Wetter im Kreis Göppingen So viel Regen wie noch nie

Regenschirme waren im Juni nicht nur hier in Süßen an der Fils unverzichtbar, im Mai ebenfalls. Foto: Staufenpress

Land unter im Juni: Es regnet im Landkreis Göppingen noch mehr als im Mai, in den beiden Monaten fällt fast die halbe Jahresmenge an Niederschlag. Zu warm war es trotzdem.

Erinnert sich noch jemand? Im Juni vergangenen Jahres gab es 25 Sommertage mit Temperaturen von 25 Grad oder mehr, im ganzen Monat regnete es kaum, gerade einmal 44 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen vom Himmel. Ganz anders zwölf Monate später: Allein am 2. Juni dieses Jahres registrierte der Eislinger Wetterdiensttechniker Hans Juchert 57,9 Liter Regen, auch der 1. Juni toppte mit 44,6 Litern knapp den Vorjahresmonat. „Allein an den ersten beiden Tagen des Monats fielen bei Dauerregen mit 102,5 Litern bereits 107 Prozent des langjährigen Sollwerts von 96 Litern“, erläutert Juchert.

 

Die tropfnassen Wetterkapriolen bringen den Experten zum Staunen: „Was kaum möglich schien, ist im vergangenen Monat eingetreten. Nachdem der Mai mit 201,9 Litern schon extrem viel Niederschlag brachte, hat der erste Sommermonat dieses Jahres diesen Wert sogar noch übertroffen. Insgesamt fielen im Juni genau 211 Liter auf den Quadratmeter“, sagt Juchert. Das entspricht 220 Prozent des langjährigen Mittelwerts. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres sind damit bereits 675,3 Liter Niederschlag gefallen – im Mittel des gesamten Jahres fielen in den vergangenen zehn Jahren 858 Liter.

Nur sechs Tage im Juni sind komplett trocken gewesen

Alles in allem sind es rekordverdächtige Wassermengen, die vom Himmel fielen, hat Juchert herausgefunden: „In der mir vorliegenden Niederschlagsstatistik der langjährigen Messstelle am Göppinger Wasserwerk, die bis ins Jahr 1908 zurückreicht, gab es seither noch nie ein Jahr, in dem gleich in zwei Monaten mehr als 200 Liter gefallen sind.“ Nach den ersten beiden Junitagen ging es dann gerade so weiter: „Im weiteren Verlauf gestaltete sich der Monat sehr unbeständig und regenreich“, zeigen Jucherts Aufzeichnungen.

Nur sechs Tage seien komplett trocken gewesen. „So kam die hohe Monatssumme zusammen.“ Er hat noch ein paar Beispiele für Extreme herausgesucht: „Bei einem Gewitter am 22. des Monats fielen 36,6 Liter, davon allein in der Zeit von 14.50 bis 15.10 Uhr 25,2 Liter in 20 Minuten.“

Ein paar Tage später, am Donnerstag, 27. Juni, liefen dann besonders in den nördlichen Stadtteilen von Eislingen bei einem starken Gewitterregen einige Keller voll, so wie es auch schon zu Monatsbeginn der Fall gewesen war. Bei all dem Regen wundert es nicht, dass sich die Sonne rar gemacht hat: „Dazu passt auch die nahezu völlige Fehlanzeige von Schönwetterlagen, die länger als zwei Tage hielten“, sagt Juchert.

Doch es gibt auch versöhnlich stimmende Daten, zeigen die Aufzeichnungen des Eislingers, der bis zum Eintritt in den Ruhestand in der Wetterstation im Tower des Stuttgarter Flughafens arbeitete: „Immerhin gab es elf Sommertage mit Temperaturmaxima von mindestens 25 Grad, davon zwei heiße Tage mit über 30 Grad.“

An 26 Tagen zeigte das Thermometer 20 Grad oder mehr. Und: „Obwohl der Monat viele Regentage aufwies und dadurch die Sonnenbilanz zu wünschen übrig ließ, war der Juni etwas zu warm. Mit einer Mitteltemperatur von 17,8 Grad lag er um moderate 0,7 Grad über dem langjährigen Mittelwert.“ Die Tiefsttemperatur gab es am 12. Juni mit 7,8 Grad, am heißesten wurde es am 29. des Monats: 32,7 Grad und extreme Schwüle sorgten am vergangenen Samstag ausnahmsweise mal für Hitzewallungen.

Trotz der Wassermassen ist der Juni für sich betrachtet kein Rekordhalter

Noch einen Vergleich hat Juchert parat: An sechs Tagen im Juni gewitterte es, im vergangenen Jahr waren es fünf Gewittertage – mit gerade mal einem Fünftel der Gesamtregenmenge. Trotz der Wassermassen ist der Monat für sich betrachtet kein Rekordhalter: Die Göppinger Annalen berichten von 218 Litern Regen im Juni 1971, Jucherts Aufzeichnungen zeigen als Eislinger Rekord der vergangenen Jahrzehnte hingegen lediglich 164,8 Liter im Juni 2021.

25 Kästen Sprudel pro Quadratmeter

Niederschlag
 211 Liter Regen sind im Juni pro Quadratmeter gefallen, das bedeutet eine 21,1 Zentimeter hohe Wassermenge. Zum Vergleich: In eine Standard-Badewanne passen 150 bis 180 Liter. Umgerechnet auf eine 20 Quadratmeter große Terrasse bedeutet die in Eislingen gemessene Regenmenge, dass hier in 30 Tagen 4220 Liter Wasser heruntergekommen sind.

Menge
Anders verdeutlicht: 211 Liter entsprechen in etwa 25 Kästen Sprudel oder sage und schreibe 844 Dosen Red Bull pro Quadratmeter. Um nochmal die Terrasse als Maß herzunehmen: Das wären im Monat 500 volle Sprudelkästen oder 16 880 Red-Bull-Dosen. Da bleibt nicht mehr viel Platz zum Draußensitzen.

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