Wie viel Kohle fürs Kind Taschengeld – nötig oder überflüssig?
Es ist ein Dauerbrenner zwischen Eltern und Kindern: das Taschengeld. Warum Kinder ihre eigenen Euros zur Verfügung haben sollten.
Es ist ein Dauerbrenner zwischen Eltern und Kindern: das Taschengeld. Warum Kinder ihre eigenen Euros zur Verfügung haben sollten.
Stuttgart - Ein Eis im Freibad, die aktuelle Mädchenzeitschrift oder neue Fußball-Sammelbilder – wenn es um ihr Taschengeld geht, fallen den meisten Kindern ganz unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten ein. Doch Taschengeld ist nicht nur zum Ausgeben da und dafür, dass Kinder sich kleine Wünsche erfüllen können. Durch den Umgang mit eigenem Geld bekommen Kinder auch ein Gefühl für den Wert des Geldes, treffen eigene Entscheidungen und lernen, dass für kostspieligere Wünsche auch mal gespart werden muss.
„Kinder haben zwar keinen Rechtsanspruch auf Taschengeld, aber grundsätzlich ist Taschengeld wichtig, damit Kinder lernen, sich Geld selbst einzuteilen“, sagt Stephan Zierer, Leiter der Dienststelle Kinderförderung und Jugendschutz beim Stuttgarter Jugendamt. Allerdings, so Zierer, sollten Kinder erst dann ihre eigenen Euros bekommen, wenn sie schon ein bisschen rechnen und etwas mit Zahlen anfangen können. Je nach Entwicklungsstand sei das im Alter zwischen fünf und sieben Jahren der Fall. „Da können sich die Kinder zum Beispiel schon überlegen, wie viele Orangen sie für ihr Taschengeld bekommen würden.“
Wie verschiedene Studien zeigen, dürfen die meisten Kinder ihr Taschengeld in Eigenverantwortung ausgeben. Und das ist Stephan Zierer zufolge auch gut so. „Kinder sollten sich von ihrem Geld das kaufen können, was sie möchten – auch wenn die Eltern es für Blödsinn halten“, betont er.
Am liebsten investieren Kinder ihre Euros übrigens in Süßigkeiten und Lesestoff, nicht etwa in Spiele oder Apps. Das ist ein Ergebnis der Kinder-Medien-Studie 2018, bei der sechs Medienhäuser – darunter der Spiegel- und der Zeit-Verlag – den Medienkonsum und das -nutzungsverhalten von rund sieben Millionen Kindern in Deutschland untersucht haben. Laut der Studie geben mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Vier- bis 13-Jährigen ihr Taschengeld am liebsten für Schokolade, Kekse oder Kaugummis aus, etwa die Hälfte der Kinder kauft sich besonders gerne Zeitschriften, Magazine oder Comics. Zur Verfügung haben die Kinder in dieser Altersgruppe durchschnittlich 23 Euro pro Monat.
Wie viel Taschengeld ein Kind bekommen sollte, hängt zunächst vom Alter ab. Das Jugendamt bietet online unter www.taschengeldtabelle.org eine Übersicht mit Richtwerten an, die zeigen, welches Budget für welches Alter angemessen ist. Für Fünfjährige wird ein wöchentliches Taschengeld in Höhe von 50 Cent empfohlen, Achtjährige sollten der Tabelle zufolge mit zwei bis drei Euro pro Woche auskommen und 15-Jährige mit 25 bis 30 Euro pro Monat. „Die Höhe des Taschengeldes sollte aber auch davon abhängen, was ein Kind davon alles bezahlen soll“, sagt Stephan Zierer. „Wenn das Kind zum Beispiel das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr von seinem Taschengeld finanziert, sollte das berücksichtigt werden.“
Außerdem sollten Eltern sich bei anderen Müttern und Vätern nach der Höhe des dort gezahlten Taschengeldes erkundigen. „Oft sagen Kinder, ihre Freunde bekämen viel mehr Taschengeld als sie“, so Zierer. „Ob das wirklich so ist, kann man beispielsweise beim Elternabend klären.“ Ein solches Gespräch biete sich auch im Vorfeld von Klassenfahrten an. So könne abgesprochen werden, wie viel Taschengeld jedes Kind mitbekommt, „damit sich am Ende keiner aufspielt wie ein Millionär“.
Doch ganz gleich, wie viel Taschengeld ein Kind bekommt – ganz wichtig, so Zierer, sei, dass es sich um ein fixes Budget handle, damit Kinder lernen könnten, mit einem festen Geldbetrag auszukommen. Über die Höhe sollten Eltern mit sich diskutieren lassen, sofern es die finanziellen Möglichkeiten zuließen. Wenn die Finanzen eher knapp sind, ist es sinnvoll, zu Hause mit den Sprösslingen offen über das Thema zu sprechen. So lernen Kinder, dass Geld kein unbegrenztes Gut ist und manche Menschen mehr sparen müssen als andere.
Manche Eltern stecken ihrem Kind ein wöchentliches Taschengeld zu, andere Kinder haben einen festen monatlichen Betrag zur Verfügung. Das Jugendamt empfiehlt für Kinder bis zu einem Alter von etwa zehn Jahren ein wöchentliches Taschengeld, erst dann sollten Eltern ein monatliches Budget auszahlen. So lernen die Kinder mit zunehmendem Alter, sich ihr Geld über einen immer längeren Zeitraum hinweg einzuteilen.
Bei Kindern, die schon etwas größer sind und die weiterführende Schule besuchen, können Eltern auch darüber nachdenken, einen Teil des Taschengeldes auf ein eigenes Konto des Kindes zu überweisen. So kann der Nachwuchs beispielsweise Geld ansparen, um sich einen größeren Wunsch zu erfüllen. Ganz nebenbei ist ein eigenes Bankkonto auch eine gute Gelegenheit, um dem Kind zu erklären, was Banken sind und wie sie funktionieren. Und der Nachwuchs lernt zu verstehen, warum auch die Eltern am Bankautomaten nicht einfach beliebig viel Geld holen können.
Wenn sich Kinder nicht so benehmen, wie die Eltern es erwarten, droht bei einigen Familien Taschengeldentzug. Doch einem Kind seine Euros zu streichen, macht Experten zufolge meist wenig Sinn. Denn wenn ein Kind seine Spielsachen nicht aufräumt oder ein anderes Kind geschubst hat, hat das Taschengeld mit diesem Fehlverhalten nichts zu tun. Eine logische Konsequenz ist der Taschengeldentzug also nicht. Hat der Sprössling hingegen beim Ballspielen in der Wohnung eine teure Vase kaputt gemacht, dann kann sich das Kind eventuell mit einem Teil seines Taschengeldes an den Kosten beteiligen.
Generell aber, meint Stephan Zierer, sollte das Taschengeld nicht vom Verhalten des Kindes abhängig gemacht werden. „Eltern sollten das Taschengeld weder als Strafe streichen noch als Belohnung erhöhen – etwa für gute Schulnoten“, so Zierer. „Das Taschengeld sollte verlässlich sein. Denn den Umgang mit Geld kann das Kind nur dann richtig lernen, wenn es jede Woche oder jeden Monat mit einer verlässlichen Summe planen kann.“