Wettbewerbsfähigkeit Deutschland rutscht deutlich ab

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In einem internationalen Vergleich der Stiftung Familienunternehmen hat Deutschland deutlich an Boden verloren. Die Firmen machen dafür vor allem die ihrer Ansicht nach zu hohen Steuern verantwortlich.

Der Maschinenbauer Heller in Nürtingen gilt als  typisches Familienunternehmen. Foto: Heller
Der Maschinenbauer Heller in Nürtingen gilt als typisches Familienunternehmen. Foto: Heller

Stuttgart - Die Stiftung Familienunternehmen geht hart mit der Steuerpolitik in Deutschland ins Gericht. Besonders diese habe dazu beigetragen, dass Deutschland bei einem Ländervergleich über die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft vom zwölften auf den 16. Platz zurückgefallen sei, heißt es in der jüngsten Untersuchung der Stiftung. „Deutschland hat erheblich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt“, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung und Partner der Stuttgarter Kanzlei Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz, zum Ergebnis der Analyse. Im Augenblick werde diese Entwicklung aber noch von der guten Konjunktur überdeckt.

Die Schweiz liegt vorne

Auf Platz eins der aus Sicht der Familienunternehmen attraktiven Standorte liegt nach der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Stiftung ausgearbeiteten Analyse die Schweiz. Diese konnte damit den Spitzenplatz verteidigen, den sie schon bei der letzten Untersuchung vor zwei Jahren innehatte. Auf Rang zwei und drei folgen das Vereinigte Königreich und die USA.

Die Studie räumt allerdings ein, die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump und der Brexit seien Risiken für diese Länder. Ganz unten auf der Skala der attraktivsten Standorte liegen – wie ebenfalls schon vor zwei Jahren – Frankreich, Spanien und Italien. Untersucht wurden die Wettbewerbsbedingungen in 21 Ländern. Zu Italien heißt es, angesichts der Reformverweigerung der Regierung in Rom stelle sich die Frage, „ob die einzige realistische Chance des Standorts nicht außerhalb der Europäischen Währungsunion liegen könnte“. Im Klartext heißt dies, möglicherweise wäre es für Italien besser, wenn das Land aus der Währungsunion austreten würde. Das frühere Krisenland Portugal hat dagegen Boden gut gemacht. Portugal kletterte vom 18. auf den 15. Rang und konnte sich damit sogar knapp vor Deutschland schieben.

Weckruf für die Regierung

„Die Ergebnisse des Länderindex Familienunternehmen müssen ein Weckruf für die Bundesregierung sein“, meinte Kirchdörfer. Überfällig sei eine Senkung der effektiven Steuerbelastung der Unternehmen „um mindestens fünf Prozentpunkte“, sagte der Stiftungsvorstand. „Jetzt ist es Zeit zu handeln, sonst verliert Deutschland als Standort für Familienunternehmen weiter an Attraktivität.“

Heinrich Baumann, Vorsitzender des Landesverbands der Industrie (LVI) in Baden-Württemberg, meinte auf Anfrage, Deutschland könne sich keine schlechteren steuerlichen Bedingungen leisten als andere Länder. „Was Deutschland aber vor allem fehlt, ist eine drastische Vereinfachung des Steuersystems“, sagte Baumann, der auch Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart und geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Autozulieferers Eberspächer ist.

Beim Blick auf die Steuern ist Deutschland in den vergangenen beiden Jahren besonders kräftig abgerutscht und liegt jetzt nur noch auf Platz 20 vor Japan, das die rote Laterne bei der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit trägt. Die letzten zehn Jahre seien Jahre der Untätigkeit bei den Unternehmenssteuern gewesen, meint die Stiftung. Die wenigsten Unternehmen, so Kirchdörfer, würden allein aus steuerlichen Gründen Kapazitäten ins Ausland verlagern. Aber bei ungünstigen Rahmenbedingungen würden sich Veränderungen schleichend vollziehen: „Es beginnt damit, dass Kapazitäten im Ausland ausgebaut werden, während in Deutschland nur noch in den Ersatz bestehender Anlagen investiert wird.“ Neben einer Steuerentlastung sei auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur in ländlichen Regionen dringend nötig. Ähnliches gelte auch für die Verkehrsinfrastruktur.

Weniger Regulierung

Gut geschlagen hat sich Deutschland nach Meinung von Untersuchungsautor Friedrich Heinemann, Forschungsleiter beim ZEW, beim Abbau der allerdings immer noch recht hohen staatlichen Regulierung sowie in Fragen der Finanzstabilität. Gerade beim Blick auf Länder wie Italien oder Griechenland zeige sich, wie wichtig stabile finanzielle Rahmenbedingungen und gute Finanzierungsmöglichkeiten für die Unternehmen seien, heißt es in der Untersuchung.

In der Analyse kommt auch zum Ausdruck, dass nicht nur Steuern oder Infrastruktur für Investoren wichtig sind, sondern auch die Rechtssicherheit und der Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Dabei schneidet Deutschland gut ab, am unteren Ende der Skala liegen Italien, die Slowakei und Ungarn.