Wettbewerb „Patissier des Jahres“ Stuttgarterin Sophie Mussotter erhält internationale Auszeichnung

Glückliche Siegerin in Bonn: Sophie Mussotter (Mitte) Foto: /Erik Witsoe

Als erste Frau kann Sophie Mussotter mit ihren außergewöhnlichen Desserts den internationalen Wettbewerb für sich entscheiden. Dabei profitiert sie auch von ihrer Zeit im inzwischen geschlossenen Fellbacher Zwei-Sterne-Restaurant Goldberg.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Mit dem Titel „Patissier des Jahres“ können sich so einige schmücken. Schließlich küren fast alle großen Restaurantführer aus dem laufenden Betrieb heraus auch einen Koch in dieser Kategorie. Aber es gibt eben nur einen richtigen Wettkampf zum „Patissier des Jahres“ im deutschsprachigen Raum, und den hat Sophie Mussotter aus Stuttgart gewonnen – als erste Frau des seit 2014 existierenden Wettbewerbs. Nach 150 Mitbewerbern im schriftlichen Vorentscheid konnte sich die 25-Jährige im Finale im Bonner Spitzenhotel Kameha Grand gegen fünf beziehungsweise vier Finalisten durchsetzen: Ein Kandidat hatte krankheitsbedingt kurzfristig absagen müssen.

 

Überzeugender als die Kollegin im Drei-Sterne-Restaurant

Eine besondere Herausforderung und Anlass für noch mehr Freude über den Sieg war für Sophie Mussotter, dass mit Hella Eggers die Chef-Patissière einer der besten Adressen der Republik, dem Drei-Sterne-Restaurant Aqua in Wolfsburg, mit im Finale stand. „Vielleicht war sie dann doch zu experimentell“, sagt Mussotter, die wusste, dass man in der hochkarätig besetzten Jury recht unterschiedliche Vertreter „von ganz klassisch bis sehr modern“ abholen musste. Darunter auch den Koch, der Jahr für Jahr wohl am meisten Desserts an sich vorüberziehen sieht, denn in René Franks Berliner Zwei-Sterne-Restaurant Coda gibt es nichts anderes als: Desserts. „Sophie Mussotter hat uns einfach absolut überzeugt und begeistert. Alle Kreationen waren von Anfang bis Ende komplett durchdacht und großartig präsentiert“, sagt Juror und Patissier des Jahres 2019 Sebastian Kraus vom Zwei-Sterne-Restaurant Purs in Andernach.

Drei aufwendige Desserts und Petits Fours in fünf Stunden

Innerhalb von fünf Stunden mussten drei unterschiedliche Dessertkreationen und Petits Fours in vierfacher Ausführung für die Jury vorbereitet werden. Nachdem Sophie Mussotter im Vorjahr bereits den Young Talents Cup gewonnen hatte, interpretierte sie nun völlig neu eine Erinnerung an „Omas Grießbrei mit Kirschen“ mit Kirschblüte, dunkler Schokolade, Pflaumenwein, Buchweizen und Steinpilzen. Spannend auch ihr Freestyle-Dessert mit Sellerie, Litschi, Sake und Reis.

Teilnehmen konnten Profis aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Über den Wettbewerb „Patissier des Jahres“, der einen Tag nach dem etwas größeren „Koch des Jahres“ über die Bühne ging, sagt Philipp Kovacs, ehemaliger Zwei-Sterne-Koch in Fellbach: „Es ist die größte Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, die so eng mit der Gastronomie verknüpft ist.“ Schließlich würden die Gerichte so auch im Restaurant serviert.

Langsam steigt die Lust, mehr von der Welt zu sehen

Kovacs ist Mentor von Mussotter, der sie mit weiteren Kollegen zum Finale nach Bonn begleitet und vom Publikum aus unterstützt hat. Beide arbeiten für das Fellbacher Cateringunternehmen Rauschenberger, das bis zum Sommer 2022 auch das Zwei-Sterne-Restaurant Goldberg betrieb. Nach dessen Schließung blieb Mussotter wie Küchenchef Kovacs dem Unternehmen erhalten und verantwortet nun die gesamte Patisserie bei Rauschenberger – von kleinen Gourmetevents bis hin zu großen Messeauftritten.

„Ich habe mich in dem Jahr noch einmal deutlich weiterentwickelt“, sagt Sophie Mussotter und meint damit auch Organisatorisches, Personalplanung und Führung von Azubis. Doch trotz der Vorzüge von geregelten Arbeitszeiten hat die Stuttgarterin langsam „wieder richtig Lust auf Restaurant und mehr von der Welt zu sehen“, denn ihre bisherige Küchenkarriere hat „nur“ bei Rauschenberger stattgefunden. Nachdem sie sich schon in der Waldorfschule auf der Uhlandshöhe für Kulinarik interessierte, aber eigentlich Kunst studieren wollte, absolvierte sie ihre Kochlehre im Cube, im Pier 51 und zum Schluss im Goldberg. Als dort der Postenchef ausgefallen war, übernahm sie als Chef de Partie die Patisserie.

Anders als Konditor ist Patissier oder Patissière in Deutschland kein Ausbildungsberuf, sondern nur ein Teil der Kochausbildung. Und obwohl ein Dessert im Idealfall der krönende Abschluss eines Menüs sein sollte, steht dieses Handwerk ein wenig im Schatten der „richtigen“ Köche. Sophie Mussotter jedoch kann ihre künstlerische Ader gerade bei den Desserts ausleben und macht Zeichnungen von ihren neuen Kreationen. Sie geht davon aus, dass die Jury auch von ihrer Präsentation mit gemalten Kärtchen sowie von der konzipierten Cocktailbegleitung angetan war. So oder so: „Ich war einfach gut vorbereitet und mit einer Riesenbegeisterung dabei“, sagt sie. Sicherlich keine schlechten Voraussetzungen für einen Wettbewerb – und auch den weiteren Berufsweg.

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