Es ist ein besonderer Auftritt für die schönsten Baumstämme, die in den zehn staatlichen Forstrevieren des Forstbezirks Schönbuch im Winter gefällt wurden: Entlang der Maurener Allee im Ehninger Walddistrikt Ketterlenshalde liegen sie am Wertholzlagerplatz fein säuberlich aufgereiht und warten darauf, dass sie in den nächsten Wochen von potenziellen Käufern genau in Augenschein genommen werden. Diese achten dabei unter anderem auf eine mögliche Krümmung oder wie astfrei die Stämme sind.
Mindestens 40 Zentimeter dicke Eichen
„Es macht nicht mal 0,5 Prozent unseres Jahreseinschlags aus“, unterstreicht Kathrin Klein, Försterin im Forstbezirk Schönbuch, am Mittwochmorgen die herausragende Holzqualität der rund 100 Baumstämme – bis auf zwei Elsbeeren alles Eichen mit mindestens 40 Zentimetern Durchmesser. Die stärksten bringen es auf über 80 Zentimeter. Diese Prachtexemplare sind weit über die Landesgrenzen hinaus begehrt. Die Interessenten, die hauptsächlich aus der Furnier- und Fassbranche kommen, stammen aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, Frankreich und Dänemark. „Hin und wieder sind aber auch Schreinereien aus der Region dabei.“ Seit einigen Jahren gibt es für die Stämme, die anschließend zu Möbeln und Fußböden verarbeitet werden oder in Form von Fässern bei der Reifung von Weinen zum Einsatz kommt, keine klassische Versteigerung vor Ort mehr, sondern eine sogenannte Submission.
Dabei geben die Interessenten Angebote für ihre favorisierten Stämme in Schriftform ab, ohne die aufgerufenen Summen der Konkurrenz zu wissen. Den Zuschlag erhält dann am Stichtag Ende März der jeweils Höchstbietende. Die Preisspanne liegt dabei zwischen 200 bis 1000 Euro pro Festmeter. Das in der Forstwirtschaft gebräuchliche Raummaß entspricht einem Kubikmeter Holz. Bei einzelnen Stämmen würden laut Klein aber auch schon mal bis zu 2500 Euro pro Festmeter aufgerufen.
Doch bevor es jedoch so weit ist, legen Forstwirte am Mittwoch nochmals letzte Hand an. Sie sägen an beiden Enden dünne Scheiben ab, damit die Gleichmäßigkeit der Maserung und die Farbe des Kernholzes, die von Gold über fast ins Lachsfarbene gehend bis hin zu sattem Braun reicht, gut beurteilt werden können. Außerdem werden auch Länge und Durchmesser genau ermittelt, damit die exakten Werte in das Angebotsverzeichnis aufgenommen werden können. Bei letzterem kommt die in der Forstwirtschaft übliche Kluppe, quasi ein überdimensionaler Messschieber zum Einsatz.
Es lasse niemanden kalt, gerade die ganz dicken Bäume, die zwischen 160 und 180 Jahre alt sind und damit ihre Zielgröße erreicht hätten, die von Generationen von Forstleuten zuvor gepflegt worden sind, letztendlich zu fällen, betont Kathrin Klein. Allerdings würden nicht alle alten Eichen zu Holzprodukten verarbeitet, sondern ein Teil werde auch bis zu ihrem natürlichen Zerfall im Wald belassen. Eine weiße Wellenlinie, die sich um den Baumstamm zieht, kennzeichne solche Habitatbäume. Im 13 300 Hektar großen Forstbezirk Schönbuch gibt es insgesamt 484 Hektar Waldschutzgebiete wie Bannwälder, rund 1100 Hektar Naturschutzgebiete und flächenhafte Naturdenkmäler sowie 738 kartierte Waldbiotope.
Holz wird auch in Herrenberg verkauft
Die Maurener Allee, an der jedes Jahr Holz aus Wäldern in Landesbesitz verkauft wird, ist nicht der einige Wertholzlagerplatz im Landkreis Böblingen. Parallel werden auch an den Lagerplätzen Roßhau im Herrenberger Stadtwald und Gültstein Werthölzer im Submissionsverfahren durch das Forstamt des Böblinger Landratsamt angeboten. Die dortigen Stämme stammen allerdings aus Kommunal- und Privatwäldern aus dem Kreis.