Werbung in Stuttgart Glaubensfragen am Grill

Damit wäre das auch geklärt. Foto: StZ
Damit wäre das auch geklärt. Foto: StZ

Eine große Handelskette liefert in Stuttgart aktuell einen plakativen Beitrag zur Gleichberechtigungsdebatte. Hierzu bedient sie sich eines populären Themas.

Titelteam Stuttgarter Nachrichten: Christian Milankovic (mil)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Am Anfang erschuf der Herr Himmel und Erde, sodann alles, was kreucht und fleucht, und schließlich Mann und Weib. Ob die beiden ihre Mahlzeiten im Garten Eden jemals über dem offenen Feuer zubereiteten, ist unklar, darf aber als eher unwahrscheinlich gelten, ernährten sich Adam und Eva der Überlieferung nach doch in erster Linie vegan (Apfel!). Aber auch das half nicht, am Ende mussten sie das Paradies verlassen.

Draußen nur Männer

Vom Schöpfungsakt ausgehend bringt nun eine große Lebensmittelkette mit Sitz im Unterland die frohe Werbebotschaft unters Volk, wonach Frauen durchaus grillen können. Dies steht freilich im Kontrast zur weitverbreiteten Annahme, dass die Frau zwar in geschlossenen Räumen durchaus mit Aufgaben am Herd betraut werden könne, wohingegen die Zubereitung von Speisen unter freiem Himmel den ganzen Mann fordere. Und nur den Mann.

Begründet wird die mit dieser Sichtweise brechende, brandheiße These durch Rückgriff auf die Erschaffung der Frau aus Teilen des Mannes, wie sie in der Genesis beschrieben wurde. „Du wurdest aus einer Rippe geschaffen. Warum solltest Du nicht grillen können?“ steht auf dem Plakat neben dem Bild einer Frau, die ein famoses Stück Fleisch im Grillbesteck hält. Ein Mann ist nicht zu sehen. Wahrscheinlich steht das arme Würstchen etwas außerhalb der von der Kamera eingefangenen Szene, den Feuerlöscher im Anschlag. Frauen dürften Feuer und Flamme für die Kampagne sein, die den Gedanken der Gleichberechtigung mit dem des Grillens auf so einfühlsame Weise vereint.

Dreifache Wirkung der Kampagne

In dem Gebäude an der Jägerstraße, an dem das Plakat hängt, berät das Stuttgarter Sozialamt übrigens Flüchtlinge. Die Behörde ist dort zur Miete untergekommen. Den Rat suchenden Neuankömmlingen im Land der Brater und Brutzler wird durch das Plakat über dem Eingang gleich Dreierlei vermittelt: Es gibt Hinweise auf die Ernährungsgewohnheiten der Eingeborenen, unterstreicht den christlichen Hintergrund der Ursprungsgesellschaft und erklärt die Stellung der Frau am offenen Feuer. Herzlich Willkommen!




Unsere Empfehlung für Sie