Werner Veits „Kendermund“ Gereimte Menschenliebe in Wort und Ton

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Werner Veit schreibt in Mundart, ein Wagnis, das ihm wohlbewusst ist. In seinen Reimen greift der Fellbacher Kinderaussprüche und Begebenheiten des Alltags auf, um sie in freundlich-humorvoller Art zu interpretieren.

Werner Veit ist das Wagnis eingegangen, in Mundart zu schreiben. Foto: Gottfried Stoppel
Werner Veit ist das Wagnis eingegangen, in Mundart zu schreiben. Foto: Gottfried Stoppel

Weinstadt/Fellbach - Starke Dialekte wie Schwäbisch, Schwitzerdütsch oder Schottisch haben zumindest eines gemeinsam: Der unnachahmliche Klang ist kaum in Worte zu fassen. Und so sind schon viele gescheitert, wenn sie versuchten, Mundarttexte zu verfassen. Eine der wenigen Ausnahmen dürfte Johann Peter Hebel gewesen sein. Das war auch Werner Veit aus Fellbach bewusst, der nun seinen Gedichtband „Kendermund“ im Weinstädter Bärenfelser-Verlag veröffentlicht hat. Nicht nur, dass er besondere Sorgfalt auf die „Übersetzung“ ins Schwäbische gelegt hat, er hat vorsorglich alle Gedichte auf eine CD gesprochen, die dem Buch beiliegt.

„Das ist das erste Mal, dass wir einen Tonträger beilegen“, sagt Claudia Greiner, promovierte Archäologin, die zusammen mit ihrem Mann Bernhard Greiner den Bärenfelser- und den BAG-Verlag betreibt. „Von ihr stammt auch die schwungvolle Schrift auf dem Titel des Buchs“, sagt Werner Veit, der im Berufsleben als Architekt für das Landesdenkmalamt in Stuttgart gearbeitet hat. „Kendermund“ ist das einmalige Ergebnis einer Sammlung gereimter Erlebnisse oder knizzer Kinderworte.

Humanwerte im Subtext

Der Autor fühlte sich seinen eigenen Worten zufolge erst spät zum Schreiben berufen. „Früher fiel es mir sogar recht schwer. Ich kann mich noch an den 70. Geburtstag meines Dötes erinnern, für den ich ein erstes Gedicht schreiben sollte. Erst in den 90er-Jahren kam dann die Freude an den Gedichten.“ Zur Entspannung mache er seit jeher lieber Musik, sagt Werner Veit, der Klavier und Orgel spielt – auch in der Kirche – und singt.

28 Gedichte umfasst der Band, jedes hat ein echtes Erlebnis zum Anlass, das entweder vom Autoren selbst oder seiner Frau Talita aufgezeichnet wurde, um es nicht zu vergessen. „Neben der familienbezogenen Komponente lassen die Gedichte hoffentlich eine höhere Sinnebene erspüren, die ich mal mit Menschenwohl charakterisieren möchte“, so Werner Veit. „Gemeint sind Humanwerte, wo Liebe und Ehrfurcht vor dem Leben und der Schöpfung den höchsten Rang einnehmen. Werte also, an deren Verlust unsere Welt so sehr krankt.“

Tragödie eines gierigen Hundes

Trotz solch skeptischer, fast pessimistischer Worte strahlen die Gedichte heiteren Optimismus und einen hohen Gard an Mitgefühlaus, was im Rezitat noch stärker zur Geltung kommt. Zum Beispiel im Gedicht „Bschisse“, in dem die Tragödie eines Hundes beschrieben wird, dem der größte Teil einer eben erhaltenen Wurst durch einen Schlitz in einen Gully fällt. „Der Hond verdutzt durchs Gitter starrt, des henderfotzich ehn hat gnarrt. Dui Frau, voll Mitleid mit seim Weh, krault ond vertröstet ehn em Geh: Des nächstemal, mei gueter Hond, da sueche mr en sichre Grond, dass net scho nach oim gotzge Biss, passiert nomal a sotter Bschiss!“




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