Westworld – die zweite Serienstaffel wird düster Westernland ist abgebrannt

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Sind Roboter die besseren Menschen? Die erste Staffel von „Westworld“ erkundete als böses Spiel die finsteren Abgründe der Seele. Am Montag, 23. April, beginnt Sky Atlantic mit der Ausstrahlung der zweiten Staffel, die die Kampfzone konsequent ausweitet.

Terminator 2.0: Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) und Teddy Flood (James Marsden) befindet sich auf einem Rachefeldzug. Foto: HBO 18 Bilder
Terminator 2.0: Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) und Teddy Flood (James Marsden) befindet sich auf einem Rachefeldzug. Foto: HBO

Stuttgart - Eben noch hat dieser Ganove mit dem eklig-fiesen Backenbart den Frauen in seiner Gefangenschaft in schillernden Farben all die Bestialitäten ausgemalt, die er ihnen anzutun gedenkt. Doch ein paar Wischer auf einem Tablet genügen, um ihn in den tugendhaftesten, aber auch schnellsten Revolverhelden des Wilden Westen zu verwandeln. Einen, der erst seine Kumpane erschießt, um dann die ­Gefesselten mit den Worten zu befreien: „Frauen darf man sich nur mit der zarten Vorsicht nähern, mit der man auch die Blätter einer Rose berühren würde.“

Ort der schlimmsten Fantasien und Obsessionen

Es herrscht Krieg im Erlebnispark Westworld. Ein Krieg, der mit Revolvern und Kanonen geführt wird, mit Messern und Äxten, aber auch mit futuristischen Laserwaffen oder wie hier mit cleveren Softwaremanipulationen. Westworld ist, wie man in der ersten Staffel der gleichnamigen HBO-Serie gelernt hat, der Name eines Disneylands der Zukunft, das Träume wahr werden lässt – auch die geheimsten. In diesem Vergnügungspark, der von Androiden bevölkert ist, die als ­Cowboy, Indianer, Revolverheld, Ganove oder Bardame den zahlenden Gästen zur Verfügung stehen, werden vor allem diese schlimmsten Fantasien und Obsessionen ungehemmt ausgelebt: Vergewaltigung, Folter, Mord. Doch was ist, wenn diese künstlichen Menschen doch eine Seele haben, wenn sie ­irgendwann einmal nicht mehr die Opferrolle in diesem pervers-dekadenten Spaß spielen wollen? Was ist, wenn die Maschinen gegen ihre Schöpfer rebellieren?

Aufstand der Androiden

Die erste „Westworld“-Staffel endete mit dem Aufstand der Androiden. Und die zweite Staffel, die von Sonntag an vom ­Bezahlsender Sky ausgestrahlt wird, zeigt nun ein verwüstetes, verbranntes Westernland, das sich in ein Kriegsgebiet verwandelt hat. Immer noch beherbergt diese Spielewelt die schlimmsten Grausamkeiten, die man sich vorstellen kann. Doch ­inzwischen werden diese auch und vor allem von den befreiten Androiden verübt, die sich an ihren Peinigern rächen.

Zu ihren Anführerinnen sind Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) und Maeve Millay (Thandie Newton) geworden, die zuvor immer die Opferrolle spielen mussten, die eine als die unschuldig-hilflose Farmerstochter, die andere als Prostituierte in einem der viele Bordelle, in denen sich die Besucher schamlos austoben durften. Während Dolores durch die Prärie reitet und immer mehr Verbündete um sich versammelt, erkundet Maeve die Katakomben von Westworld. Beide haben das Ziel, aus der Spielewelt zu entkommen und in die Wirklichkeit vorzudringen, die ein besseres Leben verspricht.

Ähnlich grausam wie die „Game of Thrones“-Welt

Westworld erweist sich dabei als ein futuristisches Pendant zu Westeros. Der Freizeitpark und der Schauplatz der Fantasyserie „Game of Thrones“ haben gemeinsam, dass in ihnen all die Bestialitäten, zu denen Menschen fähig sind, vorgeführt werden, dass hier wie dort eine unüberschaubare Zahl an Parteien Krieg gegeneinander führt, dass jeder eigentlich nur an seinen eigenen Vorteil denkt, dass keinem zu trauen ist und dass Frauen nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie noch brutaler, noch rücksichtsloser agieren als die Männer um sie herum.

Jonathan Nolan und Lisa Joy, die ausgehend von Michael Crichtons Film „Westworld“ (1973) die Serie entwickelt haben, weiten in der zweiten Staffel die Kampf­zone aus, erzählen eine hochmoralische ­Fabel, schicken die Zuschauer bald auf andere Spielplätze (zum Beispiel die Shogun-Welt), in denen ebenfalls die Automaten den Aufstand proben. Und mit ein wenig Fantasie kann man die zweite „Westworld“-Staffel auch als einen Reflex auf die Metoo-Debatte sehen, als eine Auseinandersetzung mit der Missbrauchskultur in Hollywood und anderswo.

Sky Atlantic strahlt am Montag, 23. April, die erste Episode der zweiten „Westworld“um 20.15 Uhr aus. Neue Folgen sind zudem immer parallel zur US-Ausstrahlung auf Sky Ticket, Sky Go und Sky On ­Demand abrufbar.