Illegale Trails in Stuttgarts Wäldern Mountainbiker sollen zurück auf legale Strecken

Von Josef Schunder 

In den Wäldern Stuttgarts gebe es mehrere Dutzend illegale Trails, beobachtete die Stadtverwaltung. Das will sie nicht mehr dulden. Sie will den Sportlern aber auch ein Angebot machen.

Eine Rampe mitten im Wald beim Bopser: Die sei da illegal gebaut worden, heißt es im Rathaus. Schon aus Haftungsgründen könne man so etwas nicht dulden. Foto: Garten-, Friedhofsamt und Forstamt 5 Bilder
Eine Rampe mitten im Wald beim Bopser: Die sei da illegal gebaut worden, heißt es im Rathaus. Schon aus Haftungsgründen könne man so etwas nicht dulden. Foto: Garten-, Friedhofsamt und Forstamt

Stuttgart - In den Wäldern in Stuttgart sind immer mehr Mountainbiker unterwegs – und manche davon haben inzwischen illegal mehrere Dutzend Pfade angelegt, dafür sogar Baumstämme, Grenzsteine und selbst Kleindenkmäler aus der Umgebung beigebracht. Gemeint ist eine Strecke zwischen Burg Dischingen und Lindenbachtal bei Weilimdorf. Manche Mountainbiker rücken zu Bauarbeiten sogar mit Äxten und Pickeln aus, beobachteten die Mitarbeiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Am Dienstag signalisierte es im Ausschuss für Umwelt und Technik, dass es mit den illegalen „Trails“ in Stuttgarts Wäldern aufräumen will, weil die Stadt schon aus Haftungsgründen im Fall von Unfällen die Pfade nicht dulden dürfe. Ganz abgesehen davon, dass auch Schäden wie Bodenerosion entstehen.

Das Amt und Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau wissen allerdings auch, dass Mountainbikefahren so langsam zum Massenphänomen geworden sei und die unterschiedlich ambitionierten Sportler nicht so einfach des Waldes zu verweisen sein werden. Daher möchten sie die Mountbiker auf legale Trails konzentrieren, so gut es geht. Dazu soll ein Netz aus legalen Pfaden geschaffen werden, wobei man zum Beispiel die ökologische empfindlichsten Waldbereiche am liebsten ausklammern würde. Einige bisher illegale Trails werde man wahrscheinlich legalisieren, sagte Hagen Dilling, aber ohne Einbauten. Man denke an Pfade mit dem Charakter von Wanderwegen, die dennoch Fahrspaß bieten.

Zwei zusätzliche Forstwirte sollen Rückbau betreiben

Die Konzeption soll von einem externen Gutachter erarbeitet werden, der die Nutzer einbindet und alle Belange, besonders den Naturschutz, berücksichtigt. Das werde Planungsmittel von rund 160 000 Euro erfordern, meint die Verwaltung, die über das Geld gern in den Jahren 2020 und 2021 verfügen möchte. Der Unterhalt des Netzes werde dann noch einmal etwa 10 000 Euro pro Jahr kosten. Das Amt wünscht aber auch die Einstellung zweier Forstwirte, die abbauen sollen, was man trotzdem noch an illegalen Strecken in den Wäldern entdeckt. Der Rückbau kann aufwendig sein. Am Dischinger-Burg-Trail kostete er im Frühjahr 82 Arbeitsstunden.

Wenn die neuen Mitarbeiter nicht beim Rückbau gefordert sein werden, sollen sie illegal im Wald deponierten Müll und Grünabfälle beseitigen. Das angepeilte Netz soll gut ausgeschildert werden und den Bedürfnissen der meisten „durchschnittlichen Freizeit-Mountainbiker“ gerecht werden, die zunehmend auch mit elektrischer Unterstützung in die Wälder vorstoßen und dort schmale Pfade suchen. Diejenigen, die diesen Trails mit Einbauten den Charakter einer Downhillstrecke verpassten, können sich eigentlich schon heute legal betätigen: Dafür hat die Stadt eine lange Strecke zwischen Degerloch und dem Stuttgarter Süden angelegt.

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