Werkzeugmaschinenhersteller in Corona-Zeiten Trumpf testet neues Vertriebsmodell

Von  

Der Werkzeugmaschinenhersteller kooperiert mit dem Versicherungskonzern Munich Re. Geplant ist, dass Kunden Maschinen nicht mehr kaufen oder leasen, sondern nach der Anzahl produzierter Teile abrechnen.

Quantentechnologie ist ein Thema für Trumpf. Hier wurden aus einem Kristall winzige Lichtkanäle herausgelasert; so sollen neuartige Mikroskope möglich werden. Foto: Trumpf
Quantentechnologie ist ein Thema für Trumpf. Hier wurden aus einem Kristall winzige Lichtkanäle herausgelasert; so sollen neuartige Mikroskope möglich werden. Foto: Trumpf

Ditzingen - Der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf und der Versicherungskonzern Munich Re wollen eine strategische Partnerschaft eingehen. Beide Partner planen ein neuartiges Serviceangebot bei Laserschneidmaschinen. Ziel ist, dass der Kunde die Laserschneidautomaten nicht mehr kauft oder least, sondern nur noch nutzt. Zu einem zuvor vereinbarten Preis wird dann jedes geschnittene Blechteil abgerechnet, erläutert Trumpf-Geschäftsführer Mathias Kammüller in Ditzingen. „Mit dieser Partnerschaft werden wir uns so deutlich wie noch nie in neue Geschäftsmodelle vor bewegen“, so Kammüller. „Wir sind davon überzeugt, mit diesem Angebot nicht nur Bestandskunden beim Wachstum zu helfen, sondern auch neue Kunden zu gewinnen“, fügt er hinzu.

Mehr lesen Sie unter: Interessantes Geschäftsmodell

Voraussetzung, dass sich ein solches Modell rechnet ist, dass die Maschinen ausgelastet sind. Nach Angaben von Kammüller werde dabei ein Betrieb in zwei Schichten vorausgesetzt. Auf die eigentlich Größe der Firmen kommt es demnach anscheinend weniger an. Das Modell komme vielmehr für einen Großteil der Trumpf-Kunden infrage. Unter den Kunden befinden sich etliche Firmen mit rund 25 Mitarbeitern. Die ersten vier Testkunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für das Pilotprojekt hat Trumpf bereits gefunden. Namen wurden aber nicht genannt. Zunächst müssen die Kartellbehörden den Plänen noch zustimmen.

Keinen „echten Lockdown“

Das Ditzinger Familienunternehmen war von der Corona-Pandemie deutlich weniger betroffen als andere Maschinenbauer. So habe es bei Trumpf zu keinem Zeitpunkt einen „echten Lockdown“ gegeben, sagt Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller. In Teilen von Produktion, Service und Verwaltung sei durchgehend gearbeitet worden. Zwischen März und Juni habe die Kurzarbeitsquote bei 30 Prozent gelegen, mittlerweile liege sie bei 27 Prozent. Und Leibinger-Kammüller ist zuversichtlich, dass diese Zahl nun weiter reduziert wird.

Sie spricht von einer „sehr zarten konjunkturellen Erholung. Wir sehen vorsichtige Anzeichen für das Ende der konjunkturellen Talfahrt, wenn auch noch keinen echten Aufschwung“, so Leibinger-Kammüller. Insgesamt ist ihr Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr, das im Juli begann, verhalten. Als Gründe führt sie neben Corona nicht zuletzt die „zunehmenden Handelskonflikte“ an. Sie prognostiziert für das gesamte Jahr einen Rückgang sowohl beim Auftragseingang als auch beim Umsatz. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen bezogen auf den Umsatz (Ebit-Marge) werde sinken, aber „weiterhin deutlich positiv“ sein. Erfreulich angesichts der Prognosen: Umsatz und Bestellungen im ersten Quartal haben nicht nur über den Erwartungen, sondern auch über den Vergleichszahlen des Vorjahres gelegen, sagt Leibinger-Kammüller.

Hinter EUV verbergen sich gute Geschäfte

Ein Grund, dass Trumpf die Krise offenbar verhältnismäßig gut gemeistert hat, heißt EUV. Hinter diesen drei Buchstaben verbirgt sich die Mikrochipfertigung mithilfe ultravioletten Lichts. Viele Jahre haben die Partner Zeiss (Optik), ASML (Chipausrüster) und Trumpf (Laser) an der Marktreife dieser neuen Halbleiter-Technologie getüftelt. Nun verspricht sie gute Geschäfte. Trumpf hat im abgelaufenen Geschäftsjahr in diesem Bereich den Umsatz um 19 Prozent auf 460 Millionen Euro erhöht. Und es dürfte weiter aufwärts gehen. Derzeit werden etwa 40 solcher Maschinen verkauft. Der Wert dürfte auf 50 bis 60 Maschinen in die Höhe schnellen, heißt es. Was Leibinger-Kammüller besonders freut ist, dass diese Technologie nun für den Deutschen Zukunftspreis nominiert sei. „Auch industriepolitisch ist dies ein wichtiges Signal, dass Europa im Rennen um die Halbleiterproduktion insbesondere gegenüber Asien ein Wörtchen mitzureden hat“, sagt Leibinger-Kammüller.

Nicht minder freue sie, dass Trumpf auch beim Thema Quantentechnologie aktiv ist. Der Werkzeugmaschinenhersteller habe nicht nur eine Ausgründung in dem Bereich. Mittlerweile habe die Bundesregierung auch einen Expertenrat Quantencomputing initiiert, der sich vor wenigen Tagen konstituiert hat. Trumpf-Geschäftsführer Peter Leibinger ist federführend mit dabei.

Trotz Gewinnrückgang: Mitarbeiter erhalten Bonus

Insgesamt hat Trumpf im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro erzielt (minus 7,8 Prozent). Der Auftragseingang ist noch etwas stärker gesunken – und zwar um knapp elf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um knapp zwölf Prozent auf 309 Millionen Euro. Der Konzernüberschuss betrug 132 (Vorjahr: 145) Millionen Euro. Die Tarifmitarbeiter können sich nun über eine Gewinnbeteiligung freuen: Sie erhalten 1155 Euro, nach 1195 Euro im Jahr zuvor, sagte Oliver Maassen (56), der seit dem 1. Oktober Geschäftsführer ist. Als Arbeitsdirektor ist er dort zuständig für weltweit 14 325 (Vorjahr: 14 490) Mitarbeiter. Davon sind 7437 in Deutschland tätig. Und davon wiederum 4353 in Ditzingen.

Unsere Empfehlung für Sie