InterviewWerner Wölfle im Interview "Leute, bleibt wachsam"

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Die aufmerksame Beobachtung seiner Partei weiß der Grünen-Politiker Werner Wölfle in der Zeit der Koalitionsverhandlungen zu schätzen.  

Werner Wölfle: Die Grünen werden weiter da sein, als Verbindungsglied zwischen Bürgern und Politik. Foto: dpa
Werner Wölfle: "Die Grünen werden weiter da sein, als Verbindungsglied zwischen Bürgern und Politik." Foto: dpa

Stuttgart - Stuttgart 21 ist das kontroverse Thema der Koalitionsgespräche zwischen Grünen und SPD. Nicht nur am Verhandlungstisch ist die Öko-Partei in einer schwierigen Situation.

Herr Wölfle, kommt den Grünen zurzeit eine undankbare Doppelrolle zu, Regierungspartei und außerparlamentarische Opposition in einem?

Das ist für mich nichts Ungewöhnliches. Also die Rolle als Regierungspartei schon, aber gleichzeitig Parlamentarier zu sein und auf die Straße zu gehen, das kenne ich gut. Die Grünen werden weiter da sein, als Verbindungsglied zwischen Bürgern und Politik. Zumal wir ja noch auf eine lange politische Auseinandersetzung zusteuern, wenn es zu einem Volksentscheid kommt.

"Wir nehmen Euch beim Wort", war das Motto der Stuttgart-21-Gegner bei der ersten Großdemo nach der Wahl. Fühlen Sie sich von den eigenen Leuten beobachtet?

Ja, klar. Das will ich ja auch. Ich bin am Tag nach der Landtagswahl auf die Demo gegangen und habe gesagt: "Leute, bleibt wachsam." Es tut einer Regierungspartei doch gut, wenn man weiß, man wird aufmerksam und kritisch beobachtet.

Die Grünen sind Teil des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, stellen aber zurzeit keine Redner mehr. Welche Rolle spielt die Partei noch in der Protestbewegung?

Wir denken mit nach, welche Aktionen sinnvoll sind und uns helfen, das Ziel zu erreichen - Stuttgart 21 zu stoppen. Es gibt ja auch Aktionen, die diesem Anliegen schaden könnten. Wenn man mich fragen würde, ob ich eine Rede halte, würde ich das sicher auch wieder tun.

Ihr baldiger Koalitionspartner Nils Schmid war der große Buhmann am Samstag. Was können Sie spontan zur Verteidigung Ihres roten Freundes sagen?

Zum einen bin ich immer klar gegen despektierliche Äußerungen über Politiker, auch bei Demos. Zu seiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass Nils Schmid wenigstens den Weg gefunden hat, seine Partei für eine Volksabstimmung zu öffnen.