Mit einer Plakatkampagne will der Abfallwirtschaftsbetrieb im Kreis Böblingen die Menschen für wilden Müll sensibilisieren. Sechs Kommunen machen mit.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)

Etwa einmal in der Woche wird am Wertstoffhof in Deckenpfronn illegal Bauschutt abgeladen. Wenn die Mitarbeiter morgens kommen, finden sie irgendwo auf dem Areal den Abfall abgekippt. Doch das ist nicht das einzige Ärgernis für die Mitarbeiter und den Bürgermeister Daniel Gött. „Vor Kurzem stand eine Waschmaschine irgendwo im Wald.“ Letzteres kann Gött nun gar nicht nachvollziehen. „Die Waschmaschine kann bei uns jederzeit zu den Öffnungszeiten auf dem Wertstoffhof abgegeben werden – und das kostet noch nicht einmal etwas.“

Auch wer Bauschutt offiziell entsorgt, müsse dafür nicht besonders tief in die Tasche greifen. „Die Preise sind sehr moderat.“ Trotzdem nehme das Problem mit dem illegal entsorgten Müll zu. „Da wird mal eine Tüte mit vollen Windeln aufs Feld geworfen.“ Auch so etwas gebe es immer wieder.

Und nicht nur in Deckenpfronn. „Illegaler Müll wird zunehmend zum Problem im gesamten Landkreis“, sagt Martin Wuttke, der stellvertretende Landrat und Werkleiter des Böblinger Abfallwirtschaftsbetriebs. So habe sich die Menge illegal entsorgten Mülls im Kreis Böblingen von 2012 bis 2021 nahezu verdoppelt: von 334 auf 666 Tonnen. Das entspricht einer 600 Meter langen Schlange von Müllfahrzeugen.

Häckselplätze werden nachts angefahren

Abgeladen wird der Abfall bevorzugt auf oder vor Häckselplätzen. Beliebt sind dabei vor allem Plätze, die etwas außerhalb liegen und gut anzufahren sind. Da wird dann alles Mögliche abgelegt: vom Langgras, das auf dem Häckselplatz nicht verarbeitet werden kann, über Elektrogeräte bis hin zu Bauschutt, der dort gar nichts zu suchen hat. Die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs müssen den Müll dann korrekt entsorgen.

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, startet der Abfallwirtschaftsbetrieb nun eine Sensibilisierungskampagne. Entstanden sei die Idee in der Bürgermeisterrunde des Kreises, sagt Wuttke. Kern der Kampagne ist eine Plakataktion. Mit frechen Sprüchen wie „Wilder Müll kann nix.“ oder „Ist das dein Ernst?“ und Piktogrammen, die zum Beispiel zeigen, wie jemand achtlos eine Zigarettenkippe wegwirft, sollen die Menschen zum Nachdenken angeregt werden. Zielgruppe sind zum einen junge Leute, die Kippen oder Kaugummis auf die Straße werfen, zum anderen Bürger, die darauf achten sollen, wenn irgendwo illegal Abfall entladen wird. „Da erhoffen wir uns, das die Menschen genauer hinschauen“, so Wuttke.

Die Plakate hängen auf den Wertstoffhöfen und können von dem Kommunen zusätzlich zum Aufhängen im Ort bestellt werden. Bisher beteiligen sich sechs Kommunen. Die großen Kreisstädte sind nicht dabei.