Wilhelma hinter den Kulissen In der Terra Australis steckt raffinierte Technik

Der Technik-Chef Hans-Joachim Treiber erklärt die technischen Einrichtungen in der Terra Australis. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Hans-Joachim Treiber, weiß, wo in der neuen Australienwelt der Wilhelma welche Steuerungen sitzen. Der Technik-Chef erzählt, wie aufwendig die Einrichtung ist, damit Tiere, Pflanzen und Menschen sich wohlfühlen.

Lokales: Iris Frey (if)

Wer kann es besser wissen, als Hans-Joachim Treiber, der Chef des Bereichs Technik und Bau in der Wilhelma, welche Installationen in der neuen Terra Australis eingebaut wurden. Der 48-Jährige hat mit Fotos dokumentiert, wie das ehemalige Menschenaffenhaus vorher aussah. Am Ende standen nur noch die Betonwände. Der Beton wurde saniert, danach wurde alles komplett neu gestaltet und mit neuer Technik versehen.

 

Heizschlangen hinter den Kunstfelsen

Im Tagbereich, dort, wo in Kürze die Koalas und Baumkängurus leben werden, ist alles modern ausgestattet, damit es den Tieren möglichst gut geht: Dass sie es 22 bis 28 Grad warm haben, dafür sorgen Heizschlangen, die hinter den Kunstfelsen liegen. „Angenehme Strahlungswärme wird es sein“, sagt Treiber. Über das Glasdach kann gelüftet oder Schatten gesetzt werden. Wenn die freie Lüftung nichts nützt, gibt es eine mechanische. Die Lüftungsgitter sind dezent zwischen Ästen und Felsen angebracht. Wasser wird über das Glasdach in einer Zisterne gesammelt. „Das Regenwasser sorgt für die Kühlung der Raumluft“, sagt Treiber. In einem Nebenraum sorgt eine Klimaanlage für Umluft, falls die Temperaturen zu hoch sind. Die Versorgungskabel laufen ebenfalls im Hintergrund, ebenso die Wasserrohre, die Trinkwasser liefern, aber auch eigenes Mineralwasser. Das Trinkwasser wird für die Tiertränken benutzt oder um Scheiben zu reinigen, das Mineralwasser zum Reinigen der Böden und Gehege.

Besondere Lichtsteuerung für Tag und Nacht

Die Terra Australis verfügt über eine besondere Lichtsteuerung, da das Areal einen Tagbereich und zwei Nachtbereiche nebeneinander hat. „Jede Lampe hat eine eigene Farbhelligkeit und Temperatur“, erklärt Treiber. Das sei gerade auch für den Nachtbereich sehr wichtig. Es gibt ein Automatikprogramm, damit die Natur in ihrer jeweiligen Helligkeit simuliert werden kann. Für die Nacht gibt es eine Farbtemperatur- und Leistungsmessung und für den Tagbereich jeweils 100 Prozent Lichtleistung, alles in LED-Technik. Die Lampen sind eine Sonderanfertigung. Sie können auch eine minimalste Helligkeit liefern.

Es gibt zwei verschiedene Lampen: eine für Sonnenlicht, die anderen sind die Nachtlampen. Damit erleben die Tiere dank einer exakter Einstellung jeweils den natürlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Schließlich leben die Nachttiere hier in einem umgekehrtem Tag-Nacht-Rhythmus. Für UV-Licht, das für die Koalas und die Pflanzen wichtig ist, gibt es ebenfalls extra Lampen.

Nachhaltige Bauweise mit mineralischer Dämmung

Das Haus wurde von außen mit einer rein mineralischen Dämmung versehen, um Ratten, Mäuse und Kakerlaken fern zu halten. Auf Styropor wurde verzichtet. Beim Umbau wurde außerdem auf Nachhaltigkeit geachtet, sodass die Baumaterialien wieder verwertet werden können.

„Jedes Haus hat seine Technik“, berichtet Treiber. Alle drei Gebäude haben eine eigene Stromverteilung, auch die Raumluft wird automatisch geregelt. Tableaus informieren darüber, welche Raumtemperatur und Feuchtigkeit gerade herrscht. „Die Koalas brauchen 60 bis 70 Prozent Luftfeuchtigkeit.“ In den einzelnen Bereichen der Tiere ist die Technik besonders raffiniert versteckt: Wasserhähne sind von Kunstfelsen ummantelt, und nur ein Drehknopf verrät, dass hier ein Heizkörper steckt.

Vielerlei Sonderanfertigungen vom Glas bis zum Sand

Alles hier ist eine Sonderanfertigung. Für die Besucher strahlt das Restlicht ab. Am Boden finden sich Vitrinen, die Stelen für die Besucherinfos fehlen noch. Mal schreiten die Besucher über federnden Gummiboden, der den Waldboden simuliert, mal über Prägebetonboden mit Blättern und Stempeln. Eine Sonderanfertigung ist auch der Sand in der Wüstenlandschaft: Er wurde in Mitteldeutschland in der rötlichen Farbe gebrannt. „Für die gibt es keine RAL-Nummer“, berichtet Treiber.

Wer genau hinschaut, entdeckt Türen, 200 Kilo schwer, mit Kunstfelsen verkleidet. Bei den Landschaften im Hintergrund handelt es sich um Illusionsmalerei einer Künstlergruppe aus Berlin. Scheiben aus Spezialglas trennen die Besucher von Tier- und Pflanzenwelt, hergestellt von einer Glashütte in Rundform. An der Fluchtwegsleuchte wird noch getüftelt wegen der Helligkeit. Treiber ist Architekt und leitet seit 2018 in der Wilhelma die Abteilung Technik und Bau. Er ist für alle Anlagen einschließlich der Infrastruktur für Strom und Wasserversorgung zuständig. Aktuell ist die Terra Australis in der Wilhelma das technisch anspruchsvollste Gebäude. Doch der Technik-Chef darf stolz sein: alles funktioniert. Die Tiere können kommen.

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