Wiederwahl von Blatter Eine Schande für den Fußball

Sepp Blatter hat es wieder geschafft: Er bleibt Fifa-Präsident. Foto: AP
Sepp Blatter hat es wieder geschafft: Er bleibt Fifa-Präsident. Foto: AP

Sepp Blatter ist als Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa wiedergewählt worden. Trotz des jüngsten Korruptions-Skandals. Die Funktionäre haben versagt, urteilt der StZ-Sportredakteur Tobias Schall. Einen Neuanfang wird es so nicht geben.

Sport: Tobias Schall (tos)
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Zürich - Der Softdrinkgigant Coca-Cola hat vor vielen Jahren damit geworben, dass seine Plastikflaschen „unkaputtbar“ seien. Sollte der Fifa-Sponsor die Werbung irgendwann neu auflegen, könnte er mit dem Konterfei des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter werben. Der Schweizer ist am Freitag für eine fünfte Amtszeit gewählt worden – inmitten des größten Skandals der Geschichte des Fußball-Weltverbands.

Sepp Blatter scheint „unkaputtbar“.

Anderswo mag es selbstverständlich sein, dass der, der die politische Verantwortung für einen solchen Sumpf trägt, abtritt. Bei der Fifa heißt es: Sepp Blatter for President. Es klingt wie ein schlechter Witz. Doch was von außen gesehen völlig surreal anmutet, ist aus der Binnensicht der Fifa geradezu logisch: Der lauthals propagierte Neuanfang startet mit dem, der politisch für den Skandal verantwortlich ist. Etliche Fifa-Funktionäre wollten schlicht nichts ändern. Andere in dieser Parallelwelt leben in der wirren Annahme, dass nur einer wie Blatter, der das Konstrukt kennt, auch in der Lage ist, es zu reformieren. Warum aber sollte das ausgerechnet jetzt passieren?

Ein Versagen der Funktionäre auf ganzer Linie

Sepp Blatter war und ist der Systemadministrator. Daran ändert auch sein ewiges Gerede von Veränderungen nichts. Im Vergleich zur Reformgeschwindigkeit der Fifa vollzieht sich die Verschiebung der Kontinentalplatten im ICE-Tempo.

Dieser Freitag in Zürich steht für ein Versagen der Funktionäre auf ganzer Linie. Es gab die Chance, der Welt zu zeigen, dass es anders geht. Mit aller Verve hätte auf einen Rückzug Blatters und auf eine Verschiebung der Wahl gedrungen werden müssen. Allen voran der europäische Fußballverband Uefa. Er hat sich zwar an die Spitze der Kritiker gesetzt, ist aber schon daran gescheitert, die eigenen Verbände komplett hinter sich zu versammeln. Auch in Europa gibt es genügend Blatter-Freunde, etwa das einflussreiche Russland. Der Uefa-Präsident Michel Platini hat große Töne gespuckt, doch dann kreißte der Berg und gebar eine Maus. Nämlich einen Gegenkandidaten, der von vornherein chancenlos war und trotz des Korruptionsskandals nicht die Kraft hatte, den Patron zu stürzen. Ja, Sepp Blatter hat einen deftigen Denkzettel bekommen. Aber er wird darüber hinwegkommen. Symbolpolitik kann ihm nichts anhaben.

Die Hoffnung ruht nun auf anderen

Das Versagen trifft auch den Deutschen Fußball-Bund. Der DFB ist mit fast sieben Millionen Mitgliedern der größte Fachverband der Welt, ein sportpolitischer Riese. In Zürich war er nur ein Zwerg. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagt, dass sich die Fifa nur reformieren lasse, wenn man seinen Einfluss in den Gremien ausübe. Zum Beispiel in der mächtigen Exekutive, in die Niersbach am Freitag in Zürich einzog.

Aber die Fifa hat in den vergangenen Jahrzehnten genau das Gegenteil bewiesen: dass sie nämlich nicht imstande ist, aus sich heraus einen Reinigungsprozess anzustoßen. Es ist ja nicht so, dass am Mittwoch erstmals ein Skandal publik geworden ist. Korruptionsvorwürfe sind seit ewigen Zeiten das Hintergrundrauschen der Fifa, ohne dass sich die Unternehmenskultur gewandelt hätte. Europas Verbände müssten ihren großen Worten jetzt Taten folgen lassen und zu drastischen Maßnahmen greifen, wollen sie glaubwürdig sein. Doch eine Abspaltung oder ein WM-Boykott scheint kein wirklich realistisches Szenario zu sein.

Die Hoffnung ruht auf anderen: So werden hoffentlich die Staatsanwaltschaften in der Schweiz, in den USA und Großbritannien den Druck hoch halten. Eine weitere Schlüsselrolle haben Sponsoren wie Coca-Cola: Entziehen sie dem Weltverband den Treibstoff für das schmierige System, schmerzt das mehr als alles andere – und je größer der Schmerz, desto größer ist die Chance, dass sich etwas ändert. Einen Neuanfang kann es in der Fifa erst geben, wenn das System Blatter untergegangen ist. Allein, der Glaube daran fehlt.




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