aus ziemlich guten Gründen.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Birkach/Plieningen - Ein kurzentschlossener Tourist hätte sich vielleicht veräppelt gefühlt. Er wäre auf der Autobahn in Richtung München entlanggedüst, hätte den Flughafen hinter sich gelassen und dann dieses braune Schild am Straßenrand erspäht. „Schloss Hohenheim“ wäre darauf gestanden. Unser Tourist hätte den Blinker gesetzt, die Ausfahrt „Neuhausen“ genommen und wäre zum Schloss gefahren. Mit Blick aufs Navi oder die Landkarte hätte er sich sicher gewundert. Denn die Werbung für Hohenheim kam spät. Zu spät. Drei Kilometer nach der Ausfahrt „Plieningen“.

 

Es dauerte, bis dem Wunsch entsprochen worden ist

Daher wollen die Bezirksbeiräte von Plieningen und Birkach lieber auf das Schild verzichten, wie sie entschieden haben. „Das Thema ist durch, schade“, sagt Regine Theimer, die stellvertretende Bezirksvorsteherin. Vor zwei, drei Jahren hatten die Lokalpolitiker das touristische Werbeschild fürs Schloss ins Gespräch gebracht. Es war klar, dass es dauert, bis aus dem Wunsch Wirklichkeit wird. Die Hinweistafeln sind höchst begehrt. Theimer ist drangeblieben. „Es hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt sie. Umso größer war die Freude, als das Regierungspräsidium dem Bezirksrathaus einen Platz zugewiesen hat. Bis Theimer der frohen Botschaft entnahm, wie witzlos das Ganze ist. Der Standort dürfte ähnlich viel bringen wie gar kein Standort. Eben weil das Schild nach der Ausfahrt Plieningen platziert werden sollte. Quasi letzte Ausfahrt: Schloss Hohenheim. Nach Absprache mit den Fraktionssprechern im Bezirksbeirat „habe ich den Platz wieder freigegeben“, sagt Theimer.

Der Wettbewerb um die Schilder ist enorm

Um die 10 000 Euro teuren Schilder reißen sich Städte und Betreiber von Sehenswürdigkeiten wie um Freibier. Entlang der A 8 und der A 81 stehen derzeit 44 solcher Tafeln – und die Nachfrage ebbt nicht ab. Mit jedem neuen Schild wird es freilich enger am Autobahnrand. Daher geben sich Tafelbewerber inzwischen mit einem geteilten Schild zufrieden. Bei Giengen an der Brenz zum Beispiel wirbt Steiff zusammen mit den Ausflugshöhlen. Auch das Schloss Hohenheim hätte sich die Tafel teilen müssen – mit dem Landschaftsraum Filder. „Das ist ein Trend“, sagt Robert Hamm, der Sprecher des Regierungspräsidiums.

Theimer hat übrigens einen letzten Versuch unternommen, das Projekt doch noch zu retten. Sie hat die Stuttgarter Bäderbetriebe gefragt, ob sie tauschen würden. Die werben nämlich kurz vor der Plieninger Ausfahrt in Fahrtrichtung Karlsruhe für ihre Mineralbäder. Die Mühe war vergebens. „Die haben noch viel länger dafür gekämpft“, sagt Theimer. Daher waren sie nicht verhandlungsbereit.

Zu guter Letzt bleibt eine Frage offen: Wie viele Touristen lassen sich von den Tafeln verleiten, den Blinker zu setzen?