Stefan Raabs „TV Total“ war einst böse und subversiv. Schafft das auch die Neuauflage mit Sebastian Pufpaff?

Stuttgart - Im Rückblick leuchtet das Vergangene oft viel hübscher als die Gegenwart. Darum erleben gerade eingemottete Schätze der Musik- und Fernsehunterhaltung eine Renaissance. Nach Thomas Gottschalks „Wetten, dass..?“ beim ZDF hat nun Stefan Raabs 2015 abgesetzte Late-Night-Show „TV Total“ Primetime-Auferstehung bei Pro 7 gefeiert – aber nicht mit Raab, sondern mit dem Grimme-Preisträger Sebastian Pufpaff als Showmaster. Das legendäre Nippelboard von Raab liefert nun Pufpaff auf Knopfdruck lustige Töne und aus dem Zusammenhang gerissene Videomomente.

Am Konzept der erstmals 1999 ausgestrahlten Sendung hat sich auch sonst wenig geändert. Der einst von Wokeness-Trends noch völlig unbehelligte und politisch sehr unkorrekte Spaßmacher Stefan Raab produziert die Show. Im Studio stehen neben den alten Ledersesseln und dem fahrbaren Moderationspult wieder die Heavytones bereit. Der aufgekratzte Retro-Funk-Sound der Band sorgt für wohlige Vertrautheit.

Helene Fischer wird gedisst

Die ersten Witze über den Auftritt der Abba-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus bei Thomas Gottschalk („Alter Schwede! - Nee, zwei alte Schweden!“) zünden jedoch nicht. So wenig wie die lauen Scherze über Gottschalks Co-Moderatorin Michelle Hunziker, die Pufpaff mit einer Rettungswagensirene vergleicht, bevor er im Nachgang gleich noch die Schlagersängerin Helene Fischer disst, die angeblich „auch nicht besser klingt!“

Von Stefan Raabs fiesem Gaga-Humor der frühen „TV Total“-Zeit ist Pufpaff da meilenweit entfernt, vom Lied „Maschen-Draht-Zaun“ über einen bei der TV-Richterin Barbara Salesch ausgetragenen Nachbarschaftsstreit etwa oder vom per Nippelboard eingespielten Pulleralarm. Den gab es immer, wenn Raab in irgendeiner Sendung ein entblößtes männliches Geschlechtsteil entdeckt hatte.

Laschet schmollt, Pufpaff verrutscht

Pufpaff hat stattdessen einen kurzen Interviewschnipsel von Armin Laschet ins Nippel-Board programmiert; „Is’ so!“, schmollt der gescheiterte Kanzlerkandidat auf Knopfdruck. Und Markus Söder gibt in einem Einspieler zum besten, die 2G-Regel gelte auch für Jugendliche ab 12 Jahren, wenn sie einen Club besuchen wollten.

Besonderes Augenmerk legt Pufpaff noch auf die ersten Aktivitäten des neuen Senders Bild TV und auf die Affäre um den inzwischen gefeuerten Chefredakteur Julian Reichelt. Ein Clip, in dem Reichelts Vize Paul Ronzheimer mit triefender Betroffenheit seinem Vorgesetzten dankt, entfaltet im Kontext der Satiresendung dann doch eine gewisse Wucht. Pufpaffs Witze über Florian Silbereisens ARD-Show „Schlagerboom“ verrutschen dagegen unangenehm. Da unterlegt der Comedian Silbereisens Publikumsbegrüßung „Wollt ihr den Schlager wieder so feiern, wie er nur beim Schlagerboom gefeiert wird?“ mit Bildern von Joseph Goebbels’ Sportpalastrede vom Februar 1943. Die Trennung von müden Kalauern und echtem Tabubruch hat Pufpaff in seiner ersten Ausgabe von „TV Total“ noch nicht gefunden, eigene Akzente fehlen. Früher war halt doch manches besser.