WET-Festival in Sindelfingen Techno-Beats bei bester Party-Stimmung

Mehr als ein Dutzend DJs auf drei Bühnen und 15 000 Besucherinnen und Besucher: das WET-Festival am Samstag im Sindelfinger Freibad. Foto: Stefanie Schlecht

Das WET-Open-Air hat rund 15 000 Besucherinnen und Besucher ins Sindelfinger Freibad gelockt. Die tanzten bis spät in die Nacht, ohne dass es zu besonderen Vorkommnissen gekommen wäre. Vier Ravensburger hatten mutmaßlich die längste Anfahrt.

Techno- und House-Events finden üblicherweise in spezialisierten Clubs statt. Ob es Musik ist, mag dahingestellt sein. Schnelle, harte und maschinell erzeugte Bassdrum-Beats sind das Charakteristikum bei House, bei Techno fällt der zusätzliche Verzicht auf jegliche Melodie ins Auge. Die Musikrichtung House trägt den Namen des Clubs, in dem sie entstanden ist: Warehouse in Chicago. Die Musikrichtung mit ihren maschinell hämmernden Beats ist seit Jahren ein Renner. Mitzucken oder Mittanzen über Stunden ist angesagt. Ein Ausgleich zum standardisierten Alltagsleben?

 

Umzug wegen Überfüllung von Gärtringen nach Sindelfingen

In unserer Region fand es vor etlichen Jahren mehrfach im Gärtringer Freibad statt, das aber die Massen von bis zu 7000 nicht mehr fassen konnte. 2019 wechselte man mit rund 9000 Besuchern ins Sindelfinger Badezentrum. Dann machte der Coronavirus auch hier einen Strich durch Planungen.

Am Samstag war es wieder so weit. Im Gegensatz zum Motto Wet-(also Feucht)-Festival war es trocken und warm. Mehr als zwei Dutzend DJs und Musiker beglückten das Publikum ab 11 Uhr auf drei Bühnen. Zu den Prominenten zählt Boris Brechja. Er selbst beschreibt seinen Musikstil als „Hightech Minimal“. Sein Markenzeichen ist eine venezianische Maske, die er auch in Sindelfingen für einen Teil seiner Auftrittszeit trug – Folge einer Brandverletzung.

Ein leichtes Vibrieren ist selbst in den Baumstämmen zu spüren.

Als sich kurz vor 22 Uhr die ersten Scharen auf den Heimweg machten, zählten die Veranstalter rund 15 000 Besucher(innen). Sascha Ritter, Eventleiter der Wet-Festival-Agentur: „Wir sind sehr froh, dass wir es jetzt endlich durchführen konnten, obwohl wir viele Herausforderungen zu bestehen hatten. Auch bei uns macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar, speziellen Helfern müssen wir doppelten Stundenlohn anbieten. Die Getränkeeinkaufspreise sind gestiegen. Inklusive aller Helfer und Reinigungskräfte waren 400 Leute seit Dienstag mit dem Aufbau im Einsatz. Sie haben teils in zwei Schichten gearbeitet, damit am Samstag die Party losgehen konnte. Um Mitternacht haben wir wieder mit dem Abbau begonnen.“

House und Techno erschütterten den ausgetrockneten Grasboden und dröhnten durch die Luft. Ein leichtes Vibrieren war auch in den Baumstämmen zu spüren. Allerdings war in einer geringen Entfernung der Schalldruck überraschend gering. Variantenreiche Lichtblitze mischten die Dämmerung auf. Das Durchschnittsalter der Besucher(innen) lag zwischen 20 und 30. Nicht nur witterungsbedingt wurde viel nackte Haut präsentiert. In vielen Fällen notdürftig bedeckt. Etliche (Jung-)Männer zeigten Sixpack-Figuren oder zumindest Ergebnisse des regelmäßigen Muckibudenbesuchs. Ihr geschlechtlicher Gegenpart bereicherte das Outfit aus knappen und knappsten Bikinis mit vielfältigem Kettenschmuck, glitzerndem Make-up und fröhlichen Farbaccessoires. Entspannt die Atmosphäre.

Polizei verzeichnet ein friedliches Festival ohne auffällige Vorkommnisse.

Die Besucher, die sich meistens eher verhalten zum Rhythmus bewegten, waren voll des Lobes. Zu den Ältesten zählte eine Vierergruppe Männer, geboren in den 70ern. Sie bekannten: „Wir sind in unserer Jugendzeit mit dieser Musik aufgewachsen und extra aus Ravensburg gekommen. Da in Sindelfingen keine Übernachtungsmöglichkeit besteht, campen wir in Bad Cannstatt.“

Andere meinten: „Supercool, die Techno-DJs zählen zur absoluten Spitzenklasse. Sie werden alle an einem Tag geboten und erzeugen tollen Beat zum Tanzen. Das hat uns zwei Jahre gefehlt.“ Wenn auch Ravensburg die vielleicht längste Anfahrt war, lobt eine Besucherin, die sonst regelmäßig Clubs in Heilbronn besucht, das Event in Sindelfingen: „Praktisch ist, dass es nur einen Tag dauert, man also nicht irgendwo übernachten muss.“

Auch die Polizei zeigte sich zufrieden: „Wir hatten 64 Beamte im Einsatz. Außerhalb des Freibadgeländes waren noch Hundeführer unterwegs. Gemessen an der hohen Besucherzahl von knapp 15 000 gab es keine auffälligen Vorkommnisse. Zwar wurden 50 Verstöße gegen das Betäubungsmittel festgestellt, „aber dazu zählt schon das Rauchen eines Joints“.

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