Musikverein Wernau feiert Jubiläum Geboten wird Blasmusik für alle

Der stellvertretende Vorsitzende des Musikvereins, Benjamin Frey, der musikalische Leiter Paul Jacot, der Vorsitzende Karsten Kabitschke und Wernaus Bürgermeister Armin Elbl (von links) mit der Auftragskomposition von Philip Starke. Foto: /Karin Ait Atmane

Mehr als 100 Jahre Musik und eine gut überstandene Coronakrise: Der Musikverein Stadtkapelle Wernau begeht sein 101-Jahr-Jubiläum. Eigens dafür hat der Komponist Philip Starke ein Stück komponiert.

Seine Ursprünge hat der Musikverein Wernau im heutigen Ortsteil und damals selbstständigen Dorf Steinbach. Da es dort „an jeglicher Musik fehlte, so wurde hier der Wunsch wach, eine Musikkapelle zu gründen“, ist in der Vereinschronik zu lesen. Der Gipsermeister Hugo Grupp hatte gute Kontakte und berichtete, er könne „eine Musik-Kapelle in Cannstatt kaufen“. Genaugenommen kaufte man deren kompletten Satz Instrumente, aber erst nach einem Vorspiel in Wernau. So wurde nicht die Katze im Sack erworben – und die Bevölkerung bekam gleich ein motivierendes Konzert im Gasthaus zum Rössle dargeboten. Mit zehn Mann und zwei Musikstunden pro Woche, am Montag und am Freitag, ging die Kapelle dann an den Start.

 

Der Musikverein hat rund 300 Mitglieder

Heute kann man wahrhaftig nicht mehr sagen, dass es in Wernau an Musik fehlt. Der Musikverein hat rund 300 Mitglieder, von denen ungefähr die Hälfte aktiv musiziert: in der Stadtkapelle, in einem der Jugendorchester oder auch im Rahmen der Bläserklassen an den Grundschulen. Die anderen Mitglieder bringen sich bei Festen und Veranstaltungen ein und haben damit ebenfalls eine wichtige Rolle fürs Vereinsleben.

Alle Aktiven, mit Ausnahme der Kinder aus den Bläserklassen, hat der musikalische Leiter der Stadtkapelle und Städtische Musikdirektor, Paul Jacot, in der Pandemiezeit fotografiert. So konnte er auch während Corona einen sehr persönlichen Kontakt zu den Musizierenden aufnehmen. Gleichzeitig ist eine Ausstellung entstanden, mit der der Musikverein „seine Gesichter“ zeigt. Im Rahmen von Festakt und Frühjahrskonzert sind alle 110 Porträts zu sehen; 17 großformatige Exemplare hängen in einer Ausstellung im Rathaus noch bis zum 28. Mai. Nicht ganz einfach war es, unter Coronabedingungen den Imagefilm zu drehen, der anstelle einer klassischen Festschrift den Musikverein präsentiert: „In all seinen Facetten, in seinen Interessen, Werten und Zielen“, wie der Vorsitzende Karsten Kabitschke erklärt. In fünf kurzweiligen Minuten kommen die verschiedensten Beteiligten zu Wort, aktuelle und ehemalige Musizierende, Kinder, Eltern, die Wernauer Stadtverwaltung. Beim Festakt am Freitag hat das professionell produzierte Werk Premiere, später soll es auch auf den verschiedenen Kanälen der sozialen Medien zu sehen sein.

Ein bekannter Komponist kreiert ein Stück eigens für den Musikverein

Aus musikalischer Sicht noch weitaus spannender ist eine andere Uraufführung: Der Komponist Philip Starke hat ein Stück eigens für den Wernauer Musikverein komponiert. Das anspruchsvolle, sinfonische Werk in drei Sätzen wird beim Festakt erstmals aufgeführt, geprobt wird es schon länger. Ohnehin wurde auch in den beiden vergangenen Jahren fast durchgehend musiziert, immer unter den gerade erlaubten Bedingungen. Lange Zeit durften lediglich Kleingruppen in der Stadthalle zusammen spielen, aber auch das hat man eisern durchgehalten. So haben die Bläserinnen und Bläser in den vergangenen beiden Jahren drei Konzerte aufführungsreif vorbereitet – und durften sie dann doch nicht vor Publikum spielen. Es sei aber gut gewesen, immer wieder auf ein Ziel hinzuarbeiten, sagt Kabitschke. Seit kurzem sei der Verein nun „endlich wieder im normalen Fahrwasser“. Sogar ein Probenwochenende für die Jugend war möglich.

Die Stadtkapelle als großes Blasorchester des Musikvereins ist gut durch die Pandemie gekommen und nach wie vor sehr gut besetzt. Im Jugendbereich war es schwieriger, einige sind in der Coronazeit abgesprungen. Aber auch das Jugendorchester sei dank seiner breiten Aufstellung noch spielfähig, so Kabitschke, und steuere mir dem Jugendkonzert Ende Juli ein größeres Ziel noch vor der Sommerpause an. Die Nachwuchsarbeit hat beim Musikverein Wernau einen sehr hohen Stellenwert. Schritt für Schritt können Kinder und Jugendliche ins Vereinsleben hineinwachsen, von der musikalischen Grundausbildung beim „Musikus Wernau“, über das Einstiegsorchester, die Piccolos, weiter zur „Bläserbande“ und dem Jugendblasorchester. Jugendleiterin Julia Nannt sorgt hier schon seit vielen Jahren für Kontinuität.

Kooperation mit den Grundschulen

Gleichzeitig kooperiert der Musikverein mit den Grundschulen und bietet in ihnen Bläserklassen an. „So kann jedes Grundschulkind sehr unkompliziert im Rahmen des Schulalltags ein Blasinstrument lernen“, sagt Kabitschke. „Das wird sehr gut angenommen.“ Der ganzheitliche Ansatz quer durch die Altersgruppen wird durch den musikalischen Leiter Paul Jacot verstärkt. Er hat mit großer Begeisterung schon zwei Mal Musicalprojekte mit den Schulen durchgeführt. In ihnen wirkten Erwachsene und Kinder, Schauspiel und Musik zusammen, der Erfolg war groß. Auch diese Aktivitäten sollen wieder aufleben.

Ein kniffliges Thema ist die Frage nach dem künftigen Probenraum. Seit 20 Jahren musiziert der Verein im „Haus der Musik“ am Bahnhofsplatz, doch die Stadtkapelle ist in dieser Zeit von 40 auf 60 Mitglieder angewachsen. Damit gehe es im Proberaum auch außerhalb der Pandemie sehr beengt zu, sagt Kabitschke, wohl wissend, dass geeignete Räume schwer zu bekommen seien: „Das ist ein Zukunftsprojekt“.

Großes Programm im Jubiläumsjahr

Festakt
 Das Jubiläumsprogramm beginnt am Freitag, 8. April, mit einem Festakt für geladene Gäste in der Stadthalle mit Festreden, dem neuen Imagefilm, der Uraufführung des Stücks „Songs and Dances for the City of Wernau“ und weiteren Stücken.

Frühjahrskonzert
Am Sonntag, 10. April, beginnt um 18 Uhr das Frühjahrskonzert im Quadrium. Es spielen die Bläserbande, das Jugendblasorchester und die Stadtkapelle, unter anderem die Auftragskomposition „Songs and Dances …“. Auch der Imagefilm wird gezeigt. Karten gibt es in der Stadtbücherei für 10 Euro, an der Abendkasse für 12 Euro. Bis 14 Jahre ist der Eintritt frei.

Ausstellung
Bis zum 28. Mai ist die Portraitausstellung „Der Musikverein – seine Musiker“ im Quadrium zu sehen.

Schlagernacht
Vom 15. bis 17. Juli läuft das „Jubiläumsfeschd“ mit Sommerwasen, Schlagernacht mit Melissa Naschenwang und anderen und „Feschdsonntag“.

Jugendkonzert
Am Sonntag, 24. Juli, gibt es ein Jugendkonzert. Beendet wird das Jubiläumsjahr am 12. Dezember mit einer öffentlichen Weihnachtsfeier.

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