In großen Teilen Deutschlands waren die vergangenen Wochen nicht nur wärmer, sondern auch trockener als im langjährigen Mittel. Nun gibt es erste Prognosen für die Sommermonate 2022.

Politik: Hanna Spanhel (hsp)

In vielen Teilen Deutschlands macht eine große Trockenheit der Land- und Forstwirtschaft zu schaffen. Das Winterhalbjahr fiel laut dem Deutschem Wetterdienst (DWD) „sehr trocken“ aus, auch der März und der April waren laut DWD in Deutschland insgesamt „deutlich zu trocken“: Es fiel demnach deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt zu dieser Jahreszeit – vor allem im Norden und Osten Deutschlands.

Gerade in diesen Gegenden sind die Böden laut dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung derzeit folglich „extrem“ oder sogar „außergewöhnlich dürr“, aber auch im Rheingraben und im südlichen Baden-Württemberg ist es „ungewöhnlich trocken“, teils ebenfalls „extrem“ oder „außergewöhnlich“ dürr. Das heißt: der Boden ist hier bis zu einer Tiefe von 1,80 Metern so trocken wie sehr selten in den vergangenen 70 Jahren.

In den Sommermonaten ein bis zwei Grad mehr als normalerweise

Für viele Landwirte ist diese Dürre bereits jetzt ein Problem, in Teilen Deutschlands – etwa im Süden Brandenburgs – herrscht derzeit hohe Waldbrandgefahr. Und: erste Prognosen für den Sommer deuten darauf hin, dass es ähnlich trocken weitergehen könnte.

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So rechnet der europäische Wetterdienst ECMWF damit, dass es in den kommenden Wochen in großen Teilen Europas wärmer und trockener wird als im Schnitt. Auch der Deutsche Wetterdienst rechnet für dieses Jahr mit einem im Vergleich zum langjährigen Mittel zu warmen und zu trockenen Sommer: In großen Teilen Deutschland könne es bis August demnach ein bis zwei Grad wärmer werden als im langjährigen Durchschnitt, sagte ein Sprecher unserer Zeitung, im Rheingraben noch etwas darüber. Was die Niederschläge angehe, rechne man damit, dass es fünf bis 20 Prozent trockener werde. Allerdings seien Prognosen hier unsicher.

„Wir sind in Zeiten des Klimawandels“, sagte der Sprecher – was man sehe, läge „leider“ im Bereich dessen, was man im Zuge der Erderwärmung erwartet habe. Auch wenn es im Zuge des Klimawandels durchaus auch zu einzelnen kühleren, niederschlagsreicheren Sommern kommen könne, werde die Wahrscheinlichkeit für sehr warme und trockene Sommer höher.

Die neue Normalität wird deutlich wärmer, sagt Friederike Otto

„Warm ist absolut normal, allerdings ist es nur vorübergehend normal“, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Imperial College London mit Blick auf die ersten Monate des Jahres in Deutschland. „Bei weiter steigender globaler Mitteltemperatur wird die neue Normalität noch deutlich wärmer und das Frühjahr 2022 vergleichsweise kühl.“ Die Trockenheit, die in Teilen Deutschlands herrsche, sei ohne konkrete Studie aber nicht eindeutig dem Klimawandel zuzuordnen.

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Für Klimaforscherin Otto kommen die Entwicklungen indes nicht überraschend: „Die physischen Folgen sind exakt so eingetreten wie erwartet“, sagte sie – gab aber zugleich zu bedenken: „In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass unsere sozialen und ökologischen Systeme empfindlicher sind als angenommen, das heißt, die Schäden sind schwerwiegender.“

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