Wildtiere in Stuttgart Stören Nilgänse auf dem Friedhof?
Der Fangelsbachfriedhof hat seit einiger Zeit ungewöhnliche Gäste: Ein Nilganspaar streift dort umher. Haben sie sich dort ein Nest in einem der alten Bäume gebaut?
Der Fangelsbachfriedhof hat seit einiger Zeit ungewöhnliche Gäste: Ein Nilganspaar streift dort umher. Haben sie sich dort ein Nest in einem der alten Bäume gebaut?
Der Fangelsbachfriedhof im Süden ist nicht nur ein Ort des Gedenkens und Abschiednehmens für Hinterbliebene. Aufgrund der Lage und der großen Bäume lenken viele im Stuttgarter Süden dorthin auch ihre Schritte, wenn sie einen Spaziergang machen. Und seit einiger Zeit sind da auch zwei Spaziergänger unterwegs, die bei manchen die Alarmglocken klingeln lassen: Zwei Nilgänse stolzieren zwischen den Gräbern umher. Da diese in Parkanlagen und Freibädern mitunter zum Problem werden, ist man auch hier alarmiert und befürchtet, dass die Gänse auch den Friedhof dauerhaft und in größerer Schar – eventuell mit Nachwuchs – bevölkern könnten.
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Die Reaktionen sind unterschiedlich. Eine Anwohnerin schildert, dass inzwischen schon Kinder nachfragen, ob sie zu den Gänsen gehen dürfen. So beliebt seien sie aber nicht bei allen. Nachbarn störe das Geschnatter, außerdem gebe es Befürchtungen, dass die Tiere auf Nahrungssuche die Bepflanzungen der Gräber durchwühlen könnten und mit ihrem Kot Wege und Gräber verunreinigen. Ein Gärtner vermutet, dass die Gänse womöglich in einem Baum gebrütet hatten, der im vergangenen Juni beim Unwetter umgestürzt war.
Der Zusammenhang mit dem Unwetter sei offensichtlich, ist von der Stadt zu erfahren. „Seit dem Unwetter kommt drei- bis viermal in der Woche ein Pärchen Nilgänse am Friedhof vorbei“, gibt der Pressesprecher Martin Thronberens die Erkenntnisse des Friedhofsamts weiter. Es gebe allerdings keine Hinweise darauf, dass sie dort gebrütet hätten. Nilgänse nisten sich durchaus auch in Bäumen ein.
Dadurch, dass sie nur gelegentlich und nicht dauerhaft da sind, hält sich offenbar auch die Beschwerdelage in Grenzen, beziehungsweise es wurden keine Probleme festgestellt: „Durch die Gänse gibt es aber bisher keine erkennbaren Beschädigungen oder Verkotung der Gräber oder Wege“, teilt der Pressesprecher mit. Diese Ansicht teilen auch Mitarbeitende der Gärtnerei Schuler, die direkt am Friedhof an der Cottastraße gelegen ist. „Es sind ja nur zwei, Schäden richten die nicht an. Das ist ganz anders als im Schlossgarten“, sagt eine Mitarbeiterin. Eher seien es Füchse, die Spuren hinterlassen und auch mal die Erde an der Oberfläche eines Grabs umwühlen – etwa auf der Jagd nach einer Maus, die sie verspeisen wollen.
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Dass die Gänse auf dem Friedhof brüten würden, könne man nicht bestätigen, sagt der Pressesprecher Martin Thronberens. Denn sie würden immer wieder wegfliegen – vermutlich zum Max-Eyth-See. Brütende Gänse würden ihren Nachwuchs auch verteidigen. Beschwerden über ein aggressives Verhalten der Gänse auf dem Friedhof bei der Markuskirche habe es aber keine gegeben. Der Fangelsbachfriedhof sei bislang der einzige in Stuttgart, der Gänsebesuch bekomme. Von allen anderen Ruhestätten sei das nicht bekannt. In großer Zahl kommen sie im Schlossgarten vor. Auch in den Freibädern grasen sie gerne auf den Liegewiesen.
Herkunft
Ursprünglich kommt die Nilgans vom afrikanischen Kontinent. Im 19. Jahrhundert breitete sie sich auf dem Balkan aus, dort ist sie inzwischen ausgerottet. In Europa hat sie sich als Gefangenschaftsflüchtling breitgemacht. Sie wurde als Ziervogel für Parks und Zoos geholt. Ausreißer breiteten sich von den Niederlanden aus am Rhein entlang aus.
Jagd
Die Nilgans darf bejagt werden. Die Jagdzeit wurde in den zurückliegenden Jahren sogar um zwei Monate ausgedehnt. Im Jagdjahr 2019/20 wurden 1487 Nilgänse erlegt, 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Zahl der erlegten Wildgansarten steigt seit Jahren kontinuierlich im Land.