Wilder Müll im Kreis Böblingen Illegaler Abfall wächst auf 666 Tonnen

Besonders heftiger Fall Foto: Archiv//Werner Kuhnle

Berge von wildem Müll sind im Kreis Böblingen ein wachsendes Problem: Die registrierten Mengen steigen das sechste Jahr in Folge an. Vor allem auf Häckselplätzen wurde heimlich Unrat entsorgt.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Sperrmüll, Bauschutt oder Restmüll: Die Menge an wildem Müll im Kreis Böblingen wächst und wächst. Jetzt zog der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) Bilanz, der nicht nur die Zahlen für den legal entsorgten Müll protokolliert, sondern auch den verbotenerweise weggeworfenen Unrat. Im vergangenen Jahr wuchs der Müllberg im Kreis auf 666 Tonnen an. Das entspricht einer erneuten Steigerung, 2020 lag die Menge bei 632 Tonnen. Gerade seit 2019 stiegen die erfassten Mengen sprunghaft an, nachdem sie in den Jahren seit 2009 relativ konstant bei um die 400 Tonnen lagen.

 

Ein neues Phänomen sind verbotene Müllablagerungen auf Häckselplätzen im Kreis. Deshalb wurden sie 2021 noch einmal gesondert ausgewiesen: 32 Tonnen musste der AWB abtransportieren. Drastische Fälle gab es beispielsweise in Holzgerlingen im Juni, als bei Breitenstein Plastik, Bauschutt und sogar eine ganze Kücheneinrichtung illegal entsorgt wurde. In Gärtringen lagerten Unbekannte Bahnschwellen ab. Hinter den Entsorgungen stecke zum Teil eine „nicht unerhebliche kriminelle Energie“, sagt AWB-Werkleiter Wolfgang Hörmann. Aufhorchen lässt die Zahl illegal weggeworfener Altreifen: 771 davon zählte der AWB, was umgerechnet 15 Tonnen entspricht.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Der Häckselplatz wird zur Müllkippe

Müllarten wie diese stellen laut Hörmann ein besonderes Problem für den AWB dar, da sie nicht einfach im Restmüllheizkraftwerk verheizt werden können, sondern fachgerecht über die Wertstoffhöfe entsorgt werden müssen. Dazu gehören auch Elektrogeräte, vor allem aber die wachsende Menge an illegal abgeladenem Bauschutt, die im vergangenen Jahr angefallen ist. Hier vermutet der AWB aufgrund der Mengen sogar einen gewerblichen Hintergrund.

All das verursacht Kosten, vor allem für Personal und Fahrzeuge: Auf 542 000 Euro beziffert Hörmann die Summe, die dem Landkreis dadurch entsteht. Da der wilde Müll seit 2019 dramatisch anstieg, setzt der Kreis zur Gegenoffensive an.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Polizei fahndet nach Altpapier-Sünder

In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Städten und Gemeinden wurde die Idee zu einer Werbekampagne geboren. Eine Agentur hat Motive für Plakate, Banner, Aufkleber und die digitale Welt entwickelt, die die Bevölkerung für das Problem sensibilisieren sollen. Aus diesen Werbemitteln können sich die beteiligten Kommunen nach dem Baukasten-Prinzip bedienen und sie für ihre Zwecke einsetzen. Hörmann hofft, „dass es gelingt, mit den Maßnahmen der Kampagne, insbesondere unter Einbeziehung der Social-Media-Kanäle, einen möglichst großen Personenkreis zu erreichen und zu sensibilisieren.“ Der Kampagnenstart ist für den 1. Juni geplant.

Weitere Themen