Wie liebt Stuttgart? Liebe hat es schwer im Kessel

Überall Herzchen, doch von wahrer Liebe keine Spur... Singles haben es in Stuttgart schwer - sagt zumindest der Experte Thiel. Foto: Tanja Simoncev
Überall Herzchen, doch von wahrer Liebe keine Spur... Singles haben es in Stuttgart schwer - sagt zumindest der Experte Thiel. Foto: Tanja Simoncev

Immer mehr junge Städter leben heute alleine. Wenn es um die Liebe geht, haben wir so viele Freiheiten wie nie zuvor: Zu viel Auswahl, zu viele Möglichkeiten und ja nichts verpassen? In unserer Serie "Wie liebt Stuttgart" begeben wir uns auf Liebesspurensuche. Diesmal wagen wir das Unmögliche und suchen „eine(n) für immer und ewig“.

Leben: Nina Ayerle (nay)
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Stuttgart - Jeder träumt davon. Jeder wünscht es sich insgeheim: Eine(n) Partner(in) für immer und ewig. Manch einer findet sich ab mit einem Kompromiss- oder Übergangspartner – früher nannte man das „Lebensabschnittspartner“ und manche sitzen zu Hause und warten, bis er kommt, der Märchenprinz oder das weibliche Pendant. Gelegentlich rafft man sich dann auf, meistens auf Zwang von irgendwelchen überglücklichen Nicht-Singles, die einem einreden, man müsse einfach nur mal „wieder richtig einen draufmachen“. Dreimal in einen Club gehen, dann wird das schon. Da findet jeder was. Genau: „was“. Der Langzeit-Single ist aber wählerisch, er will nicht einfach irgendwas, er will genau eine(n).

Den zu finden, ist eigentlich aber tatsächlich ganz leicht, wie eine Veranstaltung am Stuttgarter Hospitalhof mit dem vielversprechenden Titel „Suche eine(n) für immer und ewig – Wie Sie den Partner/die Partnerin finden, der/die wirklich zu ihnen passt und mit dem/der man zusammenbleibt“. Man muss nur ein „paar grundlegende Spielregeln“ beachten: Man müsse sein eigenes Leben in den Griff bekommen, mit sich selbst im Reinen sein – auch ohne Partner. Dann kommt der nämlich von allein, verspricht der Seminarleiter und Coach Christian Thiel. Nun ist dieser Tipp ja längst kein Kassenschlager mehr. Unter Singles ist der Pro-Tipp von glücklichen Nicht-Singles „Du musst erst mit dir selbst glücklich sein, dann kommt der Rest von alleine“ längst zum Running-Gag geworden. Wäre jeder Mensch dieser Theorie gefolgt, wäre die Menschheit wohl inzwischen ausgestorben. Nein halt, sie wäre nie entstanden. Auch Adam und Eva waren doch irgendwie vorher nicht so ganz, also so 100-prozentig mit sich zufrieden…

Gute Partie für die Schwiegermutter

Aber wir wollen ja nichts unversucht lassen und fragen deshalb den Singleberater und Autor Christian Thiel direkt. Seit mehreren Jahren hält er in zahlreichen deutschen Städten diesen Workshop ab. In Stuttgart war er schon sehr häufig. Weil es die Liebe in der schwäbischen Landeshauptstadt so schwer hat? Ja, Stuttgart sei ein schwieriges Pflaster, bestätigt Thiel. Aber nicht, wie der gemeine klischeehaft-denkende Nicht-Schwabe nun gleich wieder schadenfroh unterstellen wird, weil die Schwaben so eigenbrötlerisch, so geizig, so spießig sind. Nein, vielmehr steckt laut Thiel da etwas anderes dahinter: In Stuttgart treffe häufig die typische Literatur- und Kulturwissenschaftlerin auf einen Ingenieur oder Naturwissenschaftler. Sie: kunst- und kulturliebend, akademisch gebildet, weltoffen, geistig anspruchsvoll trifft dann auf ihn, den Nerd. Der kann aber immerhin vieles bieten: studiert, meistens auch im Ausland – rumgekommen ist er also auch – danach direkt Top-Stelle mit Top-Gehalt – er ist eine herausragende Partie. Für die Schwiegermutter halt.

Denn zu erzählen habe er nichts außer von seinem Job, seinem Auto, seinem Boot. „Die gemeine Germanistin findet ihn langweilig“, so die Erfahrung Thiels. Die Frau denke dann irgendwann „Oh Gott nur Idioten.“ Ähnlich sei die Situation nur in München, weiß Thiel. Manch einem seiner Klienten habe er deshalb sogar schon zu einem Umzug geraten. Nur wohin? Alles sei möglich, sagt der Singleberater. In Hamburg oder Berlin sei die Situation eine andere. Niemand muss aber nun traurig sein, weil er in Stuttgart lebt. In schlechten Zeiten hilft ja meistens, dass es jemand anderes noch schlechter geht. Denn Ravensburger zum Beispiel. „Ja, Ravensburg“, sagt Thiel bedeutungsschwer. „In Ravensburg da sind Sie ab einem gewissen Alter mit einer gewissen Intelligenz unvermittelbar.“ Vielleicht also doch so ein Ingenieur…?

Wer dennoch erst einmal etwas über sich selbst lernen möchte, der kann noch an dem Workshop „eine(n) für immer und ewig“ am Sonntag, 19. Juni, von zehn bis 16 Uhr teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt unter www.hospitalhof.de

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