Wie Experten Falschgeld enttarnen Das schnelle Geld aus dem Drucker

Von red/dpa 

Eigentlich sollten Verbraucher binnen Sekunden eine falsche von einer echten Banknote unterscheiden können. Dennoch gelingt es Kriminellen immer wieder, Falschgeld unters Volk zu bringen.

Immer wieder bringen Kriminelle Falschgeld in Umlauf. Foto: dpa
Immer wieder bringen Kriminelle Falschgeld in Umlauf. Foto: dpa

Frankfurt/Main - Gefälschte Banknoten und Falschmünzen sind in der Regel schnell enttarnt - nicht immer jedoch kommen Ermittler den Urhebern so rasch auf die Spur wie Mitte Juli in Rheinland-Pfalz: Mit 15 000 Euro in bar versuchte eine 20-Jährige in Kaiserslautern ein Auto zu kaufen - und wurde noch in dem Autohaus festgenommen. Denn die Frau legte ausschließlich Falschgeld auf den Tisch.

Allein wegen des Papiers sind solche Kopierfälschungen leicht von echten Scheinen zu unterscheiden. Echte Euro-Banknoten bestehen aus Baumwolle. Auch moderne Sicherheitsmerkmale lassen sich nicht einfach kopieren: Etwa das durchsichtige „Porträtfenster“, das in fast alle Stückelungen der zweiten Euro-Banknoten-Generation integriert ist. Oder die glänzende „Smaragdzahl“ mit dem Nominalwert des Scheins.

Mit etwas Aufmerksamkeit schnell unterscheidbar

Dennoch versuchen sich Kleinkriminelle und professionelle Fälscherbanden auch an der zweiten Generation der Euro-Banknoten. „Die Fälschungen werden im Zeitablauf immer besser, deswegen sollte man sorgfältig hinschauen“, sagt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. So tauchten im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland wieder etwas mehr 20-Euro-Fälschungen auf - der überarbeitete Zwanziger ist bereits seit November 2015 im Umlauf. „Je länger eine Banknotenserie im Umlauf ist, umso stärker gewöhnt man sich an die Banknoten und prüft seltener“, sagt Beermann. „Aber wir werden auch immer besser. Wir erhöhen den Druck auf die Fälscher permanent.“

Mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich falsche Scheine rasch von echten unterscheiden. „Allein die erkennbaren Sicherheitsmerkmale auf den Euro-Scheinen sind mittlerweile sehr ausgefeilt“, sagt Bundesbankdirektor Matthias Callen. „Bei der Smaragdzahl zum Beispiel ist uns noch keine Fälschung untergekommen, die das Merkmal auch nur annähernd nachahmt. Und technisch haben wir noch eine ganze Menge in der Hinterhand, um Banknoten noch fälschungssicherer zu machen.“

Im ersten Halbjahr 2019 zogen Polizei, Handel und Banken in Europa nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) rund 251 000 Euro-Blüten aus dem Verkehr. Das waren 16,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 4,2 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2018. Rechnerischer Schaden: 13,5 Millionen Euro. In Deutschland tauchten knapp 27 600 Falschnoten auf und damit 11,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist, aber 2,5 Prozent mehr als in der zweiten Jahreshälfte 2018.

Südosteuropa-Vorurteil bestätigt sich immer wieder

Das Vorurteil, wonach Geldfälscher vor allem in Südeuropa in großem Stil produzieren, bestätigt sich immer wieder. Im März dieses Jahres beispielsweise hoben Einsatzkräfte eine Fälscherwerkstatt auf der Kanareninsel Teneriffa aus. Vier verdächtige Italiener wurden festgenommen. Sie sollen im Süden der Insel 10- und 20-Euro-Banknoten von „sehr guter Qualität“ hergestellt und in mehreren Ländern Europas in Umlauf gebracht haben. Monatlicher Gewinn: etwa 7500 Euro. Die Ermittler sprachen von der „aktivsten Falschgelddruckerei Spaniens“. Ebenfalls in diesem März flog eine Druckerei in der Nähe von Neapel auf, in der 50-Euro-Blüten in Serie hergestellt wurden.

In Berlin bekam ein 50-Jähriger in diesem Juli Ärger mit der Justiz, weil er sich per Post 100 gefälschte 20-Euro-Scheine aus Italien kommen ließ - und dort verpfiffen wurde. Ebenfalls aus Italien bezog ein 39-Jähriger aus Hemer in Nordrhein-Westfalen falsche Zwanziger und Fünfziger im Nennwert von fast 900 000 Euro, wegen der er im März in Dortmund vor Gericht musste. Ein Problem des Italieners: Die Qualität der Blüten aus Neapel ließ teilweise zu wünschen übrig, weshalb die Besteller - unter anderen ein Lebensmittelhändler und ein Gastronom - nicht alle Scheine haben wollten. Der Zwischenhändler sah sich gezwungen, das Falschgeld in einem Weinkeller einzulagern.

Mitunter jedoch sind Betrugsversuche einfach plump

Auch die gefälschten Münzen, die in Deutschland auftauchen, stammen überwiegend aus Italien. Etwas mehr als 19 800 waren es im ersten Halbjahr 2019, zu 87 Prozent Zwei-Euro-Stücke. Benutzt werden sie an Zigaretten- oder Getränkeautomaten. Viele solcher Geräte erkennen falsche Münzen mit Hilfe einer Magnetprüfung, aber längst nicht alle. Echte 1- und 2-Euro-Münzen sind nur leicht magnetisch, während Falschmünzen aufgrund des verwendeten Materials entweder gar nicht oder aber sehr stark von einem Magneten angezogen werden.

Mitunter jedoch sind Betrugsversuche einfach plump - wie bei dem Autokauf in der Pfalz oder in folgendem Fall: Der Geschäftsführer einer Immobiliengesellschaft legte dem Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz schwarzverfärbtes Material vor und gab an, es handele sich um beschädigte Banknoten im Gesamtwert von 120 000 Euro. Die Scheine seien ihm aus der Innentasche seines Jacketts in einen Eimer mit einer dunkelgrauen, trüben Flüssigkeit gefallen. Im Laufe einiger Tage hätten sie sich dann verfärbt.

Bei der Begutachtung stellten die Fachleute der Notenbank fest: Es handelt sich bei dem schwarzen Brei keineswegs um Geldscheine. Der Geschäftsführer wurde angezeigt und ist mittlerweile zu einer Freiheits- und Geldstrafe wegen Betrugs verurteilt. Bundesbank-Vorstand Beermann warnt mögliche Nachahmer: „So defekt können Banknoten gar nicht sein, als dass wir nicht erkennen würden, ob es sich um echte Banknoten oder Fälschungen handelt.“