Wernauer Autorin 13 Mäuse machen Mut
Geschrieben hat Andrea De Cata schon immer gern. Trotz ihrer MS-Erkrankung hat sie jetzt, mit 59 Jahren, ein Bilderbuch veröffentlicht.
Geschrieben hat Andrea De Cata schon immer gern. Trotz ihrer MS-Erkrankung hat sie jetzt, mit 59 Jahren, ein Bilderbuch veröffentlicht.
Die Wernauerin Andrea De Cata hat eine herzerwärmende Geschichte über einen mürrischen alten Mann geschrieben, den eine Schar Mäuse aus der Reserve lockt. Dass diese Mäuse alles andere als grau sind, ist der Illustratorin Bettina Stümpflen, ebenfalls aus Wernau, zu verdanken. Das Projekt zeigt, was trotz einer schweren Krankheit möglich ist, denn Andrea De Cata lebt seit mehr als drei Jahrzehnten mit Multipler Sklerose.
„Ich bin ja nicht nur die Krankheit, ich bin ja auch ein Mensch, der Spaß haben will“, sagt Andrea De Cata. Sie kann zwar nicht verhindern, dass die Multiple Sklerose fortschreitet. Und manches musste sie abhaken: das Radfahren zum Beispiel oder den Traum, Sängerin zu werden. Aber sie ist dankbar für alles, was noch möglich ist. In den 90er-Jahren, als man MS-Kranken noch von einer Schwangerschaft abriet, hat sie sich bewusst dafür entschieden. Darüber ist sie sehr glücklich, auch wenn es manchmal hart gewesen sei, bei einem Schub in die Klinik zu gehen und getrennt von ihrer Tochter zu sein.
Tochter Lea spielte bei der Entstehung des Bilderbuchs eine wichtige Rolle. Als sie klein war, hat ihre Mutter die Geschichte für sie erfunden und ausgearbeitet, oft nachts, wenn sie wegen der Kortisoneinnahmen nicht schlafen konnte. Außerdem kommt Lea in dem Buch vor: Sie ist die singende Maus mit dem Mikrofon. Eine ganze Reihe der anderen Mäuse sind ebenfalls an Verwandte oder Bekannte von Andrea De Cata angelehnt. „Manche davon gibt’s im realen Leben, manche nicht“, sagt sie. Gleich nach dem Aufschlagen marschieren die 13 Nagetierchen auf, die dem alten Stanislav im Lauf der Geschichte die Lebensfreude und die Geselligkeit zurückgeben. Der Anfang des Buches ist noch etwas düster gehalten, dann aber kommt immer mehr Farbe und Licht in Stanislavs Wohnung und auf die Seiten.
Andrea De Cata war wichtig, dass jede Maus individuelle Eigenschaften hat. Die Fellfarben variieren ebenso wie die Talente. Manche malen, andere tanzen, sind Wissenschaftler oder Weltenbummler. Freddy trägt ein Hörgerät, Ayo Charlotte sitzt im Rollstuhl – eine vielfältige und inklusive Gemeinschaft. „Die mussten alle ihren Charakter kriegen“, sagt Illustratorin Bettina Stümpflen, die fast zwei Jahre lang mit Andrea De Cata an dem Buch gearbeitet hat. Die Grafik-Designerin war damals noch bei der Messe Stuttgart als Managerin für Print und Medien tätig und gut ausgelastet. Deshalb widmete sie manchmal das ganze Wochenende dem Zeichnen, brachte ihre Entwürfe mit einem digitalen Stift aufs Tablet, wo sie sie weiterbearbeiten konnte. „Das war unglaublich positiv fürs Projekt“, sagt sie, „weil man ganz schnell Änderungen umsetzen kann.“ Die beiden diskutierten, probierten aus, ergänzten sich. Andrea De Cata spricht von einem Glücksfall und einem Segen für ihr Buch; Gleiches gelte für die Lektorin, die die Autorin begleitet und ihr immer wieder Energie gegeben habe.
Geschrieben hat die Wernauerin schon immer gerne, teils Gedichte, teils Prosa-Texte. Die Mäuse-Geschichte ist vor mehr als zwei Jahrzehnten entstanden und lag lange in der Schublade. Dann, vor ein paar Jahren, „ist doch noch der Ehrgeiz hochgekommen“, sagt die Autorin. Sie möchte mit dem Projekt auch anderen Mut machen, sich trotz ihrer Einschränkungen etwas zu trauen. „Ich kann nicht mehr alles machen, was ich gern würde“, sagt sie. „Aber es gibt noch Dinge, die ich machen kann.“
Einblicke in „Komm, wir ziehen zu Stanislav“ und seine Entstehung bietet die Instagram-Seite zum Buch (stanislav.maus). Über sie oder per E-Mail an buch.dc@online.de kann man das Buch bestellen. Es kostet 15 Euro zuzüglich 4 Euro Versand.