Werbetour für Baden-Württemberg Start-up-Wettlauf in Europa wird härter

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Seit fünf Jahren wirbt der Start-up-Bus „Bawükommt“ für das Land. Erstmals ging es nun Richtung Osten nach Österreich und in die Slowakei.

In einer Wiener Startup-Schmiede – mit Prater und Stephansdom. Foto: Kniff/Moritz Rudolph
In einer Wiener Startup-Schmiede – mit Prater und Stephansdom. Foto: Kniff/Moritz Rudolph

Stuttgart - Das Gründer- und Innovationszentrum der Technischen Universität München (TUM) ist ein bayerisches Techno-Neuschwanstein. Start-up-Pilgerfahrten sind hier Routine. Und so macht auch die diesjährige Start-up-Werbetour „Bawükommt“ Station. 100 Start-ups in der Frühphase pro Jahr, 50 Wachstumsgeschichten alle zwölf Monate, 100 Industriepartner: Das Projekt „Unternehmer TUM“ ist eine Gründerfabrik, wie es in Deutschland keine zweite gibt.

Die Tour ist in Deutschland einmalig

Arndt Upfold, der als stellvertretender Leiter des Referats Existenzgründung und Unternehmensnachfolge für das baden-württembergischen Wirtschaftsministerium im Tourbus mitfährt, hält mit einer Grafik von Baden-Württemberg dagegen. Sie zeigt ein Netz aus Standorten von Heidelberg bis Konstanz, von Karlsruhe bis Stuttgart. „Es ist natürlich schwierig, uns mit Berlin und München zu messen. Aber wir sind in der Fläche stark“, sagt er. Auf ein neues Angebot zur Frühfinanzierung von Start-ups namens Start-up-BW Pre-Seed, das öffentliches und privates Kapital kombiniert, sei man aber in Bayern neidisch. Und noch etwas hat der Südwesten den Bayern voraus: Die von Mitgliedern des Bundesverbands Deutsche Start-ups organisierte Werbetour für Baden-Württemberg ist auch in ihrem fünften Jahr in Deutschland einmalig.

Sie packt Gründer, Start-up-Förderer, Investoren und Vertreter etablierter Unternehmern aus dem Südwesten mehrere Tage in einem Bus zusammen – und begegnet der Start-up-Szene in anderen Städten auf Augenhöhe. 2019 führte die Tour von München über Linz und Wien bis in die slowakische Hauptstadt Bratislava. Zentrale Erkenntnis: das Wettrennen der Standorte in Europa wird härter. Österreich, das 2,3 Millionen Einwohner weniger als Baden-Württemberg hat, besitzt nicht nur eine von der Wiener Regierung und den dortigen Bundesländern massiv ausgebaute Start-up-Förderung, sondern hat auch die zweitgrößte deutschsprachige Stadt zu bieten. Wien erreicht in dem kleinen Land damit die kritische Masse einer Start-up-Metropole.

Österreich trumpft mit Wien auf – und mit Pragmatismus

In Linz, einer Stadt mit 200 000 Einwohnern, wurde eine ganze ehemalige Tabakfabrik zu einem Innovationszentrum umgebaut, das im Endausbau auf fast 40 000 Quadratmetern mehr als 1000 Arbeitsplätze bieten wird. Hier steht in der im Februar 2019 eröffneten „Grand Garage“ steht auf 4000 Quadratmetern die wohl größte, für jedermann zugängliche Maschinen-, Roboter- und 3D-Drucker-Sammlung in Europa. Nicht nur Gründer, sondern auch Jugendliche und, Kinder haben Zugang. Mit modernster, von Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellter Hightech können sie ihre Ideen umsetzen. Wer die Fotos von Grundschulkindern in Schweißermontur sieht, der ahnt, wie viel Freiraum hier möglich ist. „Natürlich arbeiten die Kinder auch mit der Flex-Säge“, sagte Werner Arrich, treibende Kraft hinter dem Projekt. Der Technologieunternehmer hat sein Geld unter anderem mit einem IT-Unternehmen verdient. Um das Schweißen für die Kinder rechtlich zu ermöglichen, erklärte die Stadtverwaltung die Garage zur Sonderwirtschaftszone. „Wir in Österreich halten uns an Gesetze, aber nicht immer an Regeln“, sagte Arrich.

Auch die Slowakei ist inzwischen auf Augenhöhe

Auch in der slowakischen Hauptstadt Bratislava ging das Vokabular zu Digitalisierung, Risikokapital, und Start-up-Beschleunigern den Präsentatoren so flüssig über die Lippen wie überall. Dank EU-Geldern hat sich hier eine Start-up-Szene etabliert. Ein paar Lücken gibt es noch beim Marketing. Aber sie schließen sich. Eines der gastgebenden Start-ups namens Sensoneo beispielsweise bietet wie ein Stuttgarter Pendant namens Binando Sensoren und IT-Lösungen zur Überwachung von Abfallbehältern an. Deutschland ist stark im Visier. „Konkurrenz ist für uns gut“, sagte Michal Malik, der fließend Deutsch sprechende Vertriebler. Weil andere Start-ups Ähnliches vermarkten, müsse man in Deutschland nicht mehr erklären, worum es geht.

Auch wenn viele in der Slowakei gegründete Start-ups abwandern, bleiben sie mit dem Land verbunden: „Es ist nicht schlimm, wenn Gründer gehen, entscheidend ist, dass wir den Kontakt nicht abreißen lassen“, sagte Peter Kolesar von der auf Mittel- und Osteuropa spezialisierten Innovationsberatung Civitta. Die Region holt auf. Zum Vortrag in Bratislava stieß eine Start-up-Gruppe aus Albanien hinzu. Dort lernt man nicht vom Silicon Valley – sondern von der Slowakei.