WFV-Pokal: TSV Bernhausen Der Jüngste macht große Fußball-Show

Der Jüngste auf dem Platz als Mann des Spiels: der Neu-Bernhausener Jamie-Noah Demir (rechts), in dieser Szene gegen den Gäste-Verteidiger Simon Lechleitner. Foto: Günter Bergmann

Nach einem furiosen 5:1 gegen die TSG Hofherrnweiler steht der TSV Bernhausen im Pokalachtelfinale. Zwei Spieler ragen heraus – und zwei andere erhalten vom Verband längere Sperren.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Da stand er also, der Mann des Spiels. Oder sollte man besser sagen: Junge des Spiels? Lachend und offensichtlich bestens gelaunt unterhielt er sich vor dem Stadion mit Freunden, die als Zuschauer gekommen waren, während sein Trainer ein Fazit zwischen Applaus und väterlich wirkender Strenge zog. „Eine tolle Leistung von ihm“, lobte Roko Agatic und schob aber gleich mahnend hinterher: „Er muss jetzt weiter hart arbeiten und darf nicht die Bodenhaftung verlieren.“

 

„Er“, das ist Jamie-Noah Demir. Seit April gerade mal 19 Jahre alt, Neuzugang, frisch gekommen von den A-Junioren des SSV Reutlingen. Hand aufs Herz bei den Fans des TSV Bernhausen: Wer selbst unter ihnen hatte ihn bislang überhaupt gekannt? Spätestens seit diesem Dienstagabend aber vermutlich jeder. Es war der Abend, an dem der Jüngste auf dem Spielfeld die Begegnung rockte. Ein Fußball-Abend, den sowohl die Filderstädter als insbesondere auch Demir wohl so schnell nicht vergessen werden. Mit gleich drei Torbeteiligungen trug der Angreifer entscheidend dazu bei, dass die Erfolgsgeschichte seiner Mannschaft in der Frühphase dieser Saison weitergeht. Nach einem furiosen 5:1-Sieg gegen die klassenhöhere TSG Hofherrnweiler-Unterrombach sind er und die Seinen im Achtelfinale des Verbandspokalwettbewerbs. Nicht nur das: Sie zeigten auch eindrucksvoll auf, warum sie vor dem Landesliga-Start am Sonntag bei der Konkurrenz als Meisterschaftsfavorit auf den Tippzetteln stehen.

4:2 beim Verbandsliga-Absteiger TV Echterdingen, 4:0 gegen den Staffelrivalen Maichingen, nun dieses 5:1 als dritter Cup-Streich im Rahmen des saisonalen Aufgalopps. Auf aberwitzige Weise hat Agatic damit mit einer Prognose recht behalten. Wie hatte der Coach im Vorfeld auf eine augenzwinkernde Nachfrage geantwortet? Nein, gegen diesen Gegner bestimmt keine erneute eigene „4“ im Endresultat. Gesagt, getan. Nicht vier Treffer seines Teams, dafür aber sogar fünf. Und das, obwohl mehrere Stammkräfte gesperrt oder urlaubsbedingt fehlten und der Kontrahent vom Papier her der bislang schwerste war.

Doch scheint gerade ziemlich egal, wen Agatic für seine Startelf aus dem Hut zaubert – es funktioniert. Der nochmals erhöhten Qualität in der Kaderbreite sei Dank. Und auch einer taktischen Marschroute, die eine klare Trainerhandschrift erkennen lässt. In einem abgestimmten Ensemble weiß offenkundig jeder Einzelne exakt, welchen Job er fürs Kollektiv zu verrichten hat, und hält sich an die Vorgaben. Wie aktuell belegt, gegebenenfalls auch mit einem Halbkranken und dem Greenhorn des Aufgebots in der Anfangsformation. Zwei Kicker ragten aus einer insgesamt glänzenden Mannschaft heraus. Der eine war der Spielmacher Filip Jordacevic, der sich am Wochenende noch mit Symptomen eines grippalen Infekts abgemeldet hatte – nun wirbelte er omnipräsent über den Kunstrasen. Unter anderem jeder seiner Eck- und Freistöße bedeutete für die Gäste Gefahrenstufe rot.

Der andere hieß eben Demir. Dessen Bilanz: einen Treffer initiiert, zwei weitere in Tor-des-Monats-Manier selbst erzielt. Nach einer Art Vorspiel mit Bernhausen-Führung durch einen fulminanten 25-Meter-Flachschuss von Julijan Milos (14.) sowie dem Hofherrnweiler-Ausgleich per Elfmeter (18., Baba Modji nach Foul von Ovidiu-George Sterian) kam die Demir-Show. Erst holte der Youngster seinerseits einen Strafstoß heraus, indem er sich energisch gegen den Ball behauptete und ihm der Gäste-Verteidiger Mbodji in die Hacken trat. Bogdan Rangelov verwandelte zum 2:1 (45.).

Dann ein erstes „Ah“ und „Oh“ im Publikum: Ball angenommen, eine Drehung, ein kurzer Blick – und rums, wie an der Schnur gezogen rauschte die Kugel von links im Diagonalflug ins gegnerische Netz (60.). Und schließlich auch noch die Zugabe: Demir, die nächste. Erstaunlich abgezockt für sein Alter agierte der Neue auch beim 4:1 (65.). Nach einem Steilpass von Sterian erkannte er, dass der Keeper zu weit vor seinem Kasten steht und lupfte das Leder ins verwaiste Gehäuse. Vollends perfekt war die Demontage des eigentlichen Favoriten Hofherrnweiler, als zuletzt obendrein der eingewechselte Samuel Böhmer traf (78.). In diesem Fall ausnahmsweise ohne Demir-Füße im Spiel. Aber so oder so mit Grüßen nach Reutlingen.

An der Kreuzeiche hat der Stürmer laut Agatic in der vergangenen Saison „ja nicht von ungefähr Junioren-Bundesliga gespielt“ – im Übrigen ebenfalls mit zwei Pokaltoren als Highlight, nämlich gegen den VfB. Als sein bisheriger Verein für ihn nun dennoch keinen Platz im Oberliga-Männerkader seiner „Ersten hatte“, nutzten die Bernhausener die Gunst der Stunde. „Wir haben da sehr gerne zugeschnappt“, sagt Agatic, wenngleich inzwischen im Wissen, dass sich für ihn selbst damit womöglich bald ein „Problem“ ergibt.

Stichwort personelle Qual der Wahl. Was erst, wenn auch Leistungsträger wie der eigentliche Angriffsplatzhirsch und Kapitän Ivan Matanovic, Mikail Gümüssu, Mihael Tomic oder Henry Alber wieder zur Verfügung stehen? Aktuell bilden die beiden Erstgenannten den Wermutstropfen, nebst dem verletzungsbedingten Ausscheiden des Torschützen Milos (Knie verdreht/Diagnose noch offen). Beide haben für ihre Platzverweise wegen Tätlichkeiten in den vorangegangenen Partien längere Sperren erhalten: Matanovic, der derzeit freilich eh im Urlaub weilt, für vier Pflichtspiele; Gümüssu bis 31. August.

Freilich: Die gute Laune wollte sich beim TSV Bernhausen dadurch am Dienstagabend keiner trüben lassen. Dafür war der Rest einfach viel zu gut. Und dafür ist die „Vorfreude auf die nächsten Aufgaben viel zu groß“, wie Agatic es formuliert.

Auf das kommende Wochenende blicken die „Veilchen“ mit doppelter Spannung: zum einen wegen ihres Liga-Auftaktspiels am Sonntag (15.30 Uhr) zuhause gegen den 1. FC Eislingen. Zum anderen, weil dann die nächste Pokalrunde ausgelost wird (Spieltermin voraussichtlich 3. September).

Wetten, dass sich auf den Rängen beim eigenen Anhang dabei jeweils keiner mehr fragen wird, wer eigentlich dieser Bursche vorne im Angriff ist? Dieser Mann oder auch Junge mit der Nummer 28 – kennt den jemand?

TSV Bernhausen: Livancic – Henneh, Ege, Sterian, Meinlschmidt – Lujic – Kranz (89. Danny Preuß), Milos (41. Vidic), Jordacevic (72. Böhmer), Rangelov (89. Lombardo) – Demir (89. Seddon).

TSG Hofherrnweiler-Unterrombach: Hutzenlaub – Wagemann, Lechleitner, Mbodji (46. Kurz) – Klenk, Freitag, Bucan (46. Ruth), Ziemer – Sigloch (46. Ljatifi), Arslan – Seidler.

Zum Gegner Hofherrnweiler

Trainerstimme
1:5 beim klassentieferen Gegner – entsprechend bedient war der Gästetrainer Patrick Faber. Sein Kommentar: „Ein emotionsloser, wehrloser und blutleerer Auftritt von uns. Das Ergebnis ist auch in der Höhe absolut verdient.“ Bernhausen haben den Seinen „in den Bereichen Emotionalität, Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Umschaltspiel die Grenzen aufgezeigt“.

Nächster Gegner
Weiter geht es für die Ostalb-Kicker gleich mit dem nächsten Gegner von den Fildern. Am Samstag (15.30 Uhr) treffen sie in der Verbandsliga zuhause auf Calcio-Leinfelden-Echterdingen. Ob wieder mit ihrem Kapitän, bleibt abzuwarten. Aktuell fiel jener, Nicola Zahner, wegen Oberschenkelproblemen kurzfristig aus.

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