Wertstoffhof in Nordafrika Landkreis gibt Tipps in Tunesien

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Der Landrat Roland Bernhard weiht in Tunesien den ersten kommunalen Recyclinghof ein.

Ein Mitarbeiter des neuen Wertstoffhofs zeigt dem Landrat Roland Bernhard (Mitte) und dem Böblinger Abfallchef Wolfgang Bagin, wie die Kunststoffpresse funktioniert Foto: StZ
Ein Mitarbeiter des neuen Wertstoffhofs zeigt dem Landrat Roland Bernhard (Mitte) und dem Böblinger Abfallchef Wolfgang Bagin, wie die Kunststoffpresse funktioniert Foto: StZ

El Guettar - Aus der Hauptstadt Tunis ist die rechte Hand des Ministers für lokale Angelegenheiten nach El Guettar angereist. Der größte Fernsehsender hat Reporter in die Provinz geschickt. Mitten in der 20 000-Einwohner-Stadt ist es zu einem Menschauflauf gekommen. Der Anlass für das Spektakel ist eine aus deutscher Sicht popelige Einweihung einer Recyclinganlage für Kunststoff. Doch in Tunesien, zumal im armen Süden, ist diese Eröffnung ein Meilenstein. Zustande gekommen ist der Termin auch durch die Unterstützung das Landkreises Böblingen. Deshalb hat der Landrat Roland Bernhard am Dienstag den ersten kommunalen Wertstoffhof Tunesiens persönlich eingeweiht.

Tipps aus Deutschland sind gefragt

Die Eröffnung der Anlage ist die Erfolgsgeschichte einer kommunalen Zusammenarbeit über Kontinente hinweg. Angefangen hat sie vor drei Jahren. Wolfgang Bagin, der Chef des Böblinger Abfallwirtschaftsbetriebs, war seinerzeit bei einer Veranstaltung in Bamberg auf El Guettar aufmerksam geworden. Bei einer Projektbörse der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hatten mehrere Städte und Kreise aus Algerien, Tunesien und Marokko die Vorhaben vorgestellt, für die sie um Unterstützung durch deutsche Kommunen und Landkreise baten. Das Besondere an diesem Projekt „Kommunaler Wissenstransfer Maghreb-Deutschland“: Es geht weder um Geld wie bei vielen Entwicklungshilfeprojekten noch um Kultur wie bei klassischen Städtepartnerschaften. Gefragt sind nur das Wissen und die Erfahrung der deutschen Partner bei der Städteplanung, Radwegeentwicklung und eben Abfallwirtschaft. Bezahlt wird alles von der GIZ.

Müll ist in Tunesien ein Problem

Wer in Tunis landet, sieht sofort, dass Mülltrennung bisher kein Thema im Land war. Überall liegt Abfall auf den Straßen. Entsorgt wird der Müll auf großen offenen Deponien, aus denen das Abwasser in die Umgebung sickert. Verantwortung für ihre Umwelt kennen viele Tunesier nicht. Doch seit dem Arabischen Frühling gedeiht das zarte Pflänzchen der Demokratie. Überall im Land sind Vereine und Initiativen entstanden, in denen sich Bürger engagieren: für Soziales, Kultur oder auch für Umweltthemen. In El Guettar gründeten Bürger den Umweltverein für nachhaltige Entwicklung. Sein Ziel: die Mülltrennung und die Wiederverwertung von recycelbarem Material.

Das Projekt in der Kleinstadt ist eines von landesweit elf Müllprojekten. Doch keine der anderen Initiativen sei über die Anfangsphase hinausgekommen, sagte Samira Abidi vom Ministerium. In Böblingen hatten sich die Mitglieder des Umweltvereins angeschaut, wie Mülltrennung funktioniert. Wolfgang Bagin und Wolfgang Hörmann vom AWB hatten mehrfach die Aktivisten in Tunesien beraten. Mit der Eröffnung des Wertstoffhofs drei Jahre später ist der erste große Schritt gelungen. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte Ali El Ghagbra, der Vorsitzende des Umweltvereins, bei der Einweihung. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das so schnell schaffen.“

Zusammenarbeit wird fortgeführt

Das ganze Land schaut nun auf die kleine Stadt im verarmten Süden. Im ersten Fernsehsender des Landes wurde am Dienstagabend in den Hauptnachrichten über die Einweihung berichtet. Auch ein Interview mit dem Böblinger Landrat war zu sehen. Darin sagt er, mit der Eröffnung des Wertstoffhofs sei die Kooperation nicht zu Ende. Deshalb unterzeichneten Bernhard und der Bürgermeister von El Guettar, Ammar Mabrouk, einen Partnerschaftsvertrag. Als nächstes soll das Thema Biomüll angegangen werden. „Nur wenn die tunesischen Bürger sehen, dass sie Erfolg haben mit ihren Initiativen, kann die Demokratie wachsen“, sagt Bernhard. Deshalb sei die Unterstützung aus Deutschland wichtig.




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