Wiederaufbau der Kathedrale Afrikas Eichen für Notre-Dame?

Von Johannes Dieterich 

Eine Firma aus Ghana bietet Baumstämme für die Restaurierung des Dachstuhls der Kathedrale an, denn so lange Eichen gibt es in Frankreich kaum noch.

Der Dachstuhl der Kathedrale wurde durch den Brand fast völlig zerstört. Foto: AFP/Stephane de Sakutin
Der Dachstuhl der Kathedrale wurde durch den Brand fast völlig zerstört. Foto: AFP/Stephane de Sakutin

Accra - Die Kathedrale von Notre-Dame in Paris kann für ihre Wiederherstellung auf Unterstützung aus Afrika hoffen. Weil in Frankreich nicht mehr genügend alte Eichen zu finden sind, deren Holz zur Restauration des im April verbrannten Dachstuhls herangezogen werden könnte, hat ein Unternehmen im westafrikanischen Ghana jetzt seine Hilfe angeboten. Die Firma Kete Krachi Timber Recovery verfügt über eine Lizenz zur Nutzung der Bäume, die nach dem Bau des Akosombo Damms vor 54 Jahren vom Volta-See überflutet wurden: Ihre im Wasser konservierten Stämme befinden sich bereits im Prozess der Versteinerung und sind härter als jedes andere Holz der Welt.

Das Unternehmen könne genug Baumaterial zur Wiederherstellung des Dachstuhls der alten Dame einschließlich ihres ebenfalls verbrannten Dachreiters zur Verfügung stellen, sagte Firmenchef Kete Krachi der BBC: Mit einer Dichte von bis zu 900 kg pro Kubikmeter entsprächen die Unterwasserbäume den beim Bau der Pariser Kathedrale benutzten Moor-Eichen.

Die Fachwelt reagiert begeistert. „Eine geniale Lösung“, kommentiert Andrew Waugh, Direktor eines Londoner Architekturbüros für nachhaltiges Bauen. Die beim Aufstauen des Volta-Sees überschwemmten Iroko-Bäume verfügten über „unglaublich stabiles und dauerhaftes Holz“.

Die Experten sind begeistert, die Umweltschützer kritisch

Beim 1163 begonnenen und fast 200 Jahre andauernden Bau der Kathedrale waren vor allem für den Dachstuhl der Kirche mehr als 1300 Bäume, in der Mehrheit besonders harte Moor-Eichen, gefällt worden: Heute wären in ganz Frankreich nicht mehr so viele ausgewachsene Eichenbäume zu finden – abgesehen davon, dass sie nicht gefällt werden dürften. Allerdings rief auch das Hilfsangebot der ghanaischen Firma, die sich davon einen Umsatz von 50 Millionen US-Dollar – umgerechnet rund 45,5 Millionen Euro – erhofft, bereits Umweltschützer auf den Plan. Einem Bericht im US-Magazin „Environmental Health Perspectives“ zufolge werde das Herausziehen der abgestorbenen Bäume Ablagerungen aufwirbeln, die zur Eintrübung des Lichteinfalls und zu vermindertem Wachstum der Wasserpflanzen führten. Außerdem dienten die Stämme Fischen als Brutstätten, fügt die ghanaische Nichtregierungsorganisation Friends of the Nation hinzu: Ihre Entfernung könne den Fischreichtum drastisch vermindern. Der Volta-See dient rund 300 000 Fischerfamilien als Lebensgrundlage.

Bevor sich Ökologen, Restaurateure und geschäftstüchtige Unternehmen zu sehr in die Haare geraten, sollten sie sich allerdings ans französische Kulturministerium wenden. Dort steht noch nicht einmal fest, ob der Dachstuhl der alten Dame tatsächlich mit Eichenholz und nicht mit einem anderen Material wiederhergestellt wird. „Zurzeit kümmern wir uns noch um die statische Sicherung des Monuments“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Sender BBC: „Erst dann werden wir entscheiden, wie das Dach restauriert wird.“