Wie sprechen Kinder, deren Familien wenig haben, über ihr Leben? Was beschäftigt sie? Wie sieht ihr Alltag aus? Was hilft ihnen? Die folgenden Zitate stammen aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) München. Forscherinnen sprachen mit Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 21 Jahren darüber, wie sie den Mangel erleben, wie sie darüber denken – und von wem und wie sie Hilfe erfahren:
Über das Leben mit wenig Geld
„Diese Ferien sind auch Freunde von mir im Urlaub, und ich bin halt hier. Aber ich denk mir, vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm (…) es ist auch gut, hier zu sein.“
„Geld ist auf jeden Fall ein Thema, weil das halt der Schlüssel zu vielen Möglichkeiten ist, also wie Urlaub oder so zum Beispiel; wenn man nicht genügend Geld hat, dann ist man schon sehr eingeschränkt in seinen Möglichkeiten.“
„Man fühlt sich auch scheiße zu sagen: Ja, ich hab Geldprobleme.“
„Ich spare nicht für später, weil ich finde, jetzt lohnt es sich noch nicht, es ist noch sehr viel Schule vor einem. Erst wenn man so 15 bis 20 Euro Taschengeld kriegt.“
„Wenn man zum Beispiel Sohn eines Arztes ist, ich glaub nicht, dass der irgendwie Geldprobleme hat. Und wenn man jetzt ein Sohn von einer Putzkraft in einem Hotel ist, da wird’s ein bisschen schwierig.“
„Zum Beispiel mein Lieblingsessen, das ist so eine Pizzatasche, so ein kleines dreieckiges Ding mit so Chili-Dings gefüllt, das hat mal einen Euro gekostet, jetzt kostet das 1,20. Alles wird einfach teurer. Das geht nicht! […] Irgendwann können wir uns nur noch Brot kaufen. Wobei, ob das überhaupt noch für das reicht.“
„Ich glaub, mehreren Leuten geht’s so, dass das Geld einfach nicht ausreicht (…) Die Preise sind zu hoch, und das kostet alles zu viel!“
„Meine Mutter muss auch lange arbeiten, (…) deswegen bin ich auch 17 Uhr erst da; und wenn wir halt mehr Geld hätten, müsste die auch nicht so lange arbeiten.“
„Wir haben jetzt den 21., wir haben jetzt schon (…) nicht wirklich noch Geld. Wir müssen gucken, wie wir dann die letzte Woche überleben.“
„Manchmal muss man ja neue Möbel kaufen, und dann gehen manche Sachen nicht (…) Meine Eltern und ich sind früher sehr viel wo hingegangen, aber jetzt geht’s halt natürlich nicht (…) also manchmal reicht das Geld nicht.“
„Mama hat dann den kompletten Kühlschrank immer voll, wenn sie einkauft, aber für Ausflüge reicht das immer nicht so.“
„Letzens hat eine Firma fast 3000 Euro abgezockt zum Reparieren; hat Mama das ganze Geld auf der Kreditkarte alle gemacht und da hatten wir ein schlechtes Weihnachten, weil die Heizung ja kaputt war und wir es nicht so warm hatten.“
„Einfach mal einen entspannten Ausflug machen (…) aber ist halt nicht möglich (…), weil wir einfach zu wenig Geld haben (…) Ich würde tatsächlich gerne mal so mit meiner Mam und Freunden oder so in den Trampolinpark.“
„Ich würde tatsächlich auf entweder (…) eine neue Konsole (…) oder ich würde einfach für einen Ausflug sparen (…) oder Kino, aber das ist halt..., die Preise sind auch echt teuer!“
„Wir haben im Winter zum Beispiel fast kein Weihnachten gehabt. Weil wir kein Geld hatten. Oma hat uns dann geholfen.“
„Die ganzen gesunden Sachen sind viel teurer geworden auf jeden Fall.“
„Die Preise sind so hoch, dass man sich gefühlt nichts mehr leisten kann. Und ich merke das selber (…) ich esse halt viel grad in der Pubertät (…) wir kommen halt (…) also nicht lange rum (…) bis zum 16., bis das Kindergeld kommt planen wir halt, pro Woche einmal einzukaufen, ein Großeinkauf, und das wird halt echt knapp (…) das Essen geht so schnell weg.“
„Ich wollte einen Döner holen letztens, der kostet 6,50 Euro! Da denk ich mir, das ist zu teuer!“
„Wie soll man Geld sparen, wenn man schon in Schwierigkeit ist. Also wie soll denn das funktionieren?“
„Diesen Monat wird’s schwer, also diesen Monat haben wir für den jüngeren Bruder seinen Ranzen bestellt, und das war schon teuer (…) Mama redet schon, dass wir jetzt nicht so viel Geld haben, jetzt müssen wir wieder sparsam bleiben.“
Über da, was hilft und wichtig ist
„Man braucht seine eigene Familie, bin ich ehrlich, ein ruhiges Leben, dass man nicht so viel Stress hat.“
„Familie, dass du zu Hause bist, also dass du ein Zuhause hast!“
„Also ich möchte halt mein eigenes Zimmer, (…) man soll halt seine Privatsphäre haben, weil man wird ja halt immer älter.“
„Wir wohnen zu zweit in einem Zimmer (…) Jeder hat sein eigenes Bett, sein eigenes Lego, seine eigenen Schränke, und wir teilen uns einen Schreibtisch.“
„Also man kann sich hier unter sich, unter seinen Freunden aufhalten. Aber sobald das Jugendhaus halt schließt, ist man wieder draußen.“
„Meine Mutter hat bei Hilfsorganisationen angefragt, und die waren wirklich total nett und hatten dann unseren Einkauf bezahlt.“
„Das finde ich auch schön, dass auch Familien, die nicht so viel Geld haben, auf die Schule gehen können.“
„Nicht immer gleich Neues holen. Wie Wurst. Erst mal warten, bis alles so fast alle ist (…) Wenn wir Reste haben, dann zaubern wir gern mal was (…) Ich mache mir ja auch manchmal, wenn Mama nicht da ist, alleine Bratnudeln. Wir haben ja ganz viele Nudeln noch (…) ein großes Päckchen voller Nudeln.“
„Deswegen versuche ich immer zu schauen, die Leute, die unter mir sind, wie fühlen die sich? Nicht die Leute, die noch reicher sind oder sich noch wohler fühlen.“
„Manchmal wird’s vielleicht ein bisschen knapp, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden (…) man muss immer dankbar bleiben für das, was man hat (…) ich kann auch mit normalen Sachen gut leben. Ich brauche nicht unbedingt die teuersten Sachen.“
„Die Kinder sollten nicht immer so viel von den Eltern erwarten, sondern, wenn sie was wollen, auch selber ein bisschen dazu beitragen.“
„Ich wollte Taschengeld bekommen und habe draußen ein Plakat aufgehängt, und da habe ich geschrieben, dass, wenn ein Auto dreckig ist, dann können die vorbeikommen. Und dann hab ich für fünf Euro geputzt.“
„Ohne die Schule wäre mein Leben, also auch mein Berufsleben und danach halt alles doch deutlich schwerer.“
„Ich werde versuchen, arbeiten zu gehen und auch gut Geld zu verdienen, sodass ich meine Kinder ernähren kann. Aber auch, dass sie nicht dasselbe erleben wie ich. Gewalt, wenig Geld.“
Die Interviews
Das Projekt
2023 interviewten Forscherinnen des Deutschen Jugendinstituts München (DJI) im Rahmen eines Projekts zur Einführung einer Kindergrundsicherung junge Menschen zwischen 9 und 21 Jahren. Sie wollten wissen, wie Kinder und Jugendliche Mangel erleben und was ihnen hilft. Ergebnis war unter anderem, dass der Zugang zu den staatlichen Hilfen für Familien erleichtert werden muss, sie einen Ansprechpartner brauchen. Außerdem helfen Kindern Angebote wie die offene Jugendarbeit. Dort finden sie Bindungen und Aktivitäten, die sie daheim teils nicht bekommen. Der gesamte Abschlussbericht findet sich auf www.dji.de/kgs