Wernaus ältestes Wohnhaus Einst Pfarrhaus, später Schulgebäude

Am ältesten Wohnhaus von Wernau laufen viele Wernauer täglich vorbei. Foto: /Karin Ait Atmane

Das älteste Wohnhaus von Wernau wurde immer wieder umgebaut, hat aber mit seinen alten Eichenbalken trotzdem viel historischen Charme behalten. Sein Eigentümer Uwe Pfeffer erzählt, wie er darin aufgewachsen ist.

Im Jahr 1546 ließ Hans Ludwig von Wernau einen Wohnsitz für den Pfarrer von Pfauhausen bauen, nicht allzu weit vom Schloss entfernt. Der Gewölbekeller und die Grundmauern dieses Gebäudes sind bis heute erhalten: Sie sind Teil des Hauses Plochinger Straße 7, an dem Tag für Tag viele Wernauer vorbeikommen.

 

Das Gebäude liegt nur ein paar Schritte vom Bahnhof entfernt. Sein hübsches Fachwerk fällt auf. Beinahe noch markanter ist das Holztor mit den Eisenbeschlägen auf der linken Seite, das für heutige Verhältnisse ziemlich klein erscheint. Es führt direkt zum langgezogenen, flachen Gewölbekeller im Inneren. Dieser Teil wie auch die Grundmauern sind die ältesten in Wernau – sie stammen aus dem Jahr 1546. Gut 160 Jahre später wurde das Haus mit der Fachwerkkonstruktion auf seine heutige Höhe aufgestockt. 1707 ist deshalb das offizielle Baujahr. Am nördlichen Giebel sieht man auf einem zwischen zwei Fenstern freigehaltenen Balken diese Jahreszahl und einige Buchstaben, vielleicht die Signatur des Zimmerers. Selbst mit diesem Datum ist es noch das älteste komplett erhaltene nicht-kirchliche Gebäude der Stadt.

Seit fünf Generationen im Besitz einer Familie

Eigentümer Uwe Pfeffer kennt jeden Winkel unter diesem Dach. Seit fünf Generationen ist das Haus im Besitz seiner Familie, früher Blattner, heute Pfeffer. Er ist hier geboren und aufgewachsen mitsamt der Verwandtschaft: Die Großeltern wohnten oben im zweiten Geschoss, seine Familie und die seiner Tante darunter. „Das Haus war eigentlich immer voll“, sagt er. Ein Mehrgenerationenwohnen, wie es früher üblich war.

Foto: Ait Atmane/Karin Ait Atmane

Im Laufe der Jahrzehnte ist immer wieder umgebaut und verändert worden. Fotos aus Wernauer Heimatbüchern zeigen die Plochinger Straße 7 noch in verputztem Zustand. Das Holztor und der Türsturz am Eingang sind aber eindeutig zu erkennen. Das Tor und das Fachwerk, das wahrscheinlich zwischen den Ersten und dem Zweiten Weltkrieg freigelegt wurde, stehen heute unter Denkmalschutz. Die anderen Teile nicht, weil sie immer wieder verändert und umgebaut wurden.

Zuletzt wurden 1999 die Außenfassade, das Dach und die Fachwerkkonstruktion saniert und das Dachgeschoss ausgebaut. An vielen Stellen sind auch im Inneren die alten Eichenbalken sichtbar. Insgesamt habe man angenehm hohe Räume für ein Gebäude dieses Alters, stellt der Eigentümer fest. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es als Pfarrhaus konzipiert war. Im 19. Jahrhundert diente es zeitweise als Schulgebäude.

Im Erdgeschoss waren schon früher die Wirtschaftsräume. Hinten im Garten sei einst ein Schweinestall gewesen, weiß Uwe Pfeffer. Seit der Eröffnung der Bahnstrecke von Plochingen nach Reutlingen im Jahr 1859 rollen auch Züge an dem Haus vorbei, also schon seit einigen Generationen. „Ich kenne es nicht anders“, sagt Uwe Pfeffer.

Immerhin gibt es jetzt eine Lärmschutzwand. Und mit der S-Bahn sei der Geräuschpegel gegenüber der Geräuschkulisse früherer Eisenbahnen ebenfalls gesunken.

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