Wildtierverbot in Stuttgart Dompteur des Circus Krone will gegen Stadt klagen

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Martin Lacey zeigt in öffentlichen Proben wie er mit seinen Raubtieren arbeitet. Das ist auch Werbung in eigener Sache. Das Publikum solle sich selbst ein Bild machen, sagt er.

Dompteur Martin Lacey: Auch wenn der Löwe schmust, bleibt er   gefährlich. Foto: Wolfgang Reinhold
Dompteur Martin Lacey: Auch wenn der Löwe schmust, bleibt er gefährlich. Foto: Wolfgang Reinhold

Stuttgart - Martin Lacey jr. ist mit Löwen und Tigern aufgewachsen, seine Eltern hatten mehrere Tierparks in England. Seine Tiere seien in der 21. Generation im Circus Krone geboren, sagt der Dompteur – das entspricht in etwa 60 Jahren. „Schauen Sie meine Tiere an. Alle sind gesund am Körper und im Kopf.“ Eine Probe und zwei Vorstellungen am Tag – seine Löwen und Tiger seien mehr beschäftigt als ihre Artgenossen im Zoo, sagt er.

Es gibt schwarze Schafe in der Branche

Seine Schlussfolgerung: „Das Wildtierverbot geht zu weit.“ Sollte die Stadt Stuttgart nicht einlenken und sollten Wildtiere auch auf dem Wasen ab April 2019 verboten sein, dann werde er Klage einreichen. „Entweder klagen wir als Circus Krone oder ich klage als Privatmann.“

Allerdings räumt er ein, dass es unter seinen Kollegen durchaus auch schwarze Schafe gebe. Das seien kleinere Unternehmen, die nicht genug Geld hätten, um die Tiere angemessen zu halten. „Die kommen in der Regel aus dem Osten, sind für vier Wochen in einer Stadt und dann wieder weg.“ Solche Betriebe seien schwer zu kontrollieren, zumal wenn sie sich auf Privatgelände einmieteten.

Er selbst bietet öffentlichen Proben an, wie am vergangenen Sonntag – auch als Werbung in eigener Sache. Die Plätze in den Logen und den vorderen Reihen sind gut gefüllt. Offensichtlich ist das Interesse groß, zu sehen, wie die Tiere trainiert werden. Die Manege des Circus Krone ist wie in der Vorstellung zum Käfig umgebaut. Aber statt 26 sind nur rund ein Dutzend Tiere zu sehen. Lacey trägt beige statt der Prunkuniform, und er hat ein Headset um, damit das Publikum seine Befehle hören kann. Immer wieder unterbricht er für Fragen.

Zwei Jahre lang zweimal am Tag übt Lacey mit den Jungtieren bevor sie auftreten. Dazu benutzt er ein Seil und einen langen Stock, an dessen Ende ein Stück Fleisch aufgespießt wird. „Das ist Rinderfilet“, erklärt er auf Nachfrage.

Brennende Reifen sind out, sagt der Dompteur

Während er seine Tiere auf ihre Plätze dirigiert, erklärt der Brite das Prinzip seiner Arbeit, das er „Vertrauen und Belohnung“ nennt. „Mein Geheimnis sind aufgebaute nicht gebrochene Tiere.“ Nicht mit jedem Löwen könne er alles machen. „Manche springen gerne, andere gar nicht. Die wollen lieber schmusen.“ Er müsse zunächst den Charakter herausfinden und dann seine Show danach ausrichten. Was für alle Tiere gelte: „Sie müssen Spaß haben. Und sie müssen immer beschäftigt sein.“ Übrigens: durch brennende Reifen sprängen Löwen oder Tiger längst nicht mehr. „Das ist altmodisch, kein Mensch will das mehr sehen.“

Trotz allen Vertrauens: Raubtiere sind gefährlich. „Wenn ich stolpern würde oder das Licht im Zelt plötzlich ausginge, würden die Tiere erschrecken und könnten mich attackieren.“ Deshalb stehe immer ein Kollege hinter dem Gitter, der zur Not eingreifen könne.

„Man muss Tierschutz haben“, betont Lacey. „Mir gehen die Tierrechtler aber oft zu weit.“ Er habe nur die Möglichkeit, seine Arbeit transparent zu machen. Daher die Probe, daher auch die offenen Stallungen. Im Rahmen des Krone-Zoos sind die Außengehege jeden Tag geöffnet. Wie oft sich Tierschützer bei ihm umsehen? „Ein bis zwei Mal in der Woche kommen ein bis zwei Interessierte bei mir vorbei.“

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