Wilde Müllentsorgung im Kreis Göppingen Rathäuser sehen Landkreis in der Pflicht

Wilder Müll, wie hier in Rechberghausen, ist vielerorts ein Dauer-Ärgernis. Foto:  

Seit der Landkreis Göppingen das Müllkonzept umgestellt hat, kämpfen Göppingen und Geislingen mit hohem Entsorgungsaufwand. Landkreis und Kommunen bewerten die Situation offenbar unterschiedlich.

Er ist ein konstantes und weit verbreitetes Ärgernis: wilder Müll, der auf Gehwegen, an Straßenecken und in Durchgängen und Gassen liegt. Doch auch bei Glascontainern wird Abfall einfach abgeladen. Vielen Anwohnerinnen und Passanten stößt die illegale Entsorgung sauer auf.

 

Wilder Müll ist tatsächlich ein Thema – nicht nur im Göppinger Stadtgebiet, vereinzelt auch im Wald, bestätigt Moritz Eckart, der persönliche Referent des Oberbürgermeisters Alex Maier. „Mit der Umstellung des Müllkonzepts des Landkreises Anfang letzten Jahres haben wir in Göppingen zeitweise doppelt so viel Entsorgungsaufwand von wildem Müll.“ Es lasse sich allerdings kein einzelner „Hotspot“ ausmachen.

Im gesamten Stadtgebiet gebe es 40 Container-Standorte – mit 121 Glas-, 45 Dosen- sowie 37 Altkleidercontainern. Bislang gebe es nur an einem Standort, dem am Barbarossasee/Blumenstraße, einen Unterflurcontainer. „Dieser wird regelmäßig kontrolliert, und wir können feststellen, dass sich die dortige Situation bezüglich wilder Müllablagerungen nach dem Umbau auf Unterflurcontainer deutlich verbessert hat“, sagt Eckart.

Und was ist mit dem Abfall, der vielerorts illegal entsorgt wird? Das Landratsamt sieht hier klare Zuständigkeiten: „Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Göppingen ist für die Beseitigung von wildem Müll außerhalb von geschlossenen Ortschaften zuständig“, sagt dessen Leiter Julian Kuhn. Grundsätzlich sei „das Vorkommen von wildem Müll über die vergangenen Jahre in diesem Bereich mit gewissen Schwankungen stabil“, betont er.

Kommunen widersprechen der Sicht des Kreises

In den Städten und Gemeinden bietet sich aber offenbar ein anderes Bild. So heißt es vonseiten des Geislinger Ordnungsamtes und des Bauhofs: „Wir stellen vermehrt fest, dass immer wieder an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet wilder Müll entsorgt wird. Des Weiteren kämpft der städtische Bauhof im gesamten Stadtgebiet sowie an den Wanderparkplätzen und Naherholungseinrichtungen mit dem steigenden wilden Müllaufkommen“, widersprechen die Geislinger der Darstellung Kuhns. Das Problem existiere im gesamten Landkreis – anderen Städten und Gemeinden ergehe es nicht besser.

Ein Betroffener ist Mathias Bidlingmaier, der für die FDP/FW-Fraktion im Göppinger Gemeinderat sitzt. Als Inhaber eines Cafés in der Innenstadt kämpft er tagtäglich gegen unansehnlichen Müll direkt vor seiner Ladentür. „Es ist chaotisch und unerträglich“, sagt er. Bidlingmaier sieht die Schuld nicht bei der Stadt Göppingen, auch der Gemeindevollzugsdienst tue alles. „Die Ursache liegt beim Landkreis und seinem verkehrten Müllkonzept“, sagt auch er und fordert: „Man muss hier einen stärkeren Druck auf den Landkreis ausüben.“ Die Kreisbehörde müsse Verantwortung übernehmen und den wilden Abfall einsammeln. Zudem sollte man prädestinierte Orte für Müllsünder besser überwachen und „sich nicht hinter dem Datenschutz verstecken“.

Abfallwirtschaftsbetrieb verteidigt das System

Ziel müsse sein, die Leute zu erwischen und dann hart zu bestrafen, meint Bidlingmaier.

Dass beim wilden Müll bestimmte Abfallsorten einen Schwerpunkt bilden, hat der AWB nicht festgestellt. Aber es gebe durchaus Fälle, bei denen es sich hauptsächlich um Sperr- oder Hausmüll handele. Auch dass Materialien wie etwa Altpapier, Altmetall oder Elektrogeräte, die kostenlos entsorgt werden können, einfach irgendwo abgeladen werden, komme vor. „Ein Zusammenhang mit den Entsorgungsgebühren lässt sich daher nur schwer herstellen“, betont man beim AWB. Dass das Müllsystem – ohne grüne Tonne, dafür aber etwa mit den Biobeuteln – gescheitert ist, sieht der AWB nicht, im Gegenteil: „Die gesammelte Menge Bioabfall hat sich in den letzten Jahren um ein Vielfaches auf nun 43 Kilogramm je Einwohner gesteigert, während der gesammelte Restmüll immer weiter sinkt.“

Könnte Letzteres auch daran liegen, dass mehr Müll illegal entsorgt wird? Der AWB widerspricht: Die sinkenden Restmüllmengen seien in erster Linie auf eine konsequente Trennung zurückzuführen. Im Geislinger Rathaus wird die Frage etwas anders beantwortet: „Der Landkreis rühmt sich mit der Reduktion der Müllmengen. Diese landen dann aber für jeden ersichtlich auf unseren Straßen oder in den Wäldern und müssen von unserem Bauhof auf Kosten der Stadt und damit letztlich auf Kosten der Steuerzahler abgeholt sowie entsorgt werden.“

Müllgebührenkonzept seit Januar 2022

Abfuhr
Seit dem Januar 2022 hat der Kreis Göppingen ein neues Müllgebührenkonzept. Seitdem gibt es kleinere Restmülltonnen, die mit einem Chip versehen sind, der gewährleistet, dass Bürgerinnen und Bürger nur für die tatsächlich in Anspruch genommenen Abfuhren bezahlen. Wer mehr Müll trennt, Wertstoffe aussortiert und deshalb weniger häufig die Tonne rausstellt, kann sparen.

Ziel
Die Neuerung sollte dazu führen, die Menge des Hausmülls zu reduzieren. Denn bis dahin war der Kreis in Baden-Württemberg unrühmlicher Spitzenreiter bei der Restmüllmenge. Kritiker sagen nun, dass die mengenabhängige Gebühr zu mehr wilder Müllentsorgung geführt haben könnte.

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