Tübinger Werkzeughersteller Walter schließt Produktion in Frankfurt

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Der Werkzeughersteller Walter ist ein Traditionsunternehmen aus Tübingen. Weltweit 3500 Mitarbeiter stehen au der Gehaltsliste. 200 davon verlieren nun den Job – weil hierzulande angeblich nicht wirtschaftlich produziert werden kann.

Spätestens im Frühjahr   2021 soll das Werk in  Frankfurt geräumt sein. Foto: Walter AG
Spätestens im Frühjahr 2021 soll das Werk in Frankfurt geräumt sein. Foto: Walter AG

Stuttgart - Die Walter AG aus Tübingen, nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter von Präzisionswerkzeugen zur Metallverarbeitung, schließt die Produktion in Frankfurt und verlagert sie. 200 Mitarbeiter sind davon betroffen. „Wir sehen eine abflachende Marktentwicklung und müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, wenn wir unsere wettbewerbsfähige Marktposition und Profitabilität behaupten wollen. Eine volle Aufrechterhaltung unserer derzeitigen Produktionskapazitäten in Deutschland wird bald nicht mehr wirtschaftlich sein“, begründete Walter-Vorstand Richard Harris die Entscheidung. Die Mitarbeiter seien informiert, teilte das Unternehmen mit. Demnächst sollen die Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen. Vermutlich noch 2020 soll mit der Verlagerung begonnen werden; im Frühjahr 2021 soll sie abgeschlossen sein.

Walter fertigt in Frankfurt Vollhartmetallbohrer. Diese Produktion soll nach Frankreich, China und in die USA verlagert werden. Zudem werden in Frankfurt Werkzeuge wieder aufbereitet, also nachgeschliffen. Diese Arbeiten sollen künftig in Frankreich, Tschechien und Italien erbracht werden. Neue Arbeitsplätze an den ausländischen Standorten sollen aber nicht entstehen. Walter ist künftig noch mit dem Deutschland-Vertrieb in Frankfurt vertreten, der von der Verlagerung nicht betroffen ist.

Walter treibt Internationalisierung voran

Der Maschinenbauer, der vor gut 100 Jahren gegründet wurde, treibe die Internationalisierung voran. „Die größten Wachstumspotenziale für unsere Zielbranchen liegen in den nächsten Jahren im Wirtschaftsraum Asien- Pazifik sowie den USA“, so Harris. Die Nähe zum Kunden weltweit werde immer wichtiger. Er sieht ein Missverhältnis zwischen den Produktionskapazitäten in Deutschland und dem erzielten Umsatz. „Dem müssen wir uns stellen“, fügte er hinzu. Die Walter AG gehört zum schwedischen Sandvik-Konzern, der Werkzeuge für die industrielle Zerspanung, Ausrüstungen für Bergbau und Bauindustrie sowie Edelstähle herstellt. 42 000 Mitarbeiter beschäftigt Sandvik. Walter beschäftigt weltweit rund 3500 Personen, 2100 davon sind im Inland tätig. Am Firmensitz Tübingen sind 650 Beschäftigte tätig. Die Höhe des Umsatz nannte eine Walter-Sprecherin nicht. Die Exportquote liege bei 80 Prozent.