Wie das Schicksal von Prinzessin Diana Harrys Leben beeinflusst Prinz Harry und das Vermächtnis seiner Mutter

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Der Rückzug des Herzogspaars Harry und Meghan hat eine lange Geschichte. Der Tod seiner Mutter hat Prinz Harry stark geprägt und er will alles tun, damit sich das Schicksal nicht wiederholt.

Ein Foto aus Harrys Kindheitstagen während eines Urlaubs gemeinsam mit seiner 1997 bei einem Autounfall verstorbenen Mutter, Prinzessin Diana. Foto: AP/The Duke of Cambridge and Prince Harry 7 Bilder
Ein Foto aus Harrys Kindheitstagen während eines Urlaubs gemeinsam mit seiner 1997 bei einem Autounfall verstorbenen Mutter, Prinzessin Diana. Foto: AP/The Duke of Cambridge and Prince Harry

London - 31. August 1997, Prinzessin Diana, stirbt mit nur 36 Jahren nach einem Autounfall in Paris, auf der Flucht vor Paparazzi. Die Briten stehen unter Schock, die halbe Welt trauert. Unvergessen die Bilder vom Trauerzug durch Londons Straßen, bei dem ihre Söhne William und Harry mit gesenkten Köpfen hinter dem Sarg her laufen. Ein Brief mit dem offensichtlich von Kinderhand geschriebenen Wort „Mommy“ steckte in einem der Blumenkränze auf dem Sarg und rührte die Nation zu Tränen. William war zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt, Harry stand kurz vor seinem 13. Geburtstag. In der anlässlich des 20. Todestages 2017 ausgestrahlten TV-Doku „Diana, our mother – her life and her legacy“ („Diana, unsere Mutter – ihr Leben und ihr Vermächtnis“) erinnerten sich die Prinzenbrüder unter anderem an das letzte Telefonat mit ihrer Mutter vor ihrem Tod. Diese hielt sich zu dem Zeitpunkt mit ihrem damaligen Lebensgefährten Dodi Al-Fayed in Paris auf. William und Harry waren gemeinsam mit Prinz Charles auf Schloss Balmoral in Schottland.

Prinz Harry hat den Tod seiner Mutter lange verdrängt

Sie hatten mit ihren Cousins spielen wollen und waren am Telefon kurz angebunden. „Wie anders die Konversation verlaufen wäre, hätte ich die kleinste Ahnung gehabt, dass ihr Leben an dem Abend genommen würde“, sagte Prinz Harry in der Doku. Nicht gewusst zu haben, dass es sich um das letzte Telefonat mit seiner Mutter handelte – damit müsse er nun bis zum Ende seines Lebens klarkommen, erklärte Harry. Dies sei unglaublich hart. Der ältere Bruder, Prinz William, äußerte sich ähnlich: „Harry und ich haben uns beeilt mit der Verabschiedung, „bis später“, (...) dieser Telefonanruf sitzt fest in meinem Kopf“, erklärte er.

Der frühe Tod der Mutter ist schon hart genug für zwei Jungs im Teenageralter. Ein solches Schicksal unter medialer Beobachtung zu verarbeiten und sich dabei emotional zurückzuhalten, so wie es von Mitgliedern des Königshaus erwartet wird, ist nahezu unvorstellbar. Fast zwei Jahrzehnte lang habe Prinz Harry den Tod seiner Mutter verdrängt, sagte er später in einem Interview. In dieser Zeit habe er keine Gefühle zugelassen, sagte er der britischen Zeitung „The Telegraph“. In seinen Zwanzigern habe er schließlich ein „totales Chaos“ durchlitten. Er habe „den Kopf in den Sand gesteckt“, es abgelehnt, überhaupt an seine Mutter zu denken, und gedacht: „Es macht dich nur traurig. Sie wird davon nicht wieder lebendig.“

Irgendwann brach alles aus ihm heraus

Erst mit 28 Jahren habe er professionelle Hilfe in Anspruch genommen, nachdem er von anderen dazu ermutigt worden sei. Unter anderem habe er „große Unterstützung“ von seinem älteren Bruder William erfahren. „Er hat mir immer wieder gesagt, etwas stimmt nicht, ich müsse mit jemandem reden, und dass das auch okay ist.“ Er begann, sich mit der Trauer um seine Mutter und dem Druck auf ihn als Mitglied der königlichen Familie auseinander zu setzen, sagte Harry im „Telegraph“-Interview. „Ich weiß überhaupt nicht, wie wir (Royals) normal bleiben. Ich habe keine Geheimnisse, ich stand wahrscheinlich bei zahlreichen Gelegenheiten kurz vor einem kompletten Zusammenbruch“, gestand der Prinz. Nach einigen Gesprächen sei all der Schmerz plötzlich herausgekommen und „ich habe dann gemerkt, dass es viele Dinge gibt, mit denen ich mich dringend auseinandersetzen muss.“

Harry und William wollen psychische Probleme entstigmatisieren

Als er angefangen habe, über seine Gefühle zu sprechen, habe er festgestellt, dass er „Teil eines ziemlich großen Klubs“ sei und andere ermutigt, sich zu öffnen. Harry sagte, er habe sich entschlossen, so offen über seine Vergangenheit zu reden, um psychische Probleme zu entstigmatisieren. Ihm selbst gehe es mittlerweile gut. „Ich weiß jetzt, dass Reden über die eigenen Probleme einen großen Wert hat, Schweigen macht alles nur noch schlimmer“, sagte Harry. „Nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle anderen um dich herum.“ In seinen Zwanzigern sei er für andere ein Problem gewesen und er habe nicht gewusst, wie er damit umgehen sollte. Der Prozess der vergangenen Jahre habe es ihm ermöglicht, seine Arbeit und sein Privatleben ernst zu nehmen. Daraus entstand 2016 die Idee, die Initiative „Heads together“ gemeinsam mit seinem Bruder William und dessen Frau Kate zu gründen, die sich dafür einsetzt, Stigmata rund um psychische Krankheiten zu beseitigen.

Das Schicksal soll sich nicht wiederholen

Bei der Vorgeschichte erscheint es nur logisch, dass Prinz Harry nun den großen Schritt wagt und künftig seine royale Rolle hinter sich lassen möchte. Der mediale Druck, dem bereits seine Mutter ausgesetzt war, die Hetzjagd der Paparazzi, die sich in jüngster Zeit bei seiner Frau Meghan zu wiederholen schien sowie seine innere Auseinandersetzung mit all diesen Umständen führte letztlich zu der Entscheidung, zu der ihn Meghan vermutlich nicht überreden oder gar drängen musste, so wie es momentan manche Medien darstellen.