Wie der Tabak im Südwesten Einzug hielt Was hat Tabak mit dem Teufel zu tun?

Mit dem Tabak entstand auch ein neues Handwerk: das Tabak-Spinnen. Foto: arno

Als der Leonberger Untervogt anno 1710 eine herzogliche Verordnung bekam, war das Kraut, das gegen diverse Gebrechen helfen sollte, auf dem Vormarsch.

Der Teufel trägt an allem die Schuld. Er hat sich von einer schlauen Bäuerin übertölpeln lassen und musste ohne die Seele ihres Ehemannes in die Hölle zurückfahren. Und die Menschen bekamen dafür das „Teufelskraut“ – den Tabak. Das war vor langer Zeit in der Pfalz.

 

In Württemberg ging es etwas herrschaftlicher zu. Da brauchte es die Verordnungen von Herzog Eberhard Ludwig (1676-1733), dem Gründer von Ludwigsburg. Der führte nicht nur den Gregorianischen Kalender ein, sondern er reformierte auch das Steuerwesen, förderte Manufakturen und Bergbau. Durch die Aufnahme der Hugenotten und Waldenser wurden hier neue Gewerbe heimisch und letztere brachten die Kartoffel ins Land, auch in ihr neues Domizil Perouse.

Die Teufelsgeschichte: Eines Tages sah ein Bauer, wie der Teufel ein großes Stück Land bestellte. Der Bauer kannte das Kraut nicht und fragte: „Was ist das, was pflanzt du da?“ „Das rätst du dein Lebtag nicht!“ sprach der Teufel. Das verdross den Bauer: „So klug wie du bin ich auch!“ – „Wollen wir wetten? Wenn du in drei Tagen den Namen des Krautes errätst, gehört dir das ganze Stück Land und alles, was darauf steht. Wenn nicht, verfällst du mir mit Leib und Seele!“ Der Bauer war trotzig und ging auf die Wette ein; doch schon auf dem Heimweg bereute er es.

Zuhause rührte er weder Speis noch Trank an. „Was ist?“ fragte die Bäuerin. „Es ist eine schlimme Geschichte“, erzählte er ihr alles. „Sei guter Dinge, den Namen des Krautes will ich dir schon erraten!“ Sie zog sich splitternackt aus und kroch in eine Teertonne, dann schnitt sie ein Bett auf und wälzte sich in den Federn, dass sie am ganzen Leibe damit bedeckt war. Darauf ging sie auf das Feld mit dem fremden Kraute und lief zwischen den Furchen auf und ab und neigte den Kopf zur Erde, als wollte sie von den Blättern fressen. Kaum war der Teufel ihrer gewahr geworden, so wollte er den großen Vogel vertreiben: „Husch, willst du aus meinem Tabak heraus!“ Die Frau eilte nach Hause und erzählte ihrem Manne, wie der Teufel das Kraut genannt hatte.

Gegen Husten und Zahnschmerzen

Ohne die Seele zurück in die Hölle

Am dritten Tage freute sich der Böse schon, eine Seele gewonnen zu haben und fragte den Bauern, wie das Kraut hieße. „Das ist der Tabak“, lautete seine Antwort. Da musste der Teufel ohne die Seele in die Hölle zurück; der Mann aber bekam das Land mit dem Tabak darauf. Damit hat aller Tabakbau in der Welt seinen Anfang genommen.

Doch die wahre Geschichte ist eine andere. Auf Kuba beobachtete Kolumbus 1492, wie die Bewohner gerollte und qualmende „Tobago-Blätter“ im Mund hielten – er brachte die Tabakpflanze und das Rauchen nach Europa. Bis ins 16. Jahrhundert war der Tabak hier eine Zierpflanze, die hin und wieder als Heilpflanze eingesetzt wurde. Man empfahl ihn gegen Husten, Zahnschmerzen, Wassersucht, Geschwulste oder Flechten.

Um 1570 wurde in Lothringen der Anbau wegen dieser „Heilwirkung“ gefördert und ist dann auch in der Pfalz angekommen. 1573 pflanzte Anselm Anselmann, der von 1530 bis 1585 Pfarrer in Hatzenbühl war, Tabak in seinem Pfarrgarten neben der Kirche an.

Der Herzog wollte etwas vom Geld abhaben

Tabak, dessen Anbau am frühesten für die Grafschaft Hanau und die Kurpfalz zu belegen ist und der dort schon im 17. Jahrhundert verbreitet war, wurde zu einem der bevorzugten Objekte kameralistischer Fiskalpolitik. Für Württemberg ist das Aufkommen des Tabakbaus nach 1700 nachgewiesen. Im badischen Unterland war es fürstlicher Wille, der den Bauern 1718 die Anpflanzung von Tabak befahl. Vom nassauischen Lahr aus, einer protestantischen Enklave in katholischer Umgebung, sorgten Kaufleute für die rasche Ausbreitung des Tabaks in der Ortenau. Verbote gegen den Tabakkonsum ließen in katholischen Territorien Tabakbau und -industrie nur langsam aufkommen.

Immer knapp bei Kasse, wollte wohl auch Herzog Eberhard Ludwig etwas von dem Geld abhaben, das sich mit dem neuen Laster verdienen ließ. Das geht aus einer Verordnung hervor, die am 16. September 1710 auch an den Leonberger Untervogt Laurentius Roser ging. Der hatte das Amt 1708 übernommen und führte es bis zu seinem Tode 1735. Danach ging es an seinen Schwiegersohn und Stellvertreter Maximilian Beuttel.

Ein neues Handwerk: Tabak-Spinner

Mit dem Reskript nimmt die herzogliche Kanzlei Bezug auf ein Schreiben vom 12. August 1710. Das haben vielerorts die mit dem Tabakanbau nicht vertrauten Untertanen anscheinend nicht richtig verstanden. Die Bauern hatten offenbar gemeint, dass die Tabakblätter an den Pflanzen auf den Äckern nicht abgebrochen werden dürfen, bevor sie nicht die Erlaubnis der „Fabrique“ haben.

Das war aber nicht die Intention. „Bey einfallendem kalten Wetter und Reif könnten die auf dem Feld stehenden Blätter ganz und gar ruiniert werden.“ Mit dem Verbot des „Abhängens“ sei gemeint, dass die bereits auf Schnüren aufgefädelten und zum Trocknen aufgehängten Tabakblätter nicht abgehängt werden dürfen, wenn es nicht von den Zuständigen verordnet wurde. Das dürfe nur mit dem „Tabac“ geschehen, der zum „Herunterthun reiff oder trocken, mithin zum Verspinnen tauglich ist“, lässt die Kanzlei die herzoglichen Untertanen wissen. Mit der strikten Regelung wollte man verhindern, dass sich die Bauern an der begehrten Ware gütlich tun.

Der Tabak-Spinner

Gleichzeitig war ein neues Handwerk entstanden, der Tabak-Spinner. Der gab der Ware den Geschmack durch verschiedene Zutaten. Bestandteile von verwendeten Soßen waren unter anderem Sirup, getrocknete Pflaumen, Rosinen, Fenchel, Nelken, Muskat, oder Honig.

Bevor es zur Verbreitung des geschnittenen und gepressten Tabaks kam, war es nämlich üblich, die Tabakblätter mit Hilfe von Spinnrädern zu daumendicken Zöpfen zu verspinnen, die als Stangen oder auch in Brezelform den Weg zum Kunden nahmen. Der schnitt sich dann seine Portion zum Rauchen, Schnupfen oder seinen Priem zum Kauen ab. Rund um Leonberg allerdings gibt es keine weiteren Belege für den Anbau von Tabak.

Heute

Tabakanbau in Deutschland
In der Bundesrepublik werden aktuell auf weniger als 1500 Hektar Tabak angebaut. Das größte Anbaugebiet liegt in Baden-Württemberg (41 Prozent), gefolgt von Rheinland-Pfalz (26 Prozent), Bayern (17 Prozent). Alle anderen Länder haben mit zusammen 16 Prozent Anbauflächenanteil geringe Bedeutung. Die Ortenau ist mit rund 560 Hektar Anbaufläche die größte Tabakanbaufläche in Baden-Württemberg.

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