Wildtiere im Rems-Murr-Kreis Wenig Jubel über die Rückkehr des Wolfes

In Baden-Württemberg sind als standorttreue Wölfe bisher nur ein kleines Rudel mit Welpe und zwei Einzeltiere im Schwarzwald nachgewiesen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Er wird zurückkommen, der Canis Lupus, auch im Schwäbischen Wald. Das Landratsamt hat Fachleute und Vertreter aus allen Pro- und Contra-Wolf-Gruppen in Großerlach versammelt, um schon im Vorfeld auf etwaige Ängste einzugehen.

Der Wolf ist zurück in Deutschland, das verursacht Ängste. In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass das eigentlich seit rund 150 Jahren ausgerottete Raubtier sich vor allem im Norden und im Osten der Republik langsam wieder ausbreitet. Im Rems-Murr-Kreis hat sich der Wolf zwar bisher noch nicht angesiedelt, dennoch haben einzelne Wolfssichtungen in Baden-Württemberg auch Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung ausgelöst.

 

Ängste sollen abgebaut werden

Um Ängsten gegenüber dem Wolf zu begegnen, hat das Landratsamt, angestoßen vom Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger, unter dem Titel „Der Wolf im Spannungsfeld zwischen Schutz und Konflikt“zu einer Informationsveranstaltung in die Schwalbenflughalle im Großerlacher Teilort Grab eingeladen. Ganz offenkundig ist das Thema Wolf auch am Rand des Schwäbischen Waldes von großem Interesse: Gut 200 Interessenten sind am Freitagabend der Einladung zu einer Informations- und Fragerunde zum Thema Rückkehr des Isegrim, dem alttestamentarischen Sinnbild des Bösen, gefolgt.

Guter Wolf, böser Wolf, sagte der Großerlacher Bürgermeister in seiner Einführung zum polarisierenden Gegenstand aktueller Debatten, das möge nicht das Thema sein, sondern eine sachliche, fachliche und mit möglichst wenig Emotionalisierung geführten Erörterung der Sachlage und der Möglichkeiten, gemeinsam mit dem Problem und den unterschiedlichen Betroffenheiten klar zu kommen. „Der Mythos vom bösen Wolf ist falsch“, sagte Jäger. Klar sei aber eben auch – nicht zuletzt der Angriffe auf Nutztiere wegen: „Der Wolf ist auch nicht ungefährlich.“

Der Wolf wird kommen – auch im Rems-Murr-Kreis

Der Wolf wird kommen, das war – ungeachtet der Furcht vor Schäden oder der Hoffnung auf mehr Artenvielfalt – in den Fachvorträgen in der Schwalbenflughalle unstrittig. Erste bestätigte Sichtungen in Nachbarkreisen hat es bereits gegeben, allerdings keine Hinweise auf Wölfe, die hierzulande ihre Revier haben.

Stand heute, so berichtet Felix Böcker von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg (FVA), gibt es in Deutschland insgesamt 184 Wolfsrudel , 64 Paare und 21 Einzeltiere. Als Rudel gelte eine Gruppe ab drei Tieren. Schwerpunkt ist dabei allerdings der Norden und der Osten Deutschlands.

Im gesamten Süden der Republik tritt das wieder eingewanderte Raubtier nur in Einzelfällen auf. In Baden-Württemberg, sagte Böcker, seien nur im Schwarzwald fest angesiedelte Tiere nachgewiesen, in dessen nördlichem Teil am Schluchsee und im Südschwarzwald. Der momentane Wolfsbestand dort umfasst ein Rudel mit Welpe und zwei Einzeltiere. Wie Böcker ist auch Laura Huber-Eustachi am FVA-Wildinstitut beschäftigt. Ihr Gebiet ist der Herdenschutz und die entsprechenden Beratungen. Der Hauptteil der von Wölfen gerissenen Nutztiere, so die Erfahrungen aus Dokumentationen in Wolfsgebieten, seien Schafe und Ziegen, berichtet sie in der Schwalbenflughalle. Lediglich sechs Prozent der Risse betreffen Rinder, fast ausschließlich Kälber. Pferde seien nur in höchst seltenen Einzelfällen betroffen und wenn, dann Fohlen. Wichtig sei es im Zweifelsfall möglichst wolfsichere Zäune – „alle mit Strom“ – zur Verfügung zu haben und zu beachten, dass das unterste stromführende Kabel nicht zu hoch über dem Boden angebracht wird, denn Wölfe versuchten meist, sich unter den Zäunen hindurch zu graben.

Wolfsichere Zäune für die Nutztierhaltung

Die Frage des richtigen Zauns, der rechtzeitigen und ausreichenden Förderung und des immensen Aufwands war auch in der anschließenden Fragerunde ein großes Thema. Viele Tierhalter im Kreis befürchten für den Fall, dass der Wolf tatsächlich hier ankommt, offenkundig um ihre wirtschaftliche Existenz. Auch der Hinweis auf Beratung und Förderungsmöglichkeit hat nicht alle überzeugt. „Die reden doch nur Kappes“ließ im Nachgespräch vor der Halle ein Tierhalter verlauten. Sein schlichter Kommentar zum Thema Wolf: „Abschießen“.

Ganz so einfach wird es nicht sein, hatten die Fachleute zuvor mit Verweis auf das EU-Tierschutzrecht gemahnt. Schließlich genieße der Wolf dort einen sehr hohen Schutzstatus. Auch mit Blick auf die jüngsten Äußerungen der für den Naturschutz zuständigen Bundesministerin Steffi Lemke zu erleichterten Bedingungen für die „Entnahme“ von Wölfen, fordert die Jägerschaft im Kreis hier klare Regelungen im Jagdrecht. Als größeres Problem im Wald wird der Wolf nicht gesehen, sagte der Kreisjägermeister Volker Schmidt – „aber wir brauchen ihn nicht.“

Der Wolf und seine Rückkehr nach Baden-Württemberg

Entwicklung
 Nachdem der Wolf (Canis lupus) seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland als ausgerottet galt, kehrt er seit dem Jahr 2015 auch nach Baden-Württemberg zurück. Eine aktive Ansiedlung des Wolfes findet nicht statt. Aber Wölfe sind sehr anpassungsfähig und besiedeln eigenständig neue Lebensräume. Auf ihren Wanderungen können Wölfe Strecken von bis zu 70 Kilometer pro Nacht zurück legen.

Verhalten
 Wo sie in Deutschland wieder heimisch werden, leben Wölfe in intensiv von Menschen genutzten und teils stark zersiedelten Kulturlandschaften. Mit der Gewöhnung an den Menschen und die Infrastruktur geht die Anpassung einher, Menschen bis zu einer gewissen Distanz zu tolerieren, sich aber nicht für sie zu interessieren. Als vorsichtige Tiere versuchen sie direkten Menschenkontakt zu minimieren. Kommt es zu Begegnungen, treten sie häufig einen ruhigen Rückzug an. 

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