Auch im Eltern-Kind-Zentrum (Ekiz) im Stuttgarter Westen gärtnern einige Ehrenamtliche mit den Kindern fleißig. In den bunten Blumenkübeln und Hochbeeten gedeihen Tomaten, Kräuter, Blumen und saisonales Gemüse prächtig. „Letztes Jahr haben wir auch ein Insektenhotel aufgestellt“, sagt Elke Arenskrieger, die die Personal- und Öffentlichkeitsarbeit im Ekiz leitet. „Die Familien und die Kinder genießen die kleine Oase bei uns im Hinterhof sehr.“
Urban Gardening ist längst zu einem beliebten Gemeinschaftsprojekt in Städten geworden
Ob in New York, Berlin oder Stuttgart – die Nutzung von freien Flächen in der Stadt für Obst- und Gemüseanbau spielen für viele Stadtbewohner eine immer größere Rolle – sowohl gesellschaftlich als auch ökologisch. Gärtnern in der Stadt, Urban Gardening genannt, ist seit Jahren ein Riesenthema. Bürger organisieren sich in ihrer Nachbarschaft und in Initiativen, um ihre Stadt grüner zu machen. „Wir sprechen gar nicht mehr von einem Trend“, sagt Larissa Eißler, die bei der Stadt für das Förderprogramm „Urbanes Grün“ zuständig ist. „Urban Gardening ist in der Gesellschaft angekommen.“
Dass Bürger sich in ihrer Nachbarschaft gärtnerisch engagieren, sei in Stuttgart ein fester Bestandteil der ganzen Stadtbegrünung. Die Stadt begrüßt das auch ausdrücklich: „Wir brauchen mehr Grün in der Stadt“, sagt Eißler. Woher das Engagement kommt? „Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Bürger wollen mitgestalten in ihrer Stadt, ihre Nachbarschaft schöner machen und teilhaben bei der Stadtgestaltung.“
Und während früher jeder in seinem eigenen Garten oder auf seinem Balkon vor sich hingewerkelt hat, steht für viele Menschen längst das gemeinschaftliche Gärtnern im Vordergrund. Viele fühlen sich durch so ein gemeinsames Urban-Gardening-Projekt in ihrem Viertel auch wohler und integrierter: „Früher habe ich hier gewohnt, jetzt lebe ich hier“, habe ihr kürzlich ein Bürger erzählt, so Eißler. Dazu kommt auch der Wunsch von Großstadtmenschen, selbst etwas zu schaffen, mit den eigenen Händen, und die Natur intensiver zu erleben – für viele ist das ein Ausgleich zu dem alltäglichen Schreibtischjob. „Sich zu erden, schauen, wie etwas wächst, das finden viele toll“, sagt Eißler.
Die Stadt Stuttgart unterstützt die Hobbygärtner nicht nur ideell, sondern auch finanziell. Rund 40 Projekte habe man in den letzten Jahren gefördert. Inzwischen habe man eine große Vielfalt an Konzepten, Ideen und Menschen. „Wir freuen uns, wenn sich neue Gärtner mit ihren Projekten bei uns melden“, sagt Eißler.
Die Idee, die Stadt in Eigenregie grüner zu machen, entspricht auch der Idee des Stuttgarter Verschönerungsvereins, der sich seit über 150 Jahren um Parks, Grünflächen und Bäume in Stuttgart kümmert.
33 Projekte wurden ausgezeichnet
Bereits zum dritten Mal hat der Verein den Wettbewerb Stadtverschönerung ausgelobt, insgesamt habe man 33 Projekte in der Kategorie Urban Gardening ausgezeichnet, sagt Erhard Bruckmann, Vorsitzender des Verschönerungsvereins. „Reichtümer springen für die Initiativen dabei vielleicht nicht heraus, aber Wertschätzung bringen wir immer zum Ausdruck“, ergänzt er. Beim Urban Gardening geht es immer auch darum, bisher versiegelte Flächen in der Stadt zu begrünen. „Genau solche Projekte schauen wir uns an.“ Meistens sind es kleinere Beträge zwischen 100 und 400 Euro, die der Verein für gelungene Projekte vergibt. So hat das Ekiz in diesem Jahr 150 Euro erhalten. „Davon kaufen wir neue Pflanzen im Frühjahr“, kündigt Elke Arenskrieger an.
Wie gelungenes Urban Gardening geht, habe der Verein Chloroplast aus Weilimdorf gezeigt, sagt Bruckmann. Dort hat eine Gruppe eine alte Gärtnerei auf dem Walz-Areal übernommen. Seit rund vier Jahren pflanzen engagierte Hobbygärtner dort Salate, Kräuter oder Radieschen in Hochbeeten an. Wer auf dem Walz-Areal Urban Gardening betreiben möchte, darf ausprobieren, was er möchte. Im Sommer 2018 gab es bereits mehr als 60 Hochbeete, der Ort hat sich längst als Treffpunkt etabliert. „Das ist ein schönes Beispiel, wie aus einer kleinen Aktion eine stadtteilwirksame Community entstanden ist“, schwärmt Bruckmann.
Der nächste Wettbewerb soll im Jahr 2021 stattfinden und in Verbindung mit dem 160-jährigen Bestehen des Verschönerungsvereins stehen. Man wolle dann auch Dach- und Fassadenbegrünungen miteinbeziehen, sagt Bruckmann. Auch dafür können sich Bürger bereits jetzt beim Verein melden.