Seit Wochen regnet es beinahe täglich. Man sagt immer, dass Regen gut für die Natur sei. Aber ist das auch bei diesen Ausmaßen noch so? Nachgefragt bei einem Experten.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Nieselregen, Starkregen, Gewitter: Immer wieder regnet und schüttet es zurzeit. Und dass das nicht mehr normal, sondern unüblich ist, lässt sich auch durch Zahlen belegen. Seit Mitte Mai regnet es deutlich mehr als im historischen Vergleich, zeigen Zahlen unserer Klimazentrale.

 

In den 70er und 80er Jahren war mehr Regen im Mai typisch

Die aktuell hohen Niederschläge in Stuttgart wären auch schon den Menschen in den 1970er oder 1980er Jahren aufgefallen – aber viel weniger stark, weil damals im Mai mehr Regen typisch war. Das liegt am Klimawandel.

Aber ist der viele Regen derzeit immerhin gut für die Natur? Denn man sagt ja immer, dass sich die über viel Niederschlag „freue“.

Probleme entstünden durch Versiegelung und Landwirtschaft

Der Auenökologe Mathias Scholz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sagt, dass der Regen den Pflanzen und Tieren jedenfalls nicht schade: „Jeder Boden hat eine unterschiedliche Wasseraufnahmekapazität. Wenn diese erschöpft, also der Boden gesättigt ist, fließt das Wasser in Hanglagen ab und es kann zu Hochwasser in den Tallagen oder im Tiefland kommen“, erläutert er.

Auenlandschaften und Moore seien aber auf zeitweise viel Wasser eingestellt – und in solchen Lebensräumen schade der Regen den Pflanzen und Tieren nicht, sagt Mathias Scholz. „Probleme entstehen dann, wenn die natürlichen Schwammfunktionen in der Landschaft aufgrund von intensiver Landwirtschaft oder Versiegelung für Straßen und Wohnbebauung nicht mehr vorhanden sind.“

In Stuttgart werden nach und nach Plätze nach dem Prinzip der Schwammstadt umgebaut: Beim Schützenplatz im Kernerviertel ist dies bereits geschehen. Der Bismarckplatz im Westen soll im kommenden Jahr folgen. Konkret geht es darum, den Asphaltanteil zu reduzieren; so sollen alle Parkplätze mit Sickersteinen versehen werden. Die Zahl der Bäume wird um zwölf auf dann mehr als 80 erhöht.