In Nürtingen und Umgebung werden immer wieder alte Trockenmauern saniert. Diese bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Manche stehen im Zusammenhang mit Stuttgart 21.
Seit Jahren werden in Nürtingen für die Tier- und Pflanzenwelt wertvolle und teils 500 Jahre alte Trockenmauern wieder in Stand gesetzt. Dazu zählen auch die beiden fast 100 Meter langen Abschnitte einer Mauer im Gewann Grubberg in Nürtingen-Oberensingen. Diese besonders wertvollen Biotope sind im letzten und in diesem Jahr wiederhergestellt worden. Der zweite Abschnitt wurde unlängst der Öffentlichkeit übergeben – und gilt auch als Ausgleich für das Bahnprojekt Stuttgart 21.
Die Mauern sind über 500 Jahre alt und damit auch Zeugen einer längst vergangenen Zeit, in der Oberensingen von Steinbrüchen geprägt war. In den Steinbrüchen wurde Sandstein abgebaut.
Es ist nicht verwunderlich, dass inzwischen der Zahn der Zeit sichtbar an dem Mauerwerk nagte und der Hangdruck ebenfalls Spuren hinterließ. Immer wieder brachen einzelne Steine heraus und gingen dadurch verloren. Wie die Kommune mitteilt, war die Mauer in manchen Abschnitten „überhaupt nicht mehr vorhanden“.
Dabei sind die Mauern vor allem als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen wertvoll. Die Trockenmauern sind sogar als geschütztes Biotop ausgewiesen, deshalb war die Sanierung unumgänglich.
In einem ersten Bauabschnitt wurden im vergangenen Jahr 96 Meter der Mauern im Jahr saniert, wofür die Kommune 134 000 Euro ausgab. Der jüngste Sanierungsfall beschäftigte die Ausführenden von September 2024 bis Februar 2025 auf weiteren 99 Metern Länge.
Im Kreis Esslingen angesiedelter Ausgleich für Stuttgart 21
Auf beiden Seiten, tal- und bergwärts wurden insgesamt rund 60 Kubikmeter an gebrauchten Mauersteinen aus Keupersandstein verbaut, die aus der Region Stuttgart stammen. Die geschätzten Kosten dafür beziffert die Stadt auf rund 150 000 Euro, wovon 70 Prozent von der Stiftung Naturschutzfonds des Landes Baden-Württemberg als Ausgleichsmaßnahme für Stuttgart 21 gefördert werden.
Ökologie ist Trumpf
Die Sanierung ist laut Kommune Teil in einer ganzen Reihe ähnlicher ökologisch wertvoller Projekte: So sei im Gewann Veitenäcker in Neckarhausen nach rund einem Jahr Bauzeit eine fast 130 Meter lange Trockenmauer ihrer Bestimmung übergeben worden. Und bereits im Jahr 2009 habe man zwei kurze Teilstücke einer Mauer am Neckarhäuser Siedlungsrand instandgesetzt. Im Gewann Quätler, das sich nur einige hundert Meter weiter östlich befindet, sei eine fast 120 Meter lange Trockenmauer in den Jahren 2017 und 2018 erfolgreich saniert worden.
Laut der Meinung von Fachleuten sind Trockenmauern ein wertvoller Ersatzlebensraum für Arten, die an natürlichen Felsstandorten und Steinbrüchen leben. Als Verbindungsachsen für die Trockenlebensräume komme ihnen eine besondere Funktion im lokalen wie im überörtlichen Biotopverbund zu.
Ein Zuhause für seltene Reptilien und Farne
Wie der Name bereits zeigt, kommen Trockenmauern ganz ohne Mörtel aus. Die Hohlräume, die sich zwischen den Steinen, aber auch im rückwärtigen Bereich meist im Verborgenen befinden, dienen laut Fachleuten vielen Tierarten wie Reptilien und insbesondere der Mauereidechse als Versteck und Überwinterungsraum. Und aus der Pflanzenwelt siedelten sich immer mehr Mauerfarn, Mauerpfeffer und Hauswurz an.
Gleich im ersten Jahr nach der Sanierung sei an einem der Standorte eine zuvor dort noch nicht gesichtete Mauereidechse entdeckt worden. Außerdem finde man an den Stellen, wo aus dem darüber liegenden Hang Quellwasser auf die Trockenmauer trifft und die Steine feucht hält, sehr viele Feuersalamander.